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26.06.2026 | 05:00

Zefiro Methane, 2G Energy und Siemens Energy: Drei spannende Energie-Aktien mit unterschiedlichen Risikoprofilen unter der Lupe

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Bildquelle: Pixabay.com

Die Energiewende wird gern mit Windrädern, Solarmodulen und Wasserstoff erzählt. Doch dahinter entsteht ein mindestens ebenso spannender Markt: alte Öl- und Gasquellen müssen verschlossen, Methanemissionen gesenkt, Stromnetze ausgebaut und Rechenzentren zuverlässig versorgt werden. Davon profitieren Zefiro Methane, 2G Energy und Siemens Energy. Drei Energie-Aktien mit sehr unterschiedlichen Risikoprofilen im Check.

Lesezeit: ca. 8 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , 2G ENERGY AG | DE000A0HL8N9 , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Zefiro Methane: Spezialist mit Verdopplungspotenzial

    Eine spannende Story für spekulative Anleger bietet sich bei Zefiro Methane. Der kanadische Spezialist kümmert sich in Nordamerika um ein Problem, das jahrzehntelang unter dem Radar lief. In den USA gibt es Millionen alter Öl- und Gasbohrlöcher. Viele davon sind verwaist, schlecht dokumentiert oder undicht. Die früheren Betreiber sind teilweise längst aufgelöst, pleite oder juristisch kaum noch greifbar. Zurück bleiben Bohrlöcher, aus denen Methan austritt. Für das Klima ist das ein echtes Problem, denn Methan ist kurzfristig deutlich schädlicher als CO2. Für spezialisierte Dienstleister wie Zefiro entsteht daraus ein Milliardenmarkt.

    Das Geschäftsmodell ist auf den ersten Blick bodenständig. Zefiro verschließt alte Bohrlöcher, saniert Standorte, misst Methanemissionen und übernimmt Umweltservices für Behörden, Bundesstaaten und Unternehmen. Der eigentliche Reiz liegt aber darin, dass die Gesellschaft klassisches Ölservice-Handwerk mit moderner Emissionsmessung und perspektivisch mit CO2-Zertifikaten verbindet. Aus dem schmutzigen Erbe der fossilen Industrie könnte so ein skalierbares Umweltgeschäft werden. Genau diese Mischung macht die Aktie so interessant.

    Operatives Geschäft brummt

    Operativ kommt inzwischen spürbar Zug in die Geschichte. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 (per Ende Juni) erzielte Zefiro einen Umsatz von rund 33 Mio. USD. Das entspricht einem Wachstum von rund 36 % gegenüber dem Vorjahr. Allein im dritten Quartal stieg der Umsatz um mehr als 58 % auf rund 11 Mio. USD. Auch die Profitabilität verbessert sich zunehmend. Das bereinigte EBITDA erreichte rund 4,25 Mio. USD. Damit ist aus der kleinen Story plötzlich mehr geworden als nur eine schöne ESG-Fantasie. Zefiro zeigt, dass mit dem Verschließen alter Quellen und dem Monitoring von Methanemissionen tatsächlich Geld verdient werden kann. Das Unternehmen erwartet für das Gesamtjahr einen Umsatz von mehr als 40 Mio. USD. Für einen Small Cap dieser Größenordnung ist das ein ordentlicher Sprung.

    Neue Aufträge

    Zefiro gewann zuletzt vier neue Kunden aus dem Energiesektor, darunter drei börsennotierte Unternehmen. Die Aufträge umfassen die Stilllegung von Produktions-, Speicher-, Injektions- und Salzbohrlöchern in Ohio und Indiana. Gleichzeitig startete das Unternehmen einen bis Mai 2029 laufenden Großauftrag in Ohio mit einem potenziellen Volumen von rund 19,6 Mio. USD. Zusätzlich sicherte sich Zefiro drei weitere Projekte zur Schließung verwaister Bohrlöcher im Gesamtwert von rund 2,4 Mio. USD, die aus dem US-Infrastrukturprogramm finanziert werden. Anfang Mai meldete Zefiro Methane die Übernahme von Anlagen und Ausrüstung von Viking Well Service für 4,3 Mio. USD. Dadurch erweitert sich die Flotte um fünf Bohrtürme und weiteres schweres Gerät. Vor allem aber erschließt sich das Unternehmen neue wichtige Bundesstaaten wie Illinois und Michigan. Das Management erwartet durch die Akquisition zusätzliche Jahresumsätze von über 10 Mio. USD.

    Noch spannender ist allerdings das margenstarke Monitoring-Geschäft. Im Rahmen eines Großauftrags in West Virginia untersuchte Zefiro Methane zuletzt 849 Bohrlöcher auf Methanemissionen. Die Margen für diese Dienstleistungen sind etwa doppelt so hoch wie beim klassischen Verschließen der Quellen. Zudem arbeitet das Unternehmen mit eigener patentanhängiger Messtechnik und erzielt inzwischen erste Umsätze mit der sogenannten REED-Technologie zur Abdichtung undichter Bohrlochverrohrungen.

    Zusatzgeschäft durch Emissionshandel

    Der zusätzliche Dreh der Wachstumsstory liegt darin, dass Zefiro Methane nicht nur am Verschließen der Bohrlöcher verdient, sondern perspektivisch auch am Handel mit CO2-Zertifikaten und Emissionsgutschriften. Mehrere Top-Manager der Firma kommen aus dem Emissionshandel großer US-Banken wie J.P. Morgan und verfügen über langjährige Erfahrung und die entsprechende Expertise in diesem Bereich. Die Kombination aus Umwelttechnik, Infrastruktur und Emissionshandel macht das Geschäftsmodell von Zefiro Methane hochskalierbar.

    Eine Video-Präsentation mit Zefiro-Methane-Chefin Catherine Flax finden Sie hier:

    https://youtu.be/nNodjcqNJMM

    Potenzieller Kursverdoppler

    Das heißt aber nicht, dass die Aktie ein Selbstläufer ist. Zefiro bleibt im aktuellen Stadium noch sehr spekulativ, der Titel ist volatil. Die Gesellschaft ist operativ weiterhin auch von Finanzierungen abhängig, zudem hängt ein Teil der Fantasie an regulatorischer Unterstützung, Förderprogrammen und der Entwicklung des Marktes für Emissionszertifikate. Andererseits verschwindet das Problem der alten Bohrlöcher nicht, nur weil es politisch gerade nicht in Mode ist. Die Löcher bleiben. Das Methan auch. Irgendjemand muss aufräumen. Genau deshalb bleibt Zefiro eine sehr spannende Aktie im Energiedienstleistungsbereich. Gelingt es dem Unternehmen, die jüngste Dynamik in nachhaltiges Wachstum und stabile Gewinne zu übersetzen, könnte der Markt die Aktie völlig neu bewerten. Auch wenn sich das Papier auf Jahressicht bereits mehr als 100 % zugelegt hat, könnte sich der Titel in den kommenden Monaten durchaus nochmals verdoppeln.

    2G Energy: Der Rechenzentrums-Turbo aus Heek

    Deutlich solider, aber ebenfalls mit Fantasie, ist 2G Energy. Der Spezialist aus Heek baut Blockheizkraftwerke und dezentrale Energieanlagen, die mit Erdgas, Biogas, Wasserstoff oder anderen Gasen betrieben werden können. Lange galt 2G vor allem als Profiteur von Biogas, Kraft-Wärme-Kopplung und dezentraler Energieversorgung. Inzwischen bekommt die Story einen neuen Dreh: Rechenzentren. Der Stromhunger durch künstliche Intelligenz ist einer der wichtigsten neuen Investmenttrends. Überall entstehen neue Rechenzentren, doch die Stromnetze kommen kaum hinterher. Genau hier wird dezentrale Stromversorgung plötzlich wieder sexy. Wenn Netzanschlüsse knapp sind oder Jahre dauern, können containerisierte Kraftwerke vor Ort eine Lösung sein. 2G hat genau dafür einen Großauftrag aus Nordamerika erhalten. Die Tochtergesellschaft soll Rechenzentren mit containerisierten Kraftwerken ausrüsten. Die Auslieferungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen.

    Das ist für 2G mehr als nur ein einzelner Auftrag. Es ist ein strategischer Türöffner. Das Management rechnet nun damit, 2026 den oberen Rand der bisherigen Umsatzprognose von 450 bis 490 Mio. EUR sowie eine EBIT-Marge zwischen 9,5 % und 10,5 %. zu erreichen. Für 2027 werden sogar 570 bis 620 Mio. EUR Umsatz und eine EBIT-Marge von über 11 % in Aussicht gestellt. Das wäre ein Wachstum von rund 20 %. Für einen deutschen Nebenwert mit industrieller Substanz ist das eine Hausnummer.

    Natürlich gibt es auch hier einen Haken. Der höhere Anteil an Maschinenlieferungen kann die Marge kurzfristig belasten. Zudem hatte 2G zuletzt mit Sonderbelastungen durch die ERP-Umstellung zu kämpfen, die vor allem das Servicegeschäft in Deutschland bremsten. Doch gerade darin liegt auch die Chance. Wenn das Servicegeschäft wieder sauber läuft und das Data-Center-Geschäft hochfährt, könnte die Profitabilität ab 2027 wieder deutlich anziehen.

    Neue Aufträge ante portas

    An der Börse ist 2G längst kein Geheimtipp mehr. Die Aktie ist gut gelaufen. Doch operativ hat die Story neuen Schwung bekommen. Wenn der Rechenzentrumsmarkt tatsächlich zu einem zusätzlichen Wachstumstreiber wird, könnte 2G in eine neue Bewertungsdimension hineinwachsen. Laut Gerüchten könnte 2G Energy zeitnah einen weiteren Großauftrag im Geschäftsbereich Data-Center aus den USA vermelden. Positive Nachrichten sollten der Aktie kurzfristig neuen Schub Richtung Rekordhoch bei 76 EUR oder darüber hinaus geben. Mittelfristig sollten dreistellige Kurse erreichbar sein. Aktuell taxiert der Analystenkonsens das Kursziel im Mittel bei 76 EUR, ein neuer Großauftrag könnte womöglich auch dort zu Nachbesserungen führen.

    Der Titel bleibt ein klassischer deutscher Qualitäts-Nebenwert, der mit einem 2027er KGV von 25 nicht mehr billig ist, aber dank einer guten Positionierung in einer wachstumsstarken Nische und hoher technologischer Kompetenz von einem boomenden Marktumfeld weiterhin profitieren sollte.

    Siemens Energy: Profiteur von Energiewende und KI-Boom

    Ein dritter Energiewert im Check ist Siemens Energy. Die Aktie ist der Gegenpol zu Zefiro. Groß, bekannt, liquide und inzwischen einer der spannendsten deutschen DAX-Werte. Vor wenigen Jahren war Siemens Energy noch das Sorgenkind der Börse. Vor allem die Probleme bei Siemens Gamesa belasteten den Konzern schwer. Inzwischen hat sich das Bild komplett gedreht. Siemens Energy profitiert massiv vom globalen Stromhunger, vom Netzausbau, von Gasturbinen und von der Nachfrage nach Energieinfrastruktur für Rechenzentren.

    Prall gefüllte Auftragsbücher

    Die jüngsten Zahlen zeigen, wie stark das Momentum ist. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte der Auftragseingang 17,7 Mrd. EUR. Der Auftragsbestand stieg auf 154 Mrd. EUR. Das ist ein gewaltiges Polster für die kommenden Jahre. Besonders stark laufen Gas Services und Grid Technologies. Genau dort sitzt die Fantasie. Die Welt braucht neue Stromnetze, Transformatoren, Hochspannungstechnik, Gasturbinen und Serviceleistungen. Siemens Energy liefert vieles davon aus einer Hand.

    Das Management hat den Ausblick angehoben. Für 2026 erwartet Siemens Energy nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 %. Die Marge vor Sondereffekten soll 10 bis 12 % erreichen. Der Nettogewinn wird bei rund 4 Mrd. EUR gesehen, der freie Cashflow vor Steuern bei rund 8 Mrd. EUR. Das sind Zahlen, die vor einigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte. Damit ist Siemens Energy längst mehr als eine Turnaround-Story.

    Der Konzern ist zu einem zentralen Profiteur der neuen Energieordnung geworden. Die Welt elektrifiziert sich, aber die Netze sind vielerorts alt, überlastet oder nicht für die neue Nachfrage gebaut. Dazu kommt der KI-Boom. Rechenzentren brauchen gigantische Mengen Strom. Und dieser Strom muss erzeugt, übertragen, geregelt und abgesichert werden. Genau hier sitzt Siemens Energy im Maschinenraum.

    Zweistelliges Kurspotenzial

    Für Anleger ist die Aktie nach der starken Kursentwicklung natürlich kein Schnäppchen mehr. Viel Positives ist eingepreist. Doch die Qualität der Story hat sich deutlich verbessert. Siemens Energy ist heute nicht mehr nur eine Wette darauf, dass Gamesa irgendwann weniger Probleme macht. Die Aktie ist eine Wette darauf, dass der globale Energieinfrastrukturzyklus viele Jahre läuft. Und danach sieht es derzeit aus. Zusätzliche Fantasie könnte aus Portfolio-Maßnahmen kommen. Zuletzt gab es Spekulationen über einen möglichen Spin-off oder Teilverkauf des Bereichs Transformation of Industry. Ob daraus tatsächlich etwas wird, ist offen. Aber schon die Diskussion zeigt: Siemens Energy denkt stärker über Kapitalallokation, Margen und Wertsteigerung nach. Das kommt an der Börse meistens gut an. Der Analystenkonsens traut der Aktie weitere Kurssteigerungen zu, das Kursziel liegt aktuell im Mittel bei rund 194 EUR, was einem Kurspotenzial von mehr als 20 % entspricht.

    Fazit

    Zefiro Methane, 2G Energy und Siemens Energy erzählen im Energiedienstleistungssektor drei unterschiedliche Kapitel derselben Geschichte. Zefiro räumt die fossile Vergangenheit auf. 2G liefert dezentrale Energie für die Gegenwart. Siemens Energy baut die Infrastruktur für die elektrische Zukunft. Am spekulativsten bleibt Zefiro Methane. Die Aktie bietet aber auch die größten Kurschancen. Sollte das Unternehmen die jüngsten Fortschritte bestätigen und den Weg zu nachhaltig profitablen Umweltservices schaffen, könnte der kleine Methan-Spezialist deutlich höher bewertet werden. 2G Energy ist der deutsche Nebenwerte-Hebel auf dezentrale Stromversorgung und den Strombedarf von Rechenzentren. Kommen zeitnah neue Aufträge könnte die Aktie kurzfristig Richtung Rekordhoch laufen. Siemens Energy wiederum ist der große DAX-Anker für den globalen Infrastrukturboom.

    Für Anleger ergibt sich daraus eine interessante Mischung. Wer es defensiver mag, schaut vor allem auf Siemens Energy. Wer Qualität im Nebenwertebereich sucht, landet bei 2G Energy. Wer den spekulativen Hebel will, kommt an Zefiro Methane kaum vorbei.


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