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07.08.2026 | 05:00

HPQ Silicon vor dem Durchbruch? Evonik und Rheinmetall liefern bereits: Drei spannende Aktien im Check

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Bildquelle: Pixabay

Neue Batterien sollen Drohnen länger in der Luft halten, innovative Produktionsverfahren die Spezialchemie revolutionieren und milliardenschwere Rüstungsaufträge die Kapazitäten der Industrie auslasten. Die Unternehmen HPQ Silicon, Evonik und Rheinmetall entwickeln innovative Technologien und Hightechprodukte und setzen damit an unterschiedlichen Stellen dieser Wachstumsmärkte an. Die Chancen für Anleger sind groß, die Risiken allerdings sehr unterschiedlich verteilt. Wir stellen das Trio im Aktiencheck näher vor.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , EVONIK INDUSTRIES NA O.N. | DE000EVNK013 , RHEINMETALL AG | DE0007030009

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    HPQ Silicon: Startschuss zur Kommerzialisierung

    Der Weg von einer guten Idee zum wirtschaftlich erfolgreichen Produkt ist weit. HPQ Silicon hat zuletzt jedoch wichtige Etappen zur Kommerzialisierung zurückgelegt. Das kanadische Unternehmen setzt auf siliziumbasierte Batteriematerialien, ein neuartiges Verfahren für pyrogene Kieselsäure und dezentrale Wasserstoffsysteme.

    Silizium-Anodenmaterialien sollen die Leistung moderner Batterien verbessern. Pyrogene Kieselsäure – auch als Fumed Silica, Aerosil oder HDK bekannt – steckt bereits in zahlreichen Industrieprodukten. HPQ will den Spezialstoff direkt aus Quarz herstellen und dabei Kosten, Energieverbrauch und CO₂-Ausstoß reduzieren.

    Am weitesten fortgeschritten erscheint das Batteriegeschäft. Gemeinsam mit der französischen Novacium, an der HPQ 36,8 % hält, entwickelt das Unternehmen siliziumbasierte Anodenmaterialien. HPQ besitzt zudem die exklusiven nordamerikanischen Vermarktungsrechte an Novaciums Batterie- und Wasserstofftechnologien.

    Mit LN Innov prüft HPQ den Aufbau einer kanadischen Produktionsplattform für elektrische Drohnenantriebe. Da die Lieferketten bislang stark von Asien abhängen, könnte HPQ zu einem Baustein einer eigenständigen nordamerikanischen Wertschöpfungskette werden.

    Der ausgewiesene Nettogewinn von 35,5 Mio. CAD darf nicht mit operativer Ertragskraft verwechselt werden. Nach dem formalen Kontrollverlust über Novacium führte die Entkonsolidierung und Neubewertung der Beteiligung zu einem nicht zahlungswirksamen Buchgewinn von 39,3 Mio. CAD.

    Weiteres Kapital kam über Privatplatzierungen und eine Wandelanleihe. Kanada sagte Fördermittel von bis zu 3 Mio. CAD zu; die staatliche Investissement Québec hält rund 8 % der HPQ-Aktien. Nun muss HPQ die Technologie in eine wirtschaftlich tragfähige Produktion überführen.

    Silizium kann erheblich mehr Lithium aufnehmen als Graphit, altert aufgrund starker Volumenveränderungen aber häufig schneller. Novacium will dieses Problem mit Materialien lösen, die sich in bestehende Fertigungslinien integrieren lassen. GEN3-Zellen erreichten mehr als 4.000 Milliamperestunden und verfügten nach 1.000 Ladezyklen noch über 80 % ihrer ursprünglichen Kapazität. GEN4-Zellen kamen unter erweiterten Testbedingungen auf mehr als 7.000 Milliamperestunden.

    https://youtu.be/ZJOdb8cZjL4

    Entscheidend für die Kommerzialisierung sind die Zertifizierungen. Die GEN4-21700-Plattform erhielt zunächst UL 1642. Die zertifizierte Konfiguration erreicht 6.500 Milliamperestunden und damit 8,3 % mehr als GEN3. Nun folgte UN 38.3, womit die Zellen weltweit verschickt werden können. Mehrere Unternehmen aus der Drohnen- und Verteidigungsbranche prüfen die Technologie bereits in Qualifizierungsprogrammen.

    Ein konkreter Anwendungsfall ist das auf Wunsch eines europäischen Drohnenherstellers entwickelte Batteriepaket AA NOVA 6S3P. Es soll Reichweite, Flugzeit und Nutzlast verbessern. Bei erfolgreicher Qualifizierung könnten Bestellungen folgen. Ein weiteres GEN4-Batteriepaket erreichte laut HPQ eine Energiedichte von 395 Wattstunden je Kilogramm – 23 bis 36 % mehr als verschiedene Vergleichsprodukte.

    Das zweite Standbein ist der mit PyroGenesis entwickelte Fumed Silica Reactor, der Quarz per Plasmaprozess direkt in pyrogene Kieselsäure verwandeln soll. Die Laborresultate wurden in einer rund 20-mal größeren Pilotanlage reproduziert. Das Material erreicht kommerzielle Qualität; ein erster Auftrag über 50 Kilogramm für Kundentests liegt vor. Nächstes Ziel ist eine Anlage mit 1.000 Tonnen Jahreskapazität.

    Das dritte Technologiefeld ist das METAGENE-System, das Wasserstoff dezentral über eine chemische Reaktion erzeugt. Mögliche Einsatzgebiete sind abgelegene Standorte sowie die militärische und mobile Energieversorgung. Ein erster Container in kommerzieller Größe soll im ersten Quartal 2027 ausgeliefert werden.

    HPQ bringt an der Börse derzeit lediglich rund 68 Mio. CAD auf die Waage. Gelingt mit einer der Technologien der kommerzielle Durchbruch, bietet die Bewertung erheblichen Spielraum. Noch stammen jedoch viele Leistungsdaten aus Labor- und Pilotversuchen. Hinzu kommen Finanzierungs- und Verwässerungsrisiken. Die Aktie bleibt daher eine aussichtsreiche, aber spekulative Depotbeimischung.

    Evonik: Prognose kräftig erhöht

    Evonik zeigt, welche Bedeutung pyrogene Kieselsäure im industriellen Maßstab besitzt. Der Spezialchemiekonzern gehört mit seiner Marke AEROSIL zu den weltweit führenden Anbietern. Die Produkte kommen unter anderem in Lacken, Klebstoffen, Batterien, Kosmetik und Arzneimitteln zum Einsatz.

    Auch operativ hat Evonik derzeit gute Argumente auf seiner Seite. Das Unternehmen profitiert derzeit von Lieferengpässen bei asiatischen Wettbewerbern. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 11 % auf 3,89 Mrd. EUR, während das bereinigte EBITDA um 24 % auf 630 Mio. EUR zulegte. Die EBITDA-Marge verbesserte sich von 14,5 auf 16,2 %. Besonders stark entwickelte sich das Segment Advanced Technologies, dessen Ergebnis um 25 % auf 333 Mio. EUR kletterte. Im Bereich Inorganics sorgte unter anderem eine höhere Nachfrage nach gefällten Kieselsäuren für steigende Erlöse. Zugleich drehte der Free Cashflow von minus 211 Mio. EUR auf plus 49 Mio. EUR. Evonik erwartet für 2026 nun ein bereinigtes EBITDA von 2,0 bis 2,2 Mrd. EUR nach zuvor 1,7 bis 2,0 Mrd. EUR. Vorstandschef Christian Kullmann warnt allerdings davor, den Rückenwind überzubewerten: Die grundlegenden Herausforderungen der Chemieindustrie bleiben bestehen.

    Zusätzliche Ergebnisimpulse soll das erweiterte Effizienzprogramm liefern. Bis Ende 2029 will Evonik weitere 3.200 Stellen abbauen. Der Umbau ist schmerzhaft, dürfte die Kostenbasis aber nachhaltig verbessern. Nach Jahren der Kursenttäuschungen ist in der Aktie viel Skepsis eingepreist. Evonik eignet sich für antizyklische Anleger, die auf eine operative Erholung und attraktive Ausschüttungen setzen.

    Rheinmetall: Wachstum mit kleiner Delle

    Rheinmetall ist längst nicht mehr nur für Panzer und Munition bekannt. Der DAX-Konzern baut sein Geschäft mit militärischen Drohnen und Systemen zur Drohnenabwehr massiv aus. Im April erhielt Rheinmetall von der Bundeswehr einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von mehreren Mrd. EUR für die Aufklärungs- und Angriffsdrohne FV-014. Der erste Abruf beläuft sich auf rund 300 Mio. EUR. Optional umfasst der Vertrag eine fünfstellige Zahl von Systemen.

    Auch operativ läuft es auf Hochtouren. Im zweiten Quartal sprang der Umsatz um 69 % auf 3,29 Mrd. EUR. Das operative Ergebnis wurde auf 562 Mio. EUR mehr als verdoppelt. Die operative Marge verbesserte sich von 13,4 auf 17,1 %. Die sogenannte Nomination, die neben festen Aufträgen auch neu abgeschlossene Rahmenverträge umfasst, versechsfachte sich beinahe auf 11,37 Mrd. EUR. Der Auftragsbestand überschritt die Marke von 80 Mrd. EUR.

    Einen kleinen Dämpfer gibt es dennoch. Nach dem Aus für das Fregattenprogramm F126 senkte Rheinmetall in dieser Woche die Umsatzprognose für 2026 um 300 Mio. EUR. Statt 14,0 bis 14,5 Mrd. EUR werden nun 13,7 bis 14,2 Mrd. EUR erwartet. An der Zielmarge von rund 19 % hält das Management fest. Auch das Ziel für den Auftragsbestand wurde von rund 135 Mrd. EUR auf mehr als 100 Mrd. EUR reduziert. Das klingt zunächst ernüchternd, dürfte angesichts der starken Nachfrage in den übrigen Bereichen aber verkraftbar sein.

    Belastet wird der freie Cashflow derzeit durch verschobene Anzahlungen, den Aufbau von Vorräten und hohe Investitionen in neue Kapazitäten. Operativ bleibt die Wachstumsstory dennoch intakt. Rheinmetall ist der dynamischste, aber auch am ambitioniertesten bewertete Titel des Trios. Rücksetzer bieten sich daher eher zum schrittweisen Einstieg an.

    Fazit

    Die drei Aktien decken unterschiedliche Anlegerprofile ab. HPQ Silicon bietet das größte prozentuale Potenzial, besitzt aber auch das höchste Risiko. Evonik ist die antizyklische Value- und Dividendenwette. Rheinmetall überzeugt mit enormem Wachstum und vollen Auftragsbüchern, ist allerdings bereits ambitioniert bewertet. Spekulative Anleger setzen auf HPQ, Value-Investoren auf Evonik und wachstumsorientierte Anleger auf Rheinmetall.


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    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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