01.07.2026 | 05:00
Almonty, Rheinmetall und Hensoldt: Gute Kaufchancen bei den drei Anlegerlieblingen
Die Börse liebt große Geschichten. Noch besser sind Geschichten, bei denen mehrere Trends gleichzeitig zusammenlaufen. Genau das passiert derzeit bei kritischen Rohstoffen, Rüstung und Hightech. Der Westen will unabhängiger von China werden, Europa rüstet auf und moderne Verteidigungssysteme brauchen immer mehr Spezialmaterialien. Drei Aktien stehen dabei für unterschiedliche Teile derselben Entwicklung: Almonty Industries, Rheinmetall und Hensoldt. Alle drei Titel sind bei Anlegern sehr beliebt, mussten zuletzt aber Kursrücksetzer verdauen. Eine gute Chance für Neueinsteiger!
Lesezeit: ca. 9 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , HENSOLDT AG INH O.N. | DE000HAG0005
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Almonty Industries: Spektakuläre Erfolgsstory
Der spannendste Wert in diesem Trio bleibt Almonty Industries. Kaum eine Rohstoffaktie hat Anleger in den vergangenen Monaten so elektrisiert wie der Wolfram-Spezialist. Aus einem lange kaum beachteten Nischenwert wurde eine der spektakulärsten Börsenstorys im Rohstoffsektor. Nach der starken Rallye gab es zuletzt zwar heftige Gewinnmitnahmen. Dazu kamen Verwässerungssorgen rund um die große Finanzierungsrunde. Doch genau das macht die Aktie wieder interessant. Denn die Investmentstory ist nicht schwächer geworden. Im Gegenteil. Durch die erfolgreiche Platzierung einer Wandelanleihe über 800 Mio. USD hat Almonty die Bilanz deutlich gestärkt. Die Emission war stark überzeichnet. Nach Abzug der Kosten fließen rund 773 Mio. USD in die Firmenkasse. Das Geld will Almonty zur Schuldentilgung und zur Stärkung des operativen Geschäfts nutzen. Der neue Finanzchef Jorge Beristain kann jetzt den Produktionshochlauf und mögliche Erweiterungen finanzieren und neue Projekte rund um Wolfram vorantreiben.
Das extrem harte Metall ist mittlerweile auch strategisch ein sehr wichtiges Thema. Es steckt in Hochleistungswerkzeugen, Maschinen, Elektronik, Luftfahrttechnik und modernen Waffensystemen. Dort, wo Hitze, Härte, Gewicht und Belastbarkeit zählen, wird Wolfram gebraucht. China dominiert den Markt, während westliche Länder versuchen, ihre Lieferketten bei kritischen Rohstoffen neu aufzustellen. Für Almonty ist das ein historisches Zeitfenster. Das Unternehmen gehört zu den wenigen relevanten Wolframproduzenten außerhalb Chinas. Der große Gamechanger bleibt die Sangdong-Mine in Südkorea. Historisch war Sangdong mehr als 40 Jahre lang einer der führenden Wolframproduzenten der Welt. Nun wird das Projekt für Almonty operative Realität. Mit dem Übergang in Richtung kommerzieller Produktion könnte der Konzern in eine völlig neue Umsatz- und Ergebnisdimension hineinwachsen. Sangdong hat das Potenzial, zu einer der wichtigsten Wolframquellen außerhalb Chinas zu werden.
Zweite strategische Metallstory
Die Kanadier denken längst größer als nur Sangdong. In Portugal läuft mit Panasqueira bereits eine produzierende Mine. In Spanien laufen weitere Projekte. In Montana hat Almonty mit Gentung ein Wolframprojekt übernommen. Sollte daraus tatsächlich die erste kommerzielle Wolframmine in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten entstehen, wäre das auch politisch ein Volltreffer. In Washington wird man sehr genau beobachten, wer Wolfram außerhalb Chinas liefern kann. Zusätzliche Fantasie kommt aus dem Molybdän-Projekt bei Sangdong. Das Bohrprogramm läuft, erste Fortschritte wurden gemeldet. Sollte Almonty dort die historischen Daten bestätigen und eine wirtschaftlich interessante Ressource nachweisen, entstünde neben Wolfram eine zweite strategische Metallstory auf derselben Liegenschaft. Gerade Südkorea hat ein Interesse daran, die Versorgung mit kritischen Metallen breiter abzusichern. Für Almonty wäre das ein willkommener Zusatzhebel.
USA bringt Fantasie
Zusätzliche Fantasie liefert die zunehmende US-Ausrichtung. Ab 2027 werden für das US-Verteidigungsministerium die Anforderungen an bestimmte kritische Materialien deutlich strenger. Bei Wolfram geht es dann stärker um die Herkunft entlang der Lieferkette. Für Anbieter außerhalb Chinas kann daraus ein Türöffner werden. Sollte Almonty größere Abnahmeverträge mit Kunden aus der amerikanischen Verteidigungs- oder Hightechindustrie abschließen, würde sich die Story noch einmal deutlich verändern. Dann wäre Almonty nicht mehr nur ein Rohstoff-Highflyer, sondern ein strategischer Cashflow-Player.
Aufnahme in wichtige US-Börsenindizes
Die Aktie wurde jüngst in den USA in den Russell-1000-Index sowie den Russell-3000-Index aufgenommen. Der Russell 3000 umfasst die 3.000 größten börsennotierten Unternehmen der USA nach Marktkapitalisierung. Der Russell 1000 bildet daraus die 1.000 größten Gesellschaften ab. Almonty-CEO Lewis Black bezeichnete die Aufnahme als wichtigen Meilenstein. Sie basiere allein auf der erreichten Marktkapitalisierung und unterstreiche die gewachsene Bedeutung Almontys als westlich ausgerichteter Produzent des strategisch wichtigen Metalls Wolfram, das insbesondere für die Verteidigungs- und Hochtechnologiebranche unverzichtbar sei.
Günstige Gelegenheit
Natürlich bleibt die Aktie spekulativ. Nach der Kursvervielfachung innerhalb der vergangenen Jahre sind die Erwartungen hoch. Jüngst kam es immer wieder mal zu Gewinnmitnahmen, die zu deutlichen Kursrücksetzern führten. Aber das Chance-Risiko-Profil ist dadurch nun wieder interessanter. Für Neueinsteiger bietet sich jetzt eine gute Kaufgelegenheit. Almonty sitzt an der Schnittstelle von Rohstoffknappheit, Rüstungsboom, westlicher Lieferkettensicherheit und Hightech-Fantasie. Anleger, die mit der hohen Volatilität leben können und an die strategische Wolframstory glauben, finden in Almonty einen der spannendsten Rohstoffwerte der kommenden Jahre und kommen beim Kauf der Aktie jetzt wieder relativ günstig zum Zuge.
Rheinmetall: Kaufchance nach Kurskorrektur
Auch die Aktie von Rheinmetall bietet jetzt neue Chancen. Die Aktie war über Monate der Inbegriff des europäischen Rüstungsbooms. Panzer, Munition, Luftverteidigung, Militärtrucks, Digitalisierung der Streitkräfte – Rheinmetall liefert an fast allen Stellen, an denen Europa massiv aufrüstet. Entsprechend stark war die Rallye. Entsprechend heftig fiel zuletzt die Ernüchterung aus. Auslöser war der Rückschlag beim Marineprojekt F-126. Der Markt hatte Rheinmetall gute Chancen auf einen milliardenschweren Auftrag im Bereich Marineschiffbau eingeräumt. Dann kam die kalte Dusche. Deutschland entschied sich für eine andere Lösung. Die Aktie brach kräftig ein.
Auftragsbestand weiter auf Rekordniveau
Rheinmetall bleibt operativ allerdings in einer außergewöhnlich starken Position. Der Auftragsbestand liegt auf Rekordniveau. Die Nachfrage nach Munition, gepanzerten Fahrzeugen, Flugabwehr und militärischer Mobilität ist strukturell hoch. Europa muss über Jahre auffüllen, modernisieren und neu denken. Gerade im Munitionsgeschäft ist der Hebel gewaltig. Dazu kommt die Flugabwehr. Systeme wie Skynex oder Skyranger treffen einen Nerv, weil Drohnen und Raketen die Kriegsführung verändert haben. Das vorzeitige Ende des Fregattenprogramms F-126 ist ein klarer Rückschlag für die maritimen Ambitionen des Konzerns. Immerhin stand für den Auftrag zuletzt ein Volumen von rund 15 Milliarden EUR im Raum. Trotzdem wäre es falsch, daraus gleich einen Bruch der gesamten Investmentstory abzuleiten. Denn der Auftrag hätte sich über viele Jahre bis weit in die 2030er-Jahre verteilt. Für Umsatz und Ergebnis ist der kurzfristige Schaden daher deutlich kleiner, als es die Kursreaktion vermuten lässt.
Kurzfristig muss Rheinmetall bei den Auftragseingängen zwar kleinere Brötchen backen. 80 Milliarden EUR an Nominierungen und ein Auftragsbestand von etwa 135 Milliarden EUR zum Jahresende, den Analysten erwarten, dürften so nicht mehr erreichbar sein. Ein Umsatz von 14 bis 14,5 Milliarden EUR und eine operative Marge von rund 19 % dürften aber zu schaffen sein. Der maritime Großauftrag fehlt jetzt zwar in der Story, aber nicht schlagartig in der GuV.
Rückenwind durch Aufrüstung bleibt
Der eigentliche Rückenwind bleibt ohnehin unverändert. Europa rüstet auf. Panzer, Munition, Flugabwehr, geschützte Fahrzeuge, Militär-Lkw und digitale Vernetzung sind genau die Bereiche, in denen die NATO-Staaten massiven Nachholbedarf haben. Rheinmetall sitzt damit an einer besonders gefragten Stelle der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig entwickelt sich der Konzern zunehmend vom klassischen Munitions- und Panzerlieferanten zum breiter aufgestellten Systemhaus für moderne Verteidigungslösungen.
Aktie nach Korrektur nicht mehr überbewertet
Auch die Bewertung der Aktie wirkt nach der Kurskorrektur nun weniger extrem, wenn die erwarteten Gewinnschätzungen tatsächlich erreicht werden. Der Analystenkonsens rechnet für 2026 mit einem bereinigten Ergebnis je Aktie von knapp 37 EUR, für 2027 mit 54 EUR und für 2028 mit 75 EUR. Daraus ergeben sich KGVs von 26, 18 und 13. Für einen strukturell wachsenden Rüstungskonzern ist das nicht billig, aber auch nicht völlig aus der Welt.
Risiken bleiben dennoch. Rheinmetall muss Kapazitäten hochfahren, Akquisitionen integrieren und politische Verzögerungen verkraften. Auch ein schneller Friedensschluss in der Ukraine könnte das Sentiment belasten. Trotzdem gilt: Das Aus für F-126 ist ärgerlich, aber kein Trendbruch. Rheinmetall bleibt einer der großen Profiteure der europäischen Zeitenwende. Der Rückschlag ist eher eine Delle in der Story als das Ende der Rallye und eine Chance für Neueinsteiger.
Hensoldt: Anlegerliebling in Sippenhaft
Während Rheinmetall für Stahl, Munition und schwere Systeme steht, ist Hensoldt das Auge und Ohr moderner Streitkräfte. Radar, Sensorik, Optronik, elektronische Kampfführung, Software und Vernetzung. Die Taufkirchener sind in vielen wichtigen Programmen eingebunden, vom Eurofighter-Radar über Schützenpanzer bis zu Luftverteidigungs- und Aufklärungssystemen. Die Auftragslage ist stark, der Auftragseingang zuletzt sogar außergewöhnlich hoch. Auch die Profitabilität bewegt sich in die richtige Richtung. Hensoldt profitiert vom europäischen Trend zu vernetzter Verteidigung. Wer mehr Flugabwehr, Drohnenabwehr und elektronische Aufklärung will, braucht Sensorik. Ohne Sensoren ist jedes moderne Waffensystem blind.
Starker Jahresauftakt
Hensoldt ist glänzend ins Jahr 2026 gestartet. Der Umsatz legte im ersten Quartal um 25,6 % auf 496 Millionen EUR zu, das bereinigte EBITDA sprang sogar um 45,9 % auf 44 Millionen EUR. Noch stärker fiel der Blick auf die Auftragseingänge aus. Diese schnellten um 112 % auf 1,48 Milliarden EUR nach oben. Die Book-to-Bill-Ratio lag damit bei fast 3. Hensoldt holte also nahezu dreimal so viele neue Aufträge herein, wie im Quartal in Umsatz umgesetzt wurde. Das sorgt für reichlich Visibilität.
Besonders spannend ist das Segment Optronics. Der Bereich galt lange eher als Baustelle, entwickelt sich nun aber zum Ergebnishebel. Der Umsatz stieg dort um 63 %, die operative Marge verbesserte sich um 11 Prozentpunkte auf 12,4 %. Die Investitionen in neue Produkte, Digitalisierung und effizientere Strukturen beginnen sich sichtbar auszuzahlen.
Hoher Auftragsbestand
Auch die großen Programme füllen die Pipeline. Der Auftragsbestand kratzt inzwischen an der Marke von 10 Milliarden EUR. Treiber sind unter anderem digitale Optronik für den Radschützenpanzer Schakal, Ausrüstung für den Leopard 2 A8 und Radarsysteme für den Eurofighter Typhoon. Hensoldt sitzt damit mitten in den europäischen Schlüsselprogrammen der Verteidigung.
Deutschland bleibt dabei Risiko und Chance zugleich. Rund 60 % des Umsatzes hängen an deutschen Verteidigungsausgaben. Angesichts der beginnenden Modernisierung der Bundeswehr wirkt das heute eher wie ein Hebel als ein Klumpenrisiko. Moderne Plattformen brauchen immer mehr Sensorik, Elektronik, Vernetzung und Software. Genau hier liegt die Stärke von Hensoldt.
Aktie kein Schnäppchen
Offiziell bleibt der Konzern für 2026 vorsichtig. Erwartet werden rund 12 % Umsatzwachstum auf etwa 2,75 Milliarden EUR sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 18,5 bis 19 %. Nach dem starken Jahresauftakt wirkt diese Prognose eher konservativ. Die Aktie ist mit einem erwarteten KGV von rund 41 für 2026 zwar kein Schnäppchen. Doch bezahlt wird hier eine mehrjährige Wachstumsstory. Risiken durch Politik, Exportregeln, Großprojekte und Wettbewerb bleiben. Die strukturellen Treiber sind aber intakt.
Rücksetzer als Chance
Die Aktie musste wie der gesamte Sektor zuletzt ebenfalls Federn lassen. Ein Teil davon ist reine Sippenhaft. Wenn Rheinmetall fällt, werden Rüstungswerte pauschal verkauft. Ein anderer Teil ist Bewertungsdisziplin. Hensoldt war nach der Kursrally der vergangenen Monate nicht mehr billig. Anleger verlangen nun mehr Beweise, dass die hohen Auftragseingänge auch planbar in Umsatz, Marge und freien Cashflow übersetzt werden. Genau hier liefert Hensoldt zunehmend Argumente. Die Prognose für 2026 wurde bestätigt, beim freien Cashflow wurde die Erwartung sogar angehoben. Auch bei Hensoldt eröffnet der Rücksetzer damit wieder Chancen für Neueinsteiger.
Fazit
Die jüngsten Kursrücksetzer sind keine Entwarnung für sorglose Anleger. Alle drei Aktien bleiben schwankungsanfällig. Almonty ist der spekulativste Wert mit dem größten Kurspotenzial, Rheinmetall der große Rüstungschampion und Hensoldt der technologische Spezialist. Wer auf kritische Rohstoffe, westliche Lieferkettensicherheit und europäische Aufrüstung setzen will, findet drei Anlegerlieblinge mit unterschiedlichen Hebeln auf dieselbe große Entwicklung. Die Kursrückgänge der drei Aktien haben die Kaufchancen für interessierte Neueinsteiger verbessert.
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