13.08.2026 | 04:25
Berkshire Hathaway, Novo Nordisk & Zefiro Methane: Tue Gutes und verdiene daran – bis zu 250 %!
Berkshire Hathaway und Novo Nordisk haben mit ihren jüngsten Quartalszahlen die Erwartungen klar übertroffen. Wir nehmen die beiden Schwergewichte unter die Lupe – und blicken dabei auch auf einen kleinen Umweltdienstleister, der nach Einschätzung von Analysten sogar Vervielfachungspotenzial bietet: Zefiro Methane beherzigt eine Devise von Warren Buffett besonders konsequent. Tue Gutes und rede darüber – oder, noch besser: Tue Gutes und verdiene daran.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
BERKSH. H.B NEW DL-_00333 | US0846707026 , ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , NOVO NORDISK A/S | DK0062498333
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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BERKSHIRE HATHAWAY: TUE GUTES UND SCHEFFLE GELD
Börsenlegende Warren Buffett hat unzählige eigene Weisheiten geprägt, aber eine ist nur geliehen: „Tue Gutes und rede darüber". Der PR-Klassiker von Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim aus dem Jahr 1961 gilt bis heute als Leitsatz der Öffentlichkeitsarbeit. Und Buffett beherzigt ihn seit Jahrzehnten – medienwirksam vor der Kamera und bis 2025 regelmäßig als Galionsfigur auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway, dem Woodstock des Kapitalismus. Seit 2006 verschenkt Buffett schrittweise fast sein gesamtes Vermögen, größtenteils an die Gates Foundation, die Krankheiten wie Polio, Malaria und HIV bekämpft, aber auch die Ernährungs- und Bildungssituation in den ärmsten Ländern der Welt verbessern will. Die Freundschaft zwischen Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates reicht bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. 2010 gründeten beide mit weiteren Milliardären die Initiative „The Giving Pledge", wobei sich Unterzeichner verpflichten, den Großteil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.
Ähnlich gewissenhaft ging Buffett die Nachfolgefrage an. Erst 2021 benannte er Greg Abel, der seit Anfang dieses Jahres als CEO die Geschäfte führt, als seinen designierten Nachfolger. Das „Orakel von Omaha“ fungiert bei Berkshire seither als Chairman. Diese Geduld bei der wichtigsten Personalentscheidung seiner Karriere passt zum Grundsatz, dem Vermögen erst dann eine neue Richtung zu geben, wenn die Verantwortung in den richtigen Händen liegt. Operativ liefert der zweite Quartalsbericht 2026 unter Abels Führung ein starkes Bild. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 25,67 Mrd. USD, der Umsatz stieg von 92,52 auf 101,81 Mrd. USD – beides deutlich über den Analystenschätzungen. Bemerkenswert: Der Cash-Berg von Berkshire Hathaway schrumpfte erstmals seit vier Jahren etwas (auf immer noch stolze 365 Mrd. USD), weil Abel per saldo zukaufte, darunter ein 10-Mrd.-USD-Engagement bei Alphabet. Zudem kaufte er eigene Aktien für 4,5 Mrd. USD zurück.
Nicht die gesamte Finanzwelt ist von diesem Kurswechsel überzeugt. Investor Michael Burry, bekannt unter anderem durch den Film „The Big Short“ über seine Wetten gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise, äußerte sich öffentlich skeptisch: Er habe stets befürchtet, dass ein Nachfolger Buffetts nicht dessen Geduld für den richtigen Investitionszeitpunkt mitbringe – eine Sorge, die sich nun bestätigt habe. Der Großteil des Cash-Bergs bleibe ungenutzt, es handle sich eher um Weichenstellung als um echte Investitionsschritte, so Burry. UBS-Analyst Brian Meredith widersprach und bestätigte sein Kaufen-Rating für die Berkshire-B-Aktie mit angehobenem Kursziel von 604 USD. Daraus errechnet sich beim aktuellen Kurs von 516,20 USD (447,25 EUR) ein Potenzial von gut 17 %.
ZEFIRO METHANE: TUE GUTES UND SCHÜTZE DAS KLIMA
Von solchen Dimensionen ist Zefiro Methane mit einem Aktienkurs von knapp 0,60 CAD (0,37 EUR) weit entfernt. Auch der Börsenwert des kanadischen Unternehmens von rund 55 Mio. CAD nimmt sich gegen die mehr als 1 Bio. USD von Berkshire mickrig aus. Aber: Zefiro verknüpft das gemeinnützige Engagement deutlich direkter mit dem eigenen Geschäftsmodell. Während Buffett nie vor Investments in CO₂-intensive Industrien wie Ölförderung oder konventionelle Energieerzeugung zurückschreckte, beseitigen die Kanadier die dadurch entstandenen Schäden. Die operative Tochtergesellschaft Plants & Goodwin (P&G) versiegelt verwaiste Öl- und Gasbohrlöcher – und wird dafür unter anderem von der Well Done Foundation bezahlt, einer in 18 US-Bundesstaaten aktiven Umweltstiftung. Die im Juli bekannt gegebene Kooperation sorgte zuletzt für Aufmerksamkeit auf der Titelseite der Lokalzeitung „The Bradford Era", nachdem ein verwaistes Bohrloch in Pennsylvania versiegelt worden war – begleitet von Schauspieler Jason Priestley („Beverly Hills, 90210“) als Markenbotschafter der Stiftung und einem BBC-Kamerateam vor Ort.
Das Geschäftsmodell dahinter ist mehr als öffentlichkeitswirksames Gutmenschentum. Allein in den USA sind mehr als 2 Mio. unversiegelte Bohrlöcher bekannt, aus denen kontinuierlich Methan entweicht – ein Gas, das kurzfristig mindestens 80-mal klimaschädlicher ist als CO₂. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen. P&G-Chef Luke Plants berichtet, dass die Sanierungstrupps auf dem Weg zu bekannten Bohrlöchern immer noch weitere entdecken, die bis dahin nirgends erfasst waren. Der Sanierungsbedarf wird auf 400 bis 600 Mrd. USD taxiert, gestützt durch das Förderprogramm IIJA mit 4,7 Mrd. USD an bereitgestellten Mitteln. Zefiro verdient dabei gleich dreifach: an der Versiegelung, an Messdienstleistungen und an zertifizierten Emissionsgutschriften. Aus einem Projekt in Oklahoma wurden bereits 92.956 t CO₂-Äquivalent nach der Methodik des American Carbon Registry generiert und an den Rohstoffhändler Mercuria verkauft.
Das Wachstum wird allein durch die Verfügbarkeit von Personal und Ausrüstung gehemmt, weshalb Zefiro im Mai die Bohrflotte von Viking Well Service übernahm. Dieser Zukauf und die Zusammenarbeit mit der Stiftung erweitern die Präsenz auf 13 US-Bundesstaaten, ein dreijähriger Großauftrag mit dem Ohio Department of Natural Resources über 19,6 Mio. USD sichert die Grundauslastung bis 2029. Doch auch ohne die Akquisition stieg der Umsatz in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres um 36 % auf rund 33 Mio. USD, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte von minus 5,5 auf plus 3,1 Mio. USD. Die Analysten von GBC Research vergeben in einer aktuellen Studie ein Kaufen-Rating mit einem Kursziel von 1,50 USD bzw. 2,12 CAD – ein rechnerisches Potenzial von 250 %. Für 2026/27 rechnet GBC mit dem Sprung in die nachhaltige Gewinnzone und einem EBITDA von gut 10 Mio. USD.
NOVO NORDISK: TUE GUTES UND VERLIERE AN GEWICHT
Ähnlich konsequent ist die Verbindung von Gewinn und Gemeinnützigkeit bei Novo Nordisk verankert – hier ist es nicht der Unternehmer, der sein Vermögen verschenkt, sondern eine Stiftung, die von vornherein Eigentümerin ist. Sämtliche A-Aktien liegen bei der Novo Holdings A/S, die vollständig der Novo Nordisk Foundation gehört, einer 1924 gegründeten, eigentümerlosen dänischen Stiftung. Ihre Satzung verpflichtet sie zu einem doppelten Zweck: eine stabile Kapitalbasis für die Novo-Gruppe zu sichern und zugleich wissenschaftliche, humanitäre und soziale Zwecke zu fördern. Seit 2010 hat sie mehr als 1,3 Mrd. USD für Forschung, Bildung und humanitäre Zwecke ausgeschüttet.
Operativ steckt der Konzern derzeit in einer schwierigen Phase. Nach Jahren des Höhenflugs im Zuge des Abnehmspritzen-Booms – die Aktie kletterte 2024 zeitweise über 1.000 DKK, Novo Nordisk war kurzzeitig das wertvollste Unternehmen Europas – kämpfen die Dänen nun mit Marktanteilsverlusten an den Rivalen Eli Lilly und mit Preisdruck im US-Geschäft. Die Wegovy-Konkurrenztablette Foundayo von Eli Lilly erhielt zuletzt die Zulassung in Großbritannien, während Novo Nordisks eigene Wegovy-Pille im zweiten Quartal mit 3,22 Mrd. DKK Umsatz knapp hinter den Erwartungen zurückblieb. Zusätzlich belasteten schwächere Studiendaten zum Nachfolgepräparat Cagrisema die Stimmung.
Die jüngsten Quartalszahlen fielen bei näherer Betrachtung gemischt aus: Der bereinigte Umsatz stieg um 6 % auf 78,5 Mrd. DKK, der bereinigte operative Gewinn um 8 % auf 33,4 Mrd. DKK – beides über den Erwartungen. Dennoch gab die Aktie nach den Zahlen um über 4 % nach, weil Analysten wie Michael Leuchten von Jefferies und Matthew Weston von UBS die Prognoseanhebung vor allem auf Sondereffekte zurückführten und offene Fragen zur Pipeline sehen. CEO Mike Doustdar zeigte sich dennoch zuversichtlich, verwies auf künftig steigende Margen durch höhere Dosierungen und kündigte für September die Einführung der Wegovy-Pille in Deutschland an. Das Gros der Analysten sieht den fairen Wert der Aktie jedoch unter dem aktuellen Kurs. Das durchschnittliche Ziel von etwa 285 DKK (rund 38 EUR) ist niedriger als die 297 DKK, die derzeit an der Börse in Kopenhagen aufgerufen werden.
DER KÖNIGSWEG: VERBINDE GUTES MIT GEWINNPOTENZIAL
Novo Nordisk ist das einzige Unternehmen des Trios, das Dividenden ausschüttet. Die Dividendenrendite liegt je nach Schätzung zwischen 3,6 und 3,8 %. Der Kurs scheint indes ausgereizt, sofern man den Analysten Glauben schenken will. Bei Berkshire Hathaway verschenkt ein Einzelner sein Vermögen nach jahrzehntelanger, sorgfältig geplanter Übergabe der Verantwortung. Der Mittelrückfluss an die Eigentümer wird hier über Aktienrückkäufe abgebildet. Trotzdem ist das Potenzial nach Ansicht der Experten begrenzt – es sei denn, es folgen nach den überraschend starken Zahlen neue Einschätzungen mit höheren Kurszielen. Bei Zefiro Methane ist die Zusammenarbeit mit einer Stiftung unmittelbar Teil des Geschäftsmodells: Die Kanadier tun Gutes und verdienen direkt daran. Da es sich um einen kleinen, noch relativ unbekannten Nebenwert handelt, ist das Risiko naturgemäß höher als bei den beiden etablierten Großkonzernen. Dafür bietet sich den Analysten zufolge die Chance auf eine Kursvervielfachung.
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