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09.07.2026 | 05:00

Volatus Aerospace, TKMS und Rheinmetall: Drei Aktien für den nächsten Rüstungsboom

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Bildquelle: Pixabay.com

Der Rüstungsboom läuft längst noch nicht aus, sondern entfacht immer wieder neu, denn der militärische Nachholbedarf rund um den Globus bleibt angesichts vieler Krisenherde enorm. Für Anleger eröffnen so allerdings immer wieder neue Investmentchancen. Wir stellen drei aussichtsreiche Aktien für den nächsten Rüstungsboom vor.

Lesezeit: ca. 9 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Die Börsen hatten einen Frieden am Persischen Golf teilweise schon eingepreist, doch jetzt flammt der Krieg dort wieder auf. Donald Trump hat jüngst den Waffenstillstand mit dem Iran für beendet erklärt. Der Rüstungsboom läuft längst noch nicht aus, im Gegenteil: Er entfacht immer wieder neu – und er verlagert ständig seinen Schwerpunkt. Nach Munition, Panzern, Flugabwehr und Drohnen rückt nun auch die maritime Verteidigung wieder stärker in den Fokus. Im Umfeld des jüngsten Nato-Gipfels in Ankara verkündete etwa Kanada milliardenschwere U-Boot-Pläne mit TKMS. Auch die steigenden Verteidigungsausgaben in Europa und der technologische Wettlauf bei Drohnenabwehr zeigen, dass der militärische Nachholbedarf enorm bleibt. Für Anleger eröffnen sich so neue Chancen – spekulativ mit Volatus Aerospace, etwas defensiver mit TKMS und Rheinmetall.

    Volatus: Kleine Drohnenaktie mit großem Potenzial

    Der spannendste Wert in diesem Trio bleibt Volatus Aerospace. Die Aktie ist nichts für Anleger mit schwachen Nerven, aber sie liefert genau jene Mischung, die an der Börse in Boomphasen für Fantasie sorgt: ein heißes Investmentthema, ein geringer Börsenwert, operativer Aufwind und die Aussicht auf deutlich größere Aufträge. Volatus hat sich in den vergangenen Jahren vom eher unscheinbaren Drohnendienstleister zu einer integrierten Aerospace- und Defence-Plattform entwickelt. Das kanadische Unternehmen verkauft nicht nur Drohnen. Es bietet Training, Flugbetrieb, Datenanalyse, Sensorik, Wartung, Software und zunehmend militärische Anwendungen aus einer Hand.

    Das ist wichtig, denn der Drohnenmarkt wird gerade neu sortiert. Früher war das Thema oft ein Spielplatz für Spezialisten. Heute sind Drohnen ein zentraler Bestandteil moderner Kriegsführung. Aufklärung, Zielerfassung, Grenzüberwachung, Schutz kritischer Infrastruktur, Drohnenabwehr und autonome Systeme stehen bei Regierungen weit oben auf der Einkaufsliste. Und Volatus will in diesem großen Spiel zukünftig vorne dabei sein.

    Besonders spannend ist die neue Produktions- und Integrationsstrategie in Mirabel in Québec. Dort baut Volatus für zehn Mio. CAD eine skalierbare Plattform zur Serienfertigung und Integration militärischer Langstreckendrohnen auf. Der Standort ist langfristig gesichert und passt perfekt in die politische Großwetterlage. Kanada will mehr Verteidigungsfähigkeit im eigenen Land aufbauen. Westliche Regierungen suchen zudem Anbieter, die nicht an problematischen Lieferketten hängen. Für Volatus könnte daraus ein ideales Zeitfenster entstehen. Die Investitionen zeigen jedenfalls: Das Unternehmen bereitet sich nicht auf ein paar Kleinaufträge vor, sondern plant mit größeren Regierungs- und Nato-nahe Programmen. Genau deshalb könnte der Newsflow in den kommenden Monaten interessant werden.

    Volle Auftragsbücher

    Im ersten Quartal waren die operativen Zahlen auf den ersten Blick noch recht unspektakulär. Der Umsatz lag bei rund 5,6 Mio. CAD. Gleichzeitig erreichte die Bruttomarge mit 35 % aber bereits den höchsten Wert in einem ersten Quartal der Unternehmensgeschichte. Das deutet darauf hin, dass sich der Geschäftsmix verbessert.

    Noch wichtiger ist, dass Volatus Ende März die Auftragspipeline auf rund 600 Mio. CAD taxierte. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das mehr als stattlich. Das Management erwartet für 2026 zudem wiederkehrende Umsätze von rund 20 Mio. CAD. Natürlich ist eine Pipeline noch kein Umsatz. Volatus muss in den kommenden Quartalen zeigen, dass aus Interesse auch Bestellungen werden. Im ersten Quartal belasteten zeitliche Verschiebungen bei Verteidigungsaufträgen und Lieferkettenprobleme. Das Management betonte aber, dass die betroffenen Verträge weiter aktiv seien und Lieferungen ins zweite Quartal verschoben wurden.

    Sollte sich das bestätigen, könnte der Markt sehr schnell wieder genauer hinschauen. Denn bei kleinen Defence-Tech-Werten reicht oft schon ein größerer Regierungsauftrag, um die Wahrnehmung der Aktie deutlich zu verändern.

    Software, Drohnenabwehr und Nato-Fantasie

    Der zweite Hebel liegt in der Software. Volatus arbeitet an Plattformen wie SKYDRA und V-Cortex AI. SKYDRA zielt auf Counter-UAS-Anwendungen, also auf die Planung, Simulation und Vorbereitung von Drohnenabwehr-Einsätzen. Das Thema wird vor allem militärisch immer wichtiger. Je billiger und zahlreicher Angriffsdrohnen werden, desto größer wird der Bedarf an Erkennung, Simulation, Abwehr und Training. Genau dort kann Volatus mit seiner Kombination aus operativer Erfahrung, Software und Ausbildung punkten.

    Besonders interessant ist auch die Zusammenarbeit mit Sentinel R&D an einer kanadischen Interceptor-UAV-Plattform. Noch ist das kein Milliardenauftrag. Aber es passt exakt in die Zeit. Drohnenabwehr wird für Armeen, Flughäfen, Energieanlagen, Häfen und kritische Infrastruktur zu einem Dauerbrenner. Obendrein hat Volatus bereits einen mehrjährigen Trainingsvertrag mit einer Nato-verbündeten Regierung erhalten. Solche Aufträge sind nicht nur wegen ihres Volumens interessant, sondern wegen ihrer Signalwirkung. Wer einmal in einem Nato-nahen Umfeld liefert, wird für weitere Programme sichtbarer.

    Aktie mit Übernahmefantasie

    Auch die Kapitalmarktstory gewinnt an Schwung. Nach dem Wechsel an die Toronto Stock Exchange ist die Aktie für institutionelle Investoren besser zugänglich. In Anlegerkreisen wird längst darüber spekuliert, ob mittelfristig weitere Kapitalmarkt-Schritte folgen könnten. Auch Übernahmefantasie ist vorhanden. Große Rüstungs- und Technologiekonzerne stehen unter Druck, sich im Drohnenbereich schnell zu positionieren. Der Aufbau eigener Plattformen kostet Zeit. Kleinere Spezialisten mit funktionierender Technologie, operativer Erfahrung und staatlichen Referenzen können daher schnell ins Visier geraten. Volatus wäre für größere Player interessant, weil das Unternehmen nicht nur einzelne Drohnen anbietet, sondern ein ganzes Ökosystem aus Produktion, Software, Training und Betrieb.

    Analysten sehen hohes Kurspotenzial

    An der Börse ist Volatus aktuell noch eine klassische Frühphasen-Spekulation. Das Unternehmen schreibt noch Verluste, zudem hängt die Bewertung stark an künftigen Erwartungen. Das macht die Aktie sehr spekulativ. Volatus muss zeigen, dass aus der Pipeline tatsächlich Umsätze werden, Mirabel skaliert und Softwarelösungen wie SKYDRA kommerziell angenommen werden. Gelingt das, könnte der kleine kanadische Drohnenwert vor einer neuen Bewertungsstufe stehen. Auch Börsenexperten sind weiterhin optimistisch gestimmt für die Aktie. Im Mittel des Analystenkonsens liegt das Kursziel für den Hotstock aktuell bei 1,04 CAD und damit rund 75 % über dem aktuellen Kursniveau.

    TKMS: U-Boot-Deal als Ritterschlag

    Während Volatus für den spekulativen Drohnenhebel steht, liefert TKMS die maritime Seite des Rüstungsbooms. Die Aktie ist noch jung an der Börse, die Story aber altbekannt: TKMS ist einer der wichtigsten westlichen Anbieter für nicht-nuklear angetriebene U-Boote. Genau diese Nische wird nun wieder zum strategischen Wachstumsfeld. Kanada hat TKMS offiziell als bevorzugten Anbieter für das Canadian Patrol Submarine Project ausgewählt. Es geht potenziell um bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD. Noch ist das kein final unterschriebener Vertrag, sondern der Einstieg in die finalen Verhandlungen. Aber allein dieser Schritt ist ein starker Meilenstein. Der potenzielle Auftragswert könnte nach Unternehmensangaben deutlich über 15 Mrd. EUR liegen, sodass sich der bestehende TKMS-Auftragsbestand dadurch um mehr als 50 % erhöhen könnte.

    Strategisch ist der Deal fast noch wichtiger als finanziell. Kanada würde sich in die bestehende 212CD-Plattform von Deutschland und Norwegen einklinken. Daraus könnte eine gemeinsame Nato-U-Boot-Familie mit bis zu 24 Einheiten entstehen. Standardisierung, gemeinsame Entwicklung, geringere technische Risiken und niedrigere Lebenszykluskosten wären die Folge. Für TKMS wäre das ein Ritterschlag. Die Kieler wären nicht nur Exporteur, sondern Kern eines transatlantischen Marineprogramms.

    Der Zeitpunkt passt perfekt. Kanada will seine alternde U-Boot-Flotte ersetzen und seine Fähigkeiten in Atlantik, Pazifik und Arktis ausbauen. Die Entscheidung fiel im Umfeld des Nato-Gipfels in Ankara und wird politisch als Signal für engere Zusammenarbeit zwischen Kanada, Deutschland und Norwegen gewertet. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass TKMS sich gegen Hanwha Ocean aus Südkorea durchgesetzt hat, der finale Vertrag aber noch verhandelt werden muss. Auch die Newsagentur AP ordnet die Entscheidung als Teil der kanadischen Aufrüstung und einer stärkeren Nato-Interoperabilität ein.

    Vertragsschluss Ende 2026 erwartet

    Kurzfristig sollte man allerdings nicht zu viel in die Gewinnschätzungen von TKMS hineininterpretieren. Die DZ Bank erwartet zunächst keinen wesentlichen Effekt auf die Schätzungen, weil der finale Vertrag noch fehlt und die Ergebnisbeiträge zeitlich weit in der Zukunft liegen. Die erste Lieferung des 212CD-U-Boots nennt TKMS für 2033, im IR-Briefing ist von den ersten drei Booten bis 2035 die Rede. Der nächste große Trigger wäre daher der finale Vertragsabschluss, voraussichtlich Ende 2026.

    Für die Aktie ist das trotzdem stark. TKMS bekommt genau das, was Rüstungsinvestoren lieben: Sichtbarkeit, lange Auftragsreichweite und geopolitische Relevanz. Die Aktie ist nach dem starken Börsenstart kein Geheimtipp mehr. Aber der Kanada-Deal zeigt, dass TKMS nicht nur eine Abspaltung mit hübscher Story ist, sondern ein echter Profiteur der neuen maritimen Sicherheitslage.

    Rheinmetall: Der große deutsche Dauerläufer

    Noch offensichtlicher ist der Rüstungsboom bei Rheinmetall. Der Düsseldorfer DAX-Konzern gilt längst als einer der großen Gewinner der europäischen Aufrüstung. Neben Munition, Militärfahrzeugen, Flugabwehr, Panzertechnik, Elektronik führen die Rheinländer auch Drohnen im Programm. Rheinmetall baut sich immer stärker zum Komplettanbieter für moderne Gefechtsfelder aus. Gerade das macht die Aktie weiterhin interessant. Denn der Konzern hängt nicht an einem einzigen Projekt, sondern profitiert von fast allen großen Trends der Verteidigungsausgaben.

    Drohnenstory bringt Fantasie

    Besonders spannend ist, dass Rheinmetall inzwischen auch im Drohnenmarkt ernst macht. Der Bundeswehr-Auftrag für die Loitering-Munition FV-014 war ein wichtiger Schritt. Der erste Abruf beläuft sich auf rund 300 Mio. EUR, die Lieferungen sollen nach der Qualifizierung ab 2027 beginnen. Die Nachrichtenagentur Reuters spricht von einem milliardenschweren Rahmenvertrag mit potenziell fünfstelligen Stückzahlen. Damit bekommt Rheinmetall neben Panzer- und Munitionsfantasie auch eine eigene Drohnenstory, die perfekt zur klassischen Munitions- und Plattformkompetenz des Konzerns passt.

    Das ist mehr als ein Randthema. Loitering Munition verändert die moderne Kriegsführung. Diese Systeme kreisen über dem Einsatzgebiet, klären Ziele auf und können bei Bedarf präzise zuschlagen. Genau an der Schnittstelle aus Drohne, Munition, Software und Vernetzung entsteht eine neue industrielle Wertschöpfungskette. Zusätzlich arbeitet Rheinmetall mit Auterion an einem standardisierten Betriebssystem für militärische Drohnensysteme. Für langfristig orientierte Anleger, die auf Militäraktien setzen wollen, bleibt Rheinmetall damit nicht nur der große Aufrüstungsprofiteur, sondern zunehmend auch ein deutscher Drohnen- und Defence-Tech-Wert.

    Kursrücksetzer als Einstiegschance

    Der Vorteil von Rheinmetall liegt in der Breite. Wenn Drohnen boomen, ist Rheinmetall dabei. Wenn Munition knapp bleibt, ist Rheinmetall dabei. Wenn Europa Panzer, Fahrzeuge oder Luftverteidigung nachbestellt, ist Rheinmetall ebenfalls dabei. Genau deshalb ist die Aktie inzwischen mit einem 2027er KGV von rund 25 zwar recht teuer, aber operativ extrem gut unterfüttert. Die meisten Analysten sehen den Titel weiterhin positiv. Von 24 Banken und Researchhäusern, die das Rheinmetall-Papier covern, raten 22 zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 1.737 EUR und damit mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der jüngste Rücksetzer, durch den sich der zuvor heiß gelaufene Aktienkurs vom Hoch bei 2.000 EUR halbiert hat, bietet langfristig orientierten Neueinsteigern jetzt eine gute Gelegenheit zum Aufbau von Positionen.

    Fazit

    Der Rüstungsboom ist kein kurzfristiges Börsenmodethema mehr. Er ist eine politische Realität. Nato-Staaten erhöhen ihre Budgets, Lieferketten werden neu aufgebaut, Drohnen verändern die Gefechtsführung, und die maritime Sicherheit rückt wieder stärker in den Mittelpunkt. Davon profitieren große Konzerne wie Rheinmetall, Spezialisten wie TKMS und kleinere Technologiewerte wie Volatus Aerospace. Volatus bleibt der spekulativste Wert des Trios. Die Kanadier müssen noch beweisen, dass aus Pipeline, Software und Mirabel-Produktion tatsächlich skalierbare Umsätze werden. Genau darin steckt aber auch der größte Hebel. Neue Defence-Aufträge könnten die Aktie schnell wieder in Bewegung bringen. TKMS bietet den maritimen Nato-Hebel mit hoher langfristiger Visibilität. Rheinmetall bleibt der breit aufgestellte deutsche Rüstungs-Champion. Wer den neuen Verteidigungszyklus an der Börse spielen will, findet hier drei sehr unterschiedliche Ansätze: heißer Hotstock, maritimer Spezialist und etablierter Dauerläufer.


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    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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