24.06.2026 | 05:45
Dividenden mit Substanz: Intesa Sanpaolo, DWS Group und RE Royalties im Check
Dividendenaktien haben in unruhigen Börsenzeiten einen entscheidenden Vorteil: Sie versprechen nicht nur, sie zahlen. Wer regelmäßige Ausschüttungen kassiert, ist weniger darauf angewiesen, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen. Der laufende Ertrag federt Kursschwankungen ab und sorgt für Planbarkeit. Doch nicht jede hohe Dividende ist eine gute Dividende. Entscheidend ist die Nachhaltigkeit der Ausschüttung. Im besten Fall vereint ein Unternehmen beides – eine attraktive Rendite und das Fundament, sie dauerhaft zu leisten. Genau das bieten die italienische Großbank Intesa Sanpaolo, der deutsche Vermögensverwalter DWS Group und der kanadische Erneuerbare-Energie-Spezialist RE Royalties. Drei Aktien, drei Risikoprofile – und jeweils gute Gründe, genauer hinzuschauen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
INTESA SANPAOLO | IT0000072618 , DWS GROUP GMBH+CO.KGAA ON | DE000DWS1007 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Intesa Sanpaolo: Der stille Zahlmeister aus Italien
Wer hohe Dividenden sucht, wird in Europa vor allem bei Banken fündig. Hier sticht besonders Intesa Sanpaolo hervor. Italiens Branchenprimus meldete für das Geschäftsjahr 2025 einen Nettogewinn von 9,3 Mrd. EUR. Zwischen Anfang Januar und Ende März 2026 legte das Ergebnis weiter zu: Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 % auf knapp 2,8 Mrd. EUR – das beste Quartalsergebnis in der Geschichte des Unternehmens. Das Management bestätigte daraufhin das Gewinnziel für das Gesamtjahr von rund 10 Mrd. EUR. Analysten gehen deshalb davon aus, dass auch die Dividende kräftig von 0,38 auf 0,44 EUR je Aktie erhöht wird. Das ergibt zum aktuellen Kurs von 6,16 EUR eine Rendite von etwas mehr als 7 %. In den vergangenen drei Jahren hatten die Ausschüttungen bereits um über 30 % zugelegt. Intesa zahlt die Dividende halbjährlich im Mai und November aus, was für gleichmäßigen Cashflow bei den Aktionären sorgt.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 10 erscheint die Bewertung gemessen an der Ertragskraft des Geldinstituts moderat. Für die Aktie spricht zudem: Während die Übernahmeofferte des Hauptwettbewerbers UniCredit für die Commerzbank auf erbitterten Widerstand stößt und sich deren CEO Andrea Orcel im Ringen mit der Bundesregierung, dem Vorstand und der Belegschaft regelrecht aufreibt, könnten Intesas Expansionspläne zügig aufgehen. Ein Angebot über 30,6 Mrd. EUR für Monte dei Paschi di Siena wird derzeit vom Verwaltungsrat des potenziellen Übernahmeziels geprüft. Trotz eines Bieterwettstreits mit der kleineren BPM verläuft dieser Verhandlungspoker vergleichsweise geräuschlos. Anders als Orcel gilt Intesa-CEO Carlo Messina als Mann der leisen Töne. Der Opernliebhaber habe den Deal akribisch vorbereitet, sei verschwiegen und diplomatisch, heißt es in der italienischen Presse. Zudem pflege er ein reibungsloses und entspanntes Verhältnis zur Regierung in Rom.
DWS: Der Vermögensverwalter, der selbst Vermögen schafft
Unabhängig von der Frage, ob ein Erfolg bei der Übernahme von Monte dei Paschi Einfluss auf die Ausschüttungspolitik haben könnte, gibt es bei italienischen Aktien für Dividendenjäger aber eine hässliche Kröte zu schlucken: die Quellensteuer von 26 %. Zwar wird die deutsche Abgeltungsteuer teilweise angerechnet und den Rest von 11 % kann man sich theoretisch erstatten lassen. Die Rückerstattung der zu viel gezahlten Steuern gilt in Italien jedoch als extrem aufwändiger bürokratischer Prozess, der mehrere Jahre dauern kann. Wer es unkompliziert mag, findet in Deutschland mit der DWS Group eine ausgezeichnete Alternative. Die Fondstochter der Deutschen Bank verwaltet inzwischen ein Vermögen von 1093 Mrd. EUR – ebenfalls ein Rekordwert. Das Geschäftsjahr 2025 verlief entsprechend: Das Konzernergebnis kletterte um 43 % auf 927 Mio. EUR, der Gewinn je Aktie von 3,25 auf 4,64 EUR. Die langfristigen Nettomittelzuflüsse betrugen 33,7 Mrd. EUR – Grund genug für das Management, die mittelfristigen Ziele anzuheben. Die reguläre Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 wurde bereits deutlich von 2,20 auf 3,00 EUR je Aktie erhöht, was die starke operative Performance unterstreicht. Nach den erreichten Rekordwerten beim verwalteten Vermögen stellte Vorstandschef Stefan Hoops für den kommenden Zyklus eine weitere außerordentliche Sonderdividende in Aussicht; zudem soll die reguläre Ausschüttung in den kommenden Jahren entsprechend dem angestrebten Gewinnwachstum von 10 bis 15 % angehoben werden.
Der Analystenkonsens geht von 3,27 EUR für 2026 aus, fürs kommende Jahr werden 3,82 EUR erwartet. Beim aktuellen Kurs von 65,00 EUR entspricht das einer Rendite zwischen 5 und 6 %. Dass Hoops zum 1. Mai in den Vorstand der Konzernmutter Deutsche Bank berufen wurde, sein Amt bei der DWS aber gleichzeitig behält, kann für Aktionäre nur von Vorteil sein. Beide Unternehmen wollen die Zusammenarbeit in der Vermögensverwaltung und im Portfolio-Management noch enger verzahnen, um das Angebot für betuchte Privatkunden, sogenannte High-Net-Worth Private Clients, weiter zu verbessern. Die DWS-Aktie hat zuletzt wegen einer Kaufempfehlung von Exane BNP Paribas gegen den Trend zugelegt und notiert aktuell auf Allzeithoch. Mit einem KGV von etwa 13 ist sie aber immer noch keineswegs überbewertet. Unterm Strich ist DWS ein solide aufgestellter Vermögensverwalter mit klarer Dividendenkultur – ein verlässlicher Baustein für ein ertragsorientiertes Portfolio.
RE Royalties: Der Unbekannte mit dem dicksten Scheck
Eine ganze Renditestufe höher rangiert RE Royalties. Das kanadische Unternehmen hat in den zurückliegenden Quartalen stets eine Dividende von 0,01 CAD je Aktie bezahlt. Die Jahresausschüttung 0,04 CAD entspricht beim aktuellen Kurs von 0,36 CAD (in Frankfurt aktuell 0,22 EUR) einer Dividendenrendite jenseits der Marke von 10 % – deutlich mehr als bei den beiden europäischen Werten. Da ist dann auch die kanadische Quellensteuer von 25 % zu verschmerzen, zumal viele Broker im Zuge des Doppelbesteuerungsabkommens für Personen mit Wohnsitz in Deutschland oder Österreich ohnehin nur noch den reduzierten Satz von 15 % abführen. Im Dezember 2025 hat der Vorstand die Ausschüttungsfrequenz von quartalsweise auf jährlich umgestellt, um mehr finanziellen Spielraum zu gewinnen. Für Anleger bedeutet das: einmal im Jahr kassieren, dafür aber zu einem attraktiven Satz.
Das Geschäftsmodell ist in der Branche einzigartig. RE Royalties überträgt das aus dem Rohstoffsektor bekannte Royalty-Prinzip auf erneuerbare Energien: Das Unternehmen stellt Projektentwicklern Kapital zur Verfügung und erhält im Gegenzug einen langfristigen Anteil an den Stromerlösen der jeweiligen Anlage – ohne Betriebs- oder Wartungskosten tragen zu müssen. Aktuell umfasst das Portfolio etwa 130 solcher Royalties in Kanada, den USA, Mexiko, Chile und auf den Malediven, mit einem Bruttoinvestitionsvolumen von rund 80 Mio. CAD und einer internen Rendite von 19 %. Im ersten Quartal stiegen die Royalty-Einnahmen um 30 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Projektpipeline ist mit Absichtserklärungen von rund 20 Mio. USD gut gefüllt. Zudem evaluiere man potenzielle Investitionen im Volumen von rund 200 Mio. CAD, erklärte COO Peter Leighton im Mai auf dem International Investment Forum (IIF). Ein Video finden Sie hier:
Mit dem Aktienkurs und der daraus resultierenden Mini-Marktkapitalisierung von nur rund 16 Mio. CAD ist das Management, das etwa 24 % der Aktien hält, angesichts des um ein Vielfaches höheren Projektvolumens augenscheinlich unzufrieden. Seit März ist daher die Unternehmensberatung PwC mandatiert, formell alle strategischen Optionen, vom Verkauf bis zur Rekapitalisierung zu prüfen. „Unser Ziel ist es, optimal positioniert zu sein, um die starke Nachfrage im Sektor zu nutzen und über Jahrzehnte hinweg Wert für unsere Investoren zu schaffen“, erklärte Mitgründer und CEO Bernard Tan. Das verleiht der Aktie zusätzliche Fantasie: Sollte der Prozess mit einer Übernahmeprämie enden, wäre das ein willkommener Bonus für Aktionäre – nur schade für alle, die weiterhin zweistellige Dividendenrenditen einstreichen wollten. Abgesehen von diesem kleinen "Makel" bietet die Aktie jedoch eine ungewöhnliche Kombination aus laufenden Erträgen, Wachstumspotenzial und strategischem Sonderszenario.
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