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05.03.2026 | 05:30

Kaufen, wenn die Kanonen donnern – wie wäre es mit Glencore, Power Metallic Mines oder Vale?

  • Investments
Bildquelle: pixabay.com

Der Krieg im Nahen Osten erschüttert die Börsen – und schafft Chancen, die auf den ersten Blick kaum sichtbar sind. Während Rüstungsaktien auf der Stelle treten, gehen clevere Investoren an einem ganz anderen Ort auf Renditejagd: im Bergbausektor. Denn moderne Raketen brauchen seltene Metalle – und die kommen aus dem Boden. Neben Klassikern wie Glencore und Vale rückt dabei ein kanadisches Explorationsunternehmen mit Vorkommen in Québec ins Rampenlicht: Power Metallic Mines. Ob als Profiteur des Wettrüstens, als Partner der Grünen Industrie oder als Übernahmekandidat.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Mario Hose
ISIN: POWER METALLIC MINES INC. | CA73929R1055 , GLENCORE PLC DL -_01 | JE00B4T3BW64 , VALE S.A. | BRVALEACNOR0

Inhaltsverzeichnis:


    Rüstungsaktien enttäuschen, Rohstoffe stabil

    „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Diese zynische, aber bewährte Börsenweisheit wird oft Altmeister André Kostolany zugeschrieben, geht aber wohl eher auf den Frankfurter Bankier Carl Mayer von Rothschild (1788–1855) zurück.

    Seit dem Wochenende donnern die Kanonen im Nahen Osten gewaltig. Die Kurse an den Weltbörsen brechen ein. Nur: Wer mag in einem solchen Umfeld kaufen? Und vor allem: was? Noch nicht einmal die drei großen deutschen Rüstungsaktien Rheinmetall, Hensoldt und TKMS kamen zu Wochenbeginn vom Fleck. In erster Linie haben Ölwerte wie Shell und Totalenergies profitiert, aber was, wenn sich deren jüngstes Kursfeuerwerk als Strohfeuer erweist? Die Opec+-Staaten haben bereits eine Erhöhung der Förderquoten angekündigt, entsprechend schnell könnte sich der Ölpreis wieder beruhigen, was die Aktien der Produzenten belasten würde.

    Clevere Investoren vom Schlage eines Kostolany oder Mayer von Rothschild suchen in Krisenzeiten nach den versteckten Profiteuren geopolitischer Verwerfungen. Im Bergbausektor könnten sie fündig werden, insbesondere bei Lieferanten von kriegswichtigen Rohstoffen. Die Aktien von Unternehmen wie Glencore, Vale oder Power Metallic Mines hielten sich in den jüngsten Börsenturbulenzen vergleichsweise stabil. Aus gutem Grund.

    500 Unzen Silber pro Rakete: Der Rohstoffhunger moderner Waffen

    Durch den Angriff auf den Iran, der mit entsprechenden Gegenschlägen reagiert, gehen den USA und Israel langsam die Raketen aus. Betroffen sind Luftabwehrraketen, zum Beispiel aus dem Patriot-System, aber auch Marschflugkörper vom Typ Tomahawk. „Wir verbrauchen die Raketen schneller als wir sie ersetzen“, schlug eine führende US-Militärwissenschaftlerin gegenüber dem „Wall Street Journal“ Alarm. Moderne Lenkwaffen wie die Tomahawks benötigen allein bis zu 500 Unzen Silber pro Stück für Elektronik und Batterien. Unverzichtbar sind auch Nickel, Gold und Platin (für Triebwerke) sowie Kupfer und Palladium (für Leitsysteme).

    All diese Rohstoffe finden sich in den Vorkommen von Power Metallic Mines, einem der aussichtsreichsten Junior Explorer Nordamerikas. Das Unternehmen mit Sitz in Toronto machte bereits im vergangenen Jahr von sich Reden, da es nach geschickten Zukäufen in der Provinz Québec mittlerweile ein 313 Quadratkilometer großes Landpaket kontrolliert, darunter den sogenannten Nisk-Lion-Tiger-Korridor, in dem Bohrungen außergewöhnlich ergiebige Erzkonzentrationen zutage förderten.

    Polymetallvorkommen mit Rekord-Gewinnungsraten in Québec

    Metallurgische Untersuchungen des Testspezialisten SGS Canada ergaben, dass die Gewinnungsraten im Nisk-Abbaugebiet extrem hoch sind: Bereits bei Nickel ist der Wert mit 77,1 % einzigartig, Gold (85,0 %), Silber (88,9 %), Palladium (93,9 %) und Platin (96,8 %) setzen noch einen drauf. Bei Kupfer liegt die auch als Recovery Rate bezeichnete Ausbeute mit 98,9 % sogar nahe am physikalischen Optimum. Das heißt: Power Metallic Mines hat diese kritischen Rohstoffe nicht nur im Portfolio, sondern kann sie auch zu geringeren Kosten und mit höherem Reinheitsgrad fördern als die Konkurrenz. Hinzu kommen Standortvorteile: Kanada gilt nicht nur als politisch stabil, sondern dank massiver Investitionen in Wasserkraft zur Förderung von Rohstoffen als eines der Vorzeigeländer für nachhaltigen Bergbau.

    Bei den kurzfristig dringend notwendigen Ersatzbeschaffungen von Raketenrohstoffen wird Power Metallic Mines noch nicht zum Zug kommen, denn außer den Probebohrungen hat das Unternehmen noch nichts gefördert. Das ist jedoch kein Beinbruch, denn kritische Metalle wie Nickel, Kobalt und Co. werden auch für unzählige andere militärische Zwecke benötigt – von Patronenhülsen über Gewehrläufe bis hin zu Komponenten für Radarsysteme. Die Nachfrage wird wegen des weltweiten Wettrüstens auf Jahre hinaus hoch bleiben. Die Preise für strategische Metalle dürften ihren Zenit noch nicht überschritten haben.

    Da sich das Management um CEO Terry Lynch besonderen Nachhaltigkeitskriterien – etwa der CO2-neutralen Förderung – verschrieben hat, ist die Rüstungsindustrie ohnehin nicht der erhoffte Hauptabnehmer, wenn der Abbau im Lion-Tiger-Korridor 2027 anläuft. Vor allem Hersteller von Antriebsbatterien für Elektrofahrzeuge und Anbieter von Komponenten für die Wind- und Solarindustrie fühlen sich umweltfreundlichen Abbaumethoden eher verpflichtet als die Rüstungsindustrie. An Absatzmärkten für die wegen der geopolitischen Spannungen immer knapper werdenden Rohstoffe herrscht deshalb kein Mangel.

    Umstrittene Abbaugebiete

    Auch ungleich größeren Wettbewerbern von Power Metallic Mines ist der Trend zur Nachhaltigkeit nicht verborgen geblieben, schon allein wegen der Lieferketten-Kontrollgesetze. Der Abbau von Kupfer und Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo gilt wegen Kinderarbeit, Gesundheitsgefährdung und mangelnder Sicherheitsvorkehrungen als besonders umstritten. Der Bergbaukonzern Vale hat seine Aktivitäten in dem Land bereits vor Jahren eingestellt und will sich stärker auf den brasilianischen Heimatmarkt fokussieren – und auf Kanada!

    Gleichwohl betreibt Vale über Tochtergesellschaften und Kooperationen weiterhin Nickel- und Kobaltabbau in Indonesien, was wegen der massiven Umweltschäden reichlich Konfliktpotenzial birgt. Kritische Aktionäre werfen Vale Indonesia die Abholzung von Wäldern, die Verschmutzung von Gewässern – unter anderem mit sechswertigem Chrom, einem krebserregenden Schwermetall – und die Verdrängung indigener Volksgemeinschaften vor. Anfang des Jahres kam es wegen ausstehender Genehmigungen der indonesischen Regierung (wenn auch vornehmlich aus anderen Gründen) sogar zu einer vorübergehenden Stilllegung von Minen, was wiederum den Nickelpreis in die Höhe trieb.

    Der Vale-Konkurrent Glencore stand wegen der Beteiligung an einem britischen Nickel-Konsortium und der engen Zusammenarbeit mit der örtlichen Harita Nickel Group in Indonesien bereits mehrfach in der Kritik. Am Tag der Generalversammlung im vergangenen Jahr kam es am Firmensitz im schweizerischen Zug, aber auch in Johannesburg, Bogotá, Buenos Aires, London und Amsterdam sowie vor Glencores peruanischer Kupfermine San Marcos zu Protestveranstaltungen. Wegen des Festhaltens am Kohleabbau und des Vorwurfs von Menschenrechtsverletzungen haben sich Aktivisten ohnehin bereits seit Jahren auf den britisch-schweizerischen Bergbaugiganten eingeschossen.

    Teilrückzug aus Kongo-Projekten

    Zudem ist Glencore der größte Kobaltproduzent der westlichen Welt, was selbstverständlich auch mit Minen in der Demokratischen Republik Kongo zu tun hat. Wegen korrupter Minengeschäfte dort wurde das Unternehmen im August 2024 zu Zahlungen von insgesamt 152 Mio. USD verurteilt. 40 % an zwei seiner kongolesischen Kupfer- und Kobaltminen hat Glencore vor Monatsfrist verkauft – fast zeitgleich mit dem Ende der Fusionsgespräche mit dem multinationalen Rio-Tinto-Konzern.

    Trotz der verflogenen Fusionsfantasie und des Kriegsausbruchs im Nahen Osten hält sich die Glencore-Aktie stabil, was unter anderem an der hohen Dividendenrendite von annähernd fünf Prozent liegen dürfte. Vale verwöhnt Aktionäre mit noch höheren Ausschüttungen. Für dieses Jahr werden mehr als sechs Prozent erwartet.

    Lassonde-Kurve und Übernahmefantasie

    Mit Dividenden rechnen Analysten bei Power Metallic Mines noch auf Jahre hinaus nicht. Dennoch ist die Aktie nicht nur wegen der sogenannten Lassonde-Kurve interessant. Die Theorie des bekannten Bergbauinvestors Pierre Lassonde besagt, dass der Wert eines Minenunternehmens besonders stark steigt, wenn die Produktion beginnt. Damit wäre die Aktie spätestens 2027 ein heißer Kandidat für einen Kursschub nach oben.

    Da Vale und Glencore in Québec die gleichen kritischen Metalle abbauen wie der kleinere Wettbewerber, könnte es jedoch schon vorher zu einer Übernahme kommen. Stemmen könnten es die beiden Multimilliardenunternehmen allemal. Der Börsenwert von Power Metallic Mines beläuft sich in US-Währung gerechnet gerade mal auf knapp 200 Mio. USD – ein Bruchteil der 9 Mrd. USD, mit denen der 40 %-Teilverkauf des Kongo-Geschäfts von Glencore bewertet wird.

    Power Metallic Mines Inc. Chart in CAD, Stand: 04. März 2026, Quelle: LSEG

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    Der Autor

    Mario Hose

    In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.

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