24.02.2026 | 06:00
Panasonic, Samsung SDI und NEO Battery Materials: Drei Wege ins Batterie-Zeitalter
Ob es nun Versäumnisse der westlichen Autoindustrie sind oder chinesische Standortvorteile – Peking dominiert den weltweiten Batteriemarkt und nutzt diese Macht offen als geopolitisches Druckmittel. Seit November 2025 gelten drastisch verschärfte Exportregelungen für Lithiumbatterien, Graphitanodenmaterialien und die zugehörige Ausrüstung. Auch Produktionsmaschinen und -technologien sind betroffen. Für die westliche Industrie ist das ein Weckruf – und für Anleger eine Chance: Nichtchinesische Batteriehersteller rücken an der Börse immer stärker in den Fokus, seien es Klassiker wie Panasonic und Samsung SDI oder Newcomer wie NEO Battery Materials.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Mario Hose
ISIN:
PANASONIC CORP. | JP3866800000 , SAMSUNG SDI GDR(144A)/4 | US7960542030 , NEO BATTERY MATERIALS LTD | CA62908A1003
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Mario Hose
In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.
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Panasonic: Die aggressive Neuausrichtung schreitet voran
Für Panasonic neigt sich eine 25-jährige Durststrecke dem Ende zu: Trotz einer Gewinnwarnung Anfang des Monats ist die Aktie an der Tokioter Börse auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008/09 geklettert. Im abgelaufenen Quartal musste der Batterie- und Elektronikgigant einen Umsatzrückgang um 4 % und einen Nettoverlust von 17,1 Mrd. JPY (etwa 90 Mio. EUR) hinnehmen. Die Gewinnprognose fürs laufende Geschäftsjahr, das am 31. März endet, hat der Konzern deshalb leicht gesenkt: Der den freien Aktionären zuzurechnende Gewinn soll nun bei 102,80 JPY (0,57 EUR) landen. Zuvor war das Management um Vorstandschef Yuki Kusumi von 111,36 JPY ausgegangen.
Dass der Kurs trotzdem gestiegen ist, hat einen guten Grund: Im Vorfeld hatte der Konzern bereits angekündigt, dass Restrukturierungskosten in Milliardenhöhe das Ergebnis belasten würden. Insofern hielt sich die negative Überraschung in Grenzen. Der Blick der Analysten richtet sich nicht mehr auf die Zahlen aus der Vergangenheit, sondern auf die positiven Aspekte des jüngsten Quartalsberichts. Und davon gibt es eine Menge: Die aggressive Neuausrichtung auf wachstumsstarke Bereiche wie Energiespeichersysteme für KI-Rechenzentren schreitet voran. Besonders starkes Wachstum verzeichnete das Segment Connect, das unter anderem in den Geschäftsfeldern Prozessautomatisierung und Avionik (elektronische Steuerungssysteme in Flugzeugen) aktiv ist. Außerdem soll die laufende Restrukturierung, die unter anderem mit dem Abbau von bis zu 12.000 Arbeitsplätzen verbunden ist, ab dem neuen Geschäftsjahr (beginnt am 1. April) Einsparungen von 145 Mrd. JPY p.a. bringen. Entsprechend optimistisch sind die Analystenschätzungen, die bis 2028 von einer Verdopplung des Gewinns auf mehr als 220 JPY je Aktie (1,21 EUR) ausgehen. Damit läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen elf und zwölf – eine moderate Bewertung für ein Unternehmen, das bei zahlreichen Zukunftsthemen eine Schlüsselrolle spielt.
Dank der Einsparungen sollte der Konzern auch eine längere Durststrecke im Segment Elektromobilität überbrücken können: Panasonic unterhält unter anderem zwei Werke für Lithium-Ionen-Batterien in den US-Bundesstaaten Nevada und Kansas. Letzteres war erst im Sommer 2025 eingeweiht worden und hat eine Größe von 300 Hektar – das entspricht mehr als 225 amerikanischen Footballfeldern. Wegen der ablehnenden Haltung von US-Präsident Donald Trump gegenüber Themen wie Klimaschutz und E-Mobilität wird es nun länger dauern, bis die Investition sich amortisiert.
Samsung SDI: Ende der Talfahrt
Auch der einstige Börsianerliebling Samsung SDI, unter anderem Batteriepartner von BMW, war wegen der US-Abkehr von der E-Mobilität massiv unter Druck geraten – und feiert dank neuer Fantasie aktuell ein fulminantes Börsencomeback. Seit dem Jahreswechsel ging es um mehr als 40 % bergauf. Der entscheidende Kurstreiber kam von einer unerwarteten Seite: Boston Dynamics, die amerikanische Tochter des südkoreanischen Hyundai-Konzerns, präsentierte auf der Technologiemesse CES in Las Vegas einen humanoiden Roboter, der spätestens ab 2028 in industriellen Montageprozessen zum Einsatz kommen soll. Die Presse beschrieb den 1,88 Meter großen Fließbandarbeiter der Zukunft als „flexibel wie eine russische Balletttänzerin und stark wie ein Stier". Er hört auf den Namen Atlas und soll mit seinen menschenähnlichen Händen 50 kg stemmen können. Er arbeitet KI-gestützt völlig autonom – und wechselt sogar seine Batterien selbst. Dass diese aus Südkorea stammen könnten, tippen zumindest einige Analysten: Von Samsung SDI eben. Wie Panasonic ist der Konzern zudem gut mit Energiespeicherlösungen für Rechenzentren im Geschäft.
Gleichwohl ist die Bewertung mit einem KGV von fast 25 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 deutlich ambitionierter als beim japanischen Konkurrenten. Der Börsenwert von Samsung SDI ist mit umgerechnet knapp 18 Mrd. EUR nur etwa halb so hoch wie der von Panasonic. Allerdings haben die Japaner neben dem Batteriegeschäft auch Klimaanlagen, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte und vieles mehr im Produktportfolio.
NEO Battery Materials: Der Geheimtipp aus Kanada
Neben den beiden milliardenschweren Asiaten erscheint seit einiger Zeit ein kleines Unternehmen aus Kanada, das erst kürzlich mit einem technologischen Durchbruch auf sich aufmerksam machte, immer wieder auf dem Radar der Investoren: NEO Battery Materials, kurz NBM. Eine Überwachungsdrohne mit NBM-Technologie an Bord konnte die Flugzeit gegenüber den meist aus chinesischer Massenfertigung stammenden Standardbatterien von 29,9 auf 59,2 Minuten erhöhen – und das bei Minusgraden. Das entspricht einer Steigerung von 98 %. Dabei handelt es sich nicht um Labormesswerte, sondern um Live-Feldtests unter realen Bedingungen, an denen die Versprechen der meisten Batteriehersteller bisher gescheitert sind. Da die Batterien von NBM weder größer noch schwerer sind als die gängigen Konkurrenzmodelle, wird dies in der Unternehmenszentrale in Toronto als kleine Sensation gefeiert.
Das Geheimnis des Erfolgs sind Siliziumanoden. Während herkömmliche Batteriekonzepte auf Basis von Graphitanoden zunehmend an physikalische Grenzen stoßen, gilt die Siliziumverstärkung als nächster großer Schritt zur Leistungssteigerung. Die NBM Drone Cells liefern über 50 % mehr Kapazität und eine um 40 % höhere Energiedichte als vergleichbare Konkurrenzmodelle. Die Ladezeit verkürzt sich um die Hälfte, während sich die Lebensdauer verlängert.
Zwar ist NEO Battery Materials mit einer Marktkapitalisierung von rund 100 Mio. CAD, umgerechnet etwa 64 Mio. EUR, im Vergleich zu den beiden Wettbewerbern ein Winzling, der von Analysten bislang kaum beachtet wird. Nennenswerte Umsätze waren bislang nicht zu verzeichnen, und wann das Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen kann, ist ungewiss. Damit befindet sich NBM in bester Gesellschaft mit anderen Batterie-Startups – die teilweise jedoch zehnmal so hoch bewertet sind. Auf der Habenseite stehen bei NBM nicht nur Absichtserklärungen, sondern auch bereits einige Millionenaufträge, die in den nächsten Jahren abgearbeitet werden. Im Vergleich zu ähnlich strukturierten Wettbewerbern bietet NEO Battery Materials im Erfolgsfall das ungleich höhere Kurspotenzial.
Und die Weichen für den Erfolg hat das Management um CEO Spencer Huh bereits gestellt: Das Unternehmen befindet sich an der Schwelle vom forschenden zum produzierenden Unternehmen. Die Produktionsanlage in Südkorea, dem Herkunftsland des Vorstandschefs, ist bereits betriebsbereit. Damit dort nichts dem Zufall überlassen bleibt, wacht Seok Joung Youn, Head of Manufacturing and Facility Operations, über den Produktionsprozess. Als ehemalige Führungskraft von Samsung SDI ist Youn mit den hohen Qualitätsstandards der Branche bestens vertraut. Darüber hinaus kann das Werk in der Provinz Gyeonggi-do dank eines innovativen, patentgeschützten Beschichtungsverfahrens – NBMSiDE genannt – deutlich günstiger produzieren als die Konkurrenz, die sich mit komplexen Gasphasenabscheidungsmethoden herumschlägt. Auch beste Kontakte zu den Beschaffungsstellen der südkoreanischen Streitkräfte hat sich NBM bereits gesichert: Hochrangige Militärs wurden als Berater verpflichtet, allen voran der ehemalige Vier-Sterne-General Chang Jun Ko, der kürzlich in den Verwaltungsrat berufen wurde.
Trotz des Hypes um Drohnen, Roboter und Rechenzentren ist auch das Automobilgeschäft keineswegs tot: Außerhalb der USA ist der Wandel zur E-Mobilität weiterhin erklärtes politisches Ziel, und NBM hat mittlerweile zwei Batteriebestellungen eines Fortune-500-Automobilherstellers erhalten – einer davon erstaunlicherweise sogar aus Nordamerika. Das sollte auch den Branchengrößen aus Japan und Südkorea Auftrieb geben.
Fazit: Drei Wege ins Batterie-Zeitalter
Die drei Unternehmen bieten unterschiedliche Risiko-Rendite-Profile: Panasonic ist der solide Restrukturierungsfall mit moderater Bewertung und breitem Geschäftsmodell, Samsung SDI der ambitionierter bewertete Wachstumskandidat mit starkem Momentum, und NEO Battery Materials der spekulative Geheimtipp mit dem größten Kurspotenzial – aber auch dem höchsten Risiko. Wer auf alle drei setzt, deckt das gesamte Spektrum einer der spannendsten Investmentthesen des Jahrzehnts ab.

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