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29.07.2026 | 04:45

Zu tief gefallen: Kostolany-Kaufsignale bei Rheinmetall, Lahontan Gold und Coinbase

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Bildquelle: Pixabay

Die Hoffnung auf eine dauerhafte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran treibt die Kurse. Der Ölpreis fällt, die Inflationssorgen lassen nach. Doch selbst in so einem Umfeld sollten Anleger nicht wahllos zugreifen. Börsenlegende André Kostolany prägte die Regel: Wenn Kurse auf schlechte Nachrichten nicht mehr mit Verlusten reagieren, ist der Verkaufsdruck raus. Mit anderen Worten: Wer verkaufen wollte, hat es schon getan. Genau dieses Muster zeigt sich aktuell bei drei sehr unterschiedlichen Werten: Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall, der kanadische Explorer Lahontan Gold und die US-amerikanische Krypto-Plattform Coinbase haben – gemessen an ihren Höchstkursen – deutlich an Wert verloren, aber zuletzt eine belastende Nachricht einfach abgeschüttelt.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: RHEINMETALL AG | DE0007030009 , LAHONTAN GOLD CORP | CA50732M1014 | TSXV: LG , OTCQB: LGCXF , Coinbase | US19260Q1076

Inhaltsverzeichnis:


    Rheinmetall: schlechte Nachrichten, steigende Kurse

    Der Kurs von Rheinmetall hat sich seit seinem Hoch bei mehr als 2000 EUR nahezu halbiert. Doch die Talfahrt ist gestoppt. Dabei müsste ein Rüstungswert an Tagen der Entspannung eigentlich nachgeben – zumindest in der Theorie. Zur Waffenruhe im Iran kam eine zweite Belastung: China setzte den Konzern auf eine Exportkontrollliste für sogenannte Dual-Use-Güter, also Waren mit zugleich zivilem und militärischem Verwendungszweck. Es ist die Antwort Pekings auf das jüngste Sanktionspaket der EU. Der heikle Punkt sind seltene Erden. China kontrolliert hier rund zwei Drittel der Förderung und fast 90 % der Verarbeitung. Ein sofortiger Lieferstopp ist die Maßnahme aber nicht, eher eine Rechtsunsicherheit. Nach eigenen Angaben hat sich das Unternehmen bei diesen Rohstoffen früh mit Lagerbeständen abgesichert.

    Der Kurs hat innerhalb einer Woche um fast 10 % zugelegt. Trotz Entspannung im Nahen Osten und trotz der Nachricht aus Peking. Ein klassisches Kostolany-Signal. Das mag auch daran liegen, dass die Bewertung auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) fürs kommende Jahr wieder geerdet erscheint. Für 2027 erwartet der Analystenkonsens ein Ergebnis von 54,84 EUR je Aktie. Daraus errechnet sich beim aktuellen Kurs von 1093 EUR ein KGV von knapp 20 – kein Schnäppchenniveau, aber angesichts der Tatsache, dass die stark ansteigenden Rüstungsausgaben der Bundesregierung das Wachstum für die nächsten Jahre fast automatisch sichern, eine gesunde Basis für wieder anziehende Kurse.

    Zusätzliche Argumente liefert eine aktuelle Auswertung des KI-Tools Warren Wise, das von der Wiesbadener Firma CPT GmbH entwickelt wurde und 40 der größten deutschen Unternehmen aus der Sicht eines langfristigen Value-Investors analysiert hat. Rheinmetall gehört mit der Note „stark" zur Gruppe der 14 am besten bewerteten Aktien hinsichtlich Geschäftsmodell, Bilanzqualität, Transparenz und etlicher weiterer Kriterien. Mehr noch: Die Düsseldorfer zählen zu den sieben Konzernen, die alle Qualitätskategorien bestehen und deren freier Mittelzufluss den ausgewiesenen Gewinn voll deckt. Die frei entnehmbaren Erträge (im Fachjargon Owner Earnings) liegen sogar über dem Gewinn. Das Ergebnis ist also eher konservativ gerechnet.

    Lahontan Gold: Klage abgeschüttelt, Neubewertung voraus

    Auch Lahontan Gold hat seit den Höchstkursen bei über 0,50 CAD mit den Edelmetallnotierungen nachgegeben, seit März rund 30 %. Seither bildet sich knapp über der Marke von 0,30 CAD bzw. 0,20 EUR unabhängig vom Goldpreis ein solider Boden aus. Die belastende Nachricht kam am 21. Juli: Der Rohstoff-Investor Vox Royalty reichte eine Klage gegen zwei Tochtergesellschaften ein. Es geht um einen Liefervertrag aus dem Jahr 2018. Das Management hält die Klage für unbegründet und erwartet keine wesentlichen Folgen für das Geschäft. Der Kurs blieb stabil – auch hier also kein neuer Verkaufsdruck, nach der Kostolany-Lehre ein gutes Zeichen. Dass Vox Royalty ausgerechnet jetzt mitkassieren will, genau genommen auch, denn der Produktionsstart des Flaggschiff-Projekts Santa Fe in Nevada rückt immer näher. Man traut dem Unternehmen also zu, genug Geld zu verdienen, um alte Rechnungen zu begleichen, ob diese nun berechtigt sind oder nicht. Ende 2027 will das erfahrene Management um Vorstandschefin Kimberly Ann und Geologie-Mastermind Brian Maher die ersten selbstgegossenen Barren in den Händen halten. Das Hauptprojekt Santa Fe ist eine frühere Mine mit vorhandener Infrastruktur. Zwischen 1988 und 1995 wurden dort bereits 359.202 Unzen Gold und 702.067 Unzen Silber gefördert. Solche Wiederinbetriebnahmen (im Fachjargon Brownfield-Projekte) sind günstiger und schneller als eine komplette Neuentwicklung. Die bekannte Ressource wurde in älteren Gutachten auf 1,95 Mio. Unzen Goldäquivalent geschätzt.

    Zuletzt überzeugten die Bohrergebnisse. Eine historische Halde lieferte 9,9 m mit 2,4 g Gold- und 50,7 g Silbergehalt je t Gestein – deutlich mehr als erwartet. Zum Vergleich: In Nevada gilt dank des kostengünstigen Haufenlaugungsverfahrens – das Berieseln des Gesteins mit einer dünnen Cyanid-Lösung – die Förderung schon ab einem Goldgehalt von 0,21 g/t als hochprofitabel. Das Material in Santa Fe liegt bereits an der Oberfläche und lässt sich daher besonders kostengünstig verarbeiten. Hinzu kommen hochgradige Vorkommen, etwa im nur 13 km entfernten Satellitenprojekt West Santa Fe, das über die Infrastruktur der Hauptmine ohne größere Investitionen miterschlossen werden kann. Genaueres erklärt Vorstandschefin Kimberly Ann im Interview mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk:

    https://youtu.be/QGRV7IfTWec

    Das kanadische Unternehmen konzentriert seine Aktivitäten bislang fast ausschließlich auf Nevada im Nachbarland USA – laut Eigendefinition die sicherste und bergbaufreundlichste Region der Erde. Dort hat Lahontan noch etliche weitere Projekte in der Pipeline, die in der aktuellen Börsenbewertung von rund 100 Mio. USD nicht ansatzweise berücksichtigt sind. Eine ältere Wirtschaftlichkeitsstudie (PEA, eine vorläufige Rentabilitätsrechnung) bezifferte allein den Projektwert der Hauptmine auf 200 Mio. USD – und das bei einem unterstellten Goldpreis von 2.705 USD, was deutlich unter der aktuellen Notierung des Edelmetalls von 4.045 USD je Unze liegt. In wenigen Wochen werden eine aktualisierte Ressourcenschätzung und eine neue PEA-Wirtschaftlichkeitsstudie veröffentlicht, die zu ganz anderen Ergebnissen kommen dürften. Allein die 200.000 frei herumliegenden Unzen auf den alten Haufenlaugungshalden haben einen Marktwert von aktuell über 800 Mio. USD.

    Lahontans Führungsduo Ann/Maher hat bereits vor geraumer Zeit bewiesen, dass es Projekte zum Erfolg führen kann – etwa bei Prodigy Gold. Hier wurden die Ressourcen 2010 auf 1,6 Mio. Unzen geschätzt. Bei der Übernahme durch Argonaut Gold 26 Monate später waren es mehr als viermal so viel. Folge eines aggressiven Bohrprogramms, Mahers geologischer Spürnase sowie Anns Finanzierungs- und Verhandlungsgeschick. Sobald die Genehmigung der Behörden für Santa Fe vorliegt und die Produktion im nächsten Jahr anläuft, wird zunächst das frei herumliegende Gold für den notwendigen Cashflow sorgen, um die weiteren Aktivitäten zu finanzieren. Die Neubewertung der Aktie hängt daher kaum vom Goldpreis des einzelnen Tages ab. Sie ist projektspezifisch – und damit der längerfristige Hebel.

    Coinbase: Bodenbildung bei 150 USD läuft

    Die Aktie der Krypto-Handelsplattform Coinbase ist im Sog des Bitcoin in etwas mehr als einem Jahr von über 400 auf aktuell 163 USD gefallen. Auch hier zeigt sich das Kostolany-Muster deutlich. Im Februar rutschte die Notierung zweimal kurz unter 150 USD ab. Seither hielt diese Marke aber jeder Bärenattacke stand – obwohl der Bitcoin vor allem im Mai und Juni weiter nachgab. Der Kurs reagierte also nicht mehr auf die schlechte Nachricht. Langfristinvestoren decken sich ein. Laetitia-Zarah Gerbes von der Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis etwa erklärt im aktuellen Investmentbericht für den Monat Juli: „Mit Blick auf das nächste Bitcoin-Halving 2028 haben wir bereits eine erste kleinere Coinbase-Position aufgebaut.“ Ein Halving halbiert die Belohnung für neu geschürfte Bitcoins – ein Termin, den viele Anleger als Kurstreiber sehen. Wer sich schon jetzt darauf einstellt, blickt weit über das aktuelle Auf und Ab hinaus.

    Risiken bleiben. US-Behörden verschoben beschlagnahmte Bitcoin auf die Plattform Coinbase Prime, was den Kurs der Kryptowährung kurzfristig weiter unter Druck bringen könnte. Zugleich zeigt es aber, dass die Behörden bei der Verwahrung auf Coinbase setzen. Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Kryptomarkt für 2026 zu einem ihrer wichtigsten Regulierungsvorhaben erklärt und will unter anderem die Vorgaben für Verwahrung, Handel und Zulassung digitaler Vermögenswerte neu fassen – ein Kurswechsel weg von der klagefreudigen Linie der Vorgängerführung unter Gary Gensler, die auch Coinbase mit Verfahren überzogen hatte. Weil klarere Regeln den etablierten Handelsplattformen tendenziell entgegenkommen, die Vorschläge aber erst das übliche Anhörungsverfahren durchlaufen müssen, sind sich Analysten allerdings noch uneins, was das für die Zukunft bedeutet. Die Kursziele liegen extrem weit auseinander.

    Jetzt entscheiden Zahlen, Ausblicke und Gutachten

    Rheinmetall, Lahontan Gold und Coinbase passen perfekt ins Kostolany-Beuteschema. Alle drei haben zuletzt Nachrichten abgeschüttelt, die den Kurs weiter hätten belasten können – ein Hinweis darauf, dass kein Verkaufsdruck mehr da ist. Rheinmetall wird am 6. August über das zweite Quartal berichten, der Konsens erwartet ein Ergebnis von etwa 6,06 EUR je Aktie. Hier sind die Analysten mit den fallenden Kursen zuletzt etwas vorsichtiger geworden. Doch die seit Anfang Juli veröffentlichten Kursziele liegen im Schnitt im Bereich um 1.700 EUR, wobei die Spanne von 1.300 (Jefferies) bis 2.000 EUR (Barclays) reicht. Das daraus abgeleitete Kurspotenzial liegt zwischen 20 und 80 %.

    Bei Coinbase kommen die Quartalszahlen voraussichtlich bereits an diesem Donnerstag, 30. Juli, nach US-Börsenschluss. Dann wird sich weisen, ob das Bullen- oder das Bärenlager Recht behält. Die Erwartungen sind niedrig, aktuell gehen die Schätzungen von einem Verlust von 0,41 USD je Aktie aus. Das mittlere Kursziel der Analysten liegt bei 216 USD und damit rund ein Drittel über dem aktuellen Kurs; die Spanne reicht allerdings von 99 bis 330 USD – vom herben Verlust bis zur Kursverdopplung. Insofern dürfte vor allem der Ausblick von CEO Brian Armstrong entscheidend sein.

    Für Lahontan Gold existieren naturgemäß noch keine Konsensschätzungen, auch wenn der Produktionsbeginn bereits absehbar ist. Wohl und Wehe hängen also weder von einem Quartalsbericht noch vom Goldpreis eines einzelnen Tages ab. Der Fahrplan steht und der Countdown für die Neubewertung läuft, denn die aktualisierte Ressourcenschätzung und die Wirtschaftlichkeitsstudie werden in wenigen Wochen vorliegen. Wenn dann auch noch große Investmenthäuser auf das Unternehmen aufmerksam werden, könnte aus einem kleinen, noch weitgehend unbeachteten Explorer die nächste große Erfolgsgeschichte im Goldminen-Sektor werden.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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