03.09.2026 | 04:05
Roadmap statt Rätselraten: Finexity, Lahontan Gold und BMW auf klarem Kurs Richtung Zukunft
Zukunftsversprechen sind das, was die Börse antreibt. Nicht immer sind sie glaubwürdig. Doch manche Unternehmen legen ihre Fahrpläne transparent offen – mit terminierten Meilensteinen statt bloßer Hoffnung. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das aussehen kann: Finexity, ein Hamburger Fintech-Unternehmen, das den Wertpapierhandel neu erfindet, Lahontan Gold, ein kanadischer Explorer kurz vor dem Produktionsstart, und der DAX-Konzern BMW. Der Münchner Autohersteller definiert nicht nur auf der Straße eine „Neue Klasse“. Anleger sollten die Aktien des Trios auf der Rechnung haben.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
FINEXITY AG | DE000A40ET88 , LAHONTAN GOLD CORP | CA50732M1014 | TSXV: LG , OTCQB: LGCXF , BAY.MOTOREN WERKE AG ST | DE0005190003
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Finexity: Der Wertpapiermarkt wird digital
Der Vortrag von Michael Ost auf der Herbstkonferenz des Equity Forums am vergangenen Dienstag ließ aufhorchen: „2040 wird die Hälfte aller Wertpapiere tokenisiert sein“, erklärte der stellvertretende Vorstandschef von Finexity vor Analysten, Investoren und Pressevertretern in Frankfurt. Eine kühne These – doch der Hamburger Fintech-Konzern baut bereits heute die Infrastruktur für diese Zukunft. Bei der Tokenisierung handelt es sich im Kern um die Umwandlung klassischer Wertpapiere in digitale Form, die über Blockchains abgewickelt werden. Das klingt revolutionär, ist aber in der Praxis alles andere als mysteriös. Ost bringt das so auf den Punkt: „Aktien bleiben Aktien, Anleihen bleiben Anleihen – so wie ein Buch immer noch ein Buch ist. Nur der Vertriebsweg ändert sich – wie einst durch Amazon bei Büchern geschehen.“ Statt zentral verwalteter Register funktionieren zukünftige Transaktionen über dezentrale Netzwerke. Die Infrastruktur im Hintergrund wird transparenter, schneller und kostengünstiger.
Finexity hat mit seiner Tochter Nundara bereits seit 2021 einen Handelsplatz für tokenisierte Anleihen in Betrieb – mit Neuemissionen, die real gehandelt werden. Das Hamburger Unternehmen hat einen klaren Fahrplan: Anfang 2027 sollen die ersten Fonds tokenisiert werden, unmittelbar danach auch Aktien. Bis Mitte 2028 erwarten die Hanseaten die Lizenz als regulierter europäischer Handelsplatz für jede Wertpapierart – und bauen parallel ein nahezu identisches Modell in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf.
Das Geschäftsmodell ruht auf vier Säulen. Nundara bildet das technische Rückgrat, die Infrastruktur für Ausgabe, Handel und Abwicklung. Die Tochter nolivius berät Emittenten und andere Kapitalmarktakteure bei Kapitalstruktur, Wertpapierdesign und Geschäftstransformation. VolksInvest öffnet die Welt der Token-Wertpapiere für Privatanleger – ganz wie ein moderner Broker. Und Effecta fungiert als regulierte Vertriebsplattform für über 45 angebundene Platzierungspartner, ohne dass diese eigene Lizenzen brauchen. Für Anleger verspricht die neue Welt des Wertpapiergeschäfts eine Reihe von Vorteilen: Der 24/7-Handel ist dann nicht mehr Zukunftsmusik, außerdem können herkömmliche und tokenisierte Wertpapiere im selben Depot verwahrt werden. Für die etablierte Finanzbranche bedeutet dies einen Wendepunkt – Banken, Broker und Börsen werden sich künftig intensiv mit der Technologie von Finexity auseinandersetzen müssen. Ost fasst das prägnant zusammen: „Wir haben die End-to-End-Lösung für alles.“
Die Planzahlen unterstreichen die Ambitionen: Von aktuell 8 Mio. EUR Umsatz will Finexity innerhalb von drei Jahren auf 70 Mio. EUR wachsen. Das ist kein Wunschdenken, sondern Folge konkreter Meilensteine. Sollte der Plan der Umsatzvervielfachung aufgehen, hätte der Aktienkurs von aktuell 34,40 EUR angesichts eines Börsenwerts von nur 45,8 Mio. EUR viel Luft nach oben. Die Analysten von NuWays haben ein Kursziel von 64,00 EUR gesetzt, GBC Research sogar 81,11 EUR. Die Technologie steht bereit. Jetzt gilt es, sie im Massenmarkt zu verankern.
Lahontan Gold: Vom Bohrloch zum Barren
Während Finexity die Infrastruktur für die Zukunft baut, baut Lahontan Gold die Zukunft auf bewährter Infrastruktur auf. Und das mit einem Fahrplan, der mindestens genauso konkret ist. Das kanadische Unternehmen will die historische Santa Fe Mine im US-Bundesstaat Nevada reaktivieren – ein sogenanntes Brownfield-Projekt, also eines, das schon einmal in Betrieb war. Das ist der Schlüssel zu Geschwindigkeit und Kosteneffizienz: Zwischen 1988 und 1995 förderte Santa Fe bereits 359.000 Unzen Gold und 702.000 Unzen Silber. Die Infrastruktur steht noch heute. Strom, Wasser, Straßenzugang, lokale Arbeiter – all das ist vorhanden. Ein Greenfield-Projekt, eine komplette Neuentwicklung, braucht Jahre und kostet ein Mehrfaches. Mit anderen Worten: Lahontan spart Zeit und Geld.
Bereits im September soll die aktualisierte Wirtschaftlichkeitsstudie (Preliminary Economic Assessment, kurz PEA) vorgelegt werden. Die unabhängigen Gutachter KCA und RESPEC analysieren das Minendesign, den Prozessfluss und optimieren die Brecherkapazität. Danach reicht Lahontan den Mine Plan of Operations beim Federal Bureau of Land Management ein. Genehmigungsverfahren auf Staats- und Bundesebene laufen bereits parallel: Geochemische Charakterisierung, Grundwassermodellierung, Bohrprogramme – 2.569 Meter in 11 Bohrlöchern sind bereits abgeschlossen. Baubeginn ist 2027. Ende nächsten Jahres, spätestens Anfang 2028, sollen die ersten Goldbarren gegossen werden. Laut Vorstandschefin Kimberly Ann ist das Projekt „eine klassische Brownfield-Reaktivierung, die von bestehender Infrastruktur und technischem Know-how profitiert und damit zu geringeren Kapitalkosten, kürzerer Entwicklungsdauer und wesentlich niedrigerem Ausführungsrisiko führt als vergleichbare Greenfield-Projekte.“ Ein Interview von IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk mit der Lahontan-Chefin finden Sie hier:
Die jüngste Ressourcenschätzung vom August zeigt die Substanz. Die tagebauoptimierte Gesamtressource liegt um 22 % über der vorherigen Studie – ein Plus von 435.000 Unzen Gold-Äquivalent. Die angezeigte Ressource kommt jetzt auf 1,195 Mio. Unzen Gold-Äquivalent bei einem Gehalt von durchschnittlich 0,72 g/t, die abgeleitete Ressource auf 1,190 Mio. Unzen bei 0,61 g/t. In Nevada ist das hochprofitabel: Haufenlaugung – das Berieseln des Gesteins mit einer dünnen Cyanid-Lösung, um das Edelmetall herauszulösen – macht die Förderung bereits ab Goldgehalten von 0,21 g/t wirtschaftlich. Santa Fe liegt weit darüber.
Und es kommt noch besser: Auf den alten Haufenlaugungshalden liegen etwa 200.000 Unzen Gold an der Oberfläche frei herum, besonders kostengünstig zu verarbeiten. Zum aktuellen Goldpreis von über 4.000 USD je Unze entspricht das einem Marktwert von mehr als 800 Mio. USD. Die ältere PEA bezifferte allein den Projektwert der Hauptmine auf 200 Mio. USD – damals bei einem unterstellten Goldpreis von 2.705 USD. Bei heutigem Preis wird die neue Studie deutlich attraktiver ausfallen. Der aktuelle Börsenwert von Lahontan liegt bei umgerechnet etwa 123 Mio. USD – ein Bruchteil dessen, was mit Minimalaufwand zu fördern ist. Sobald die Genehmigungen vorliegen und 2027 der Bau startet, wird die Reaktivierung zum Realfaktor – und damit die Neubewertung früher oder später unvermeidlich, zumal Lahontan noch weitere hochgradige Goldadern im Portfolio hat. Der niedrige Aktienkurs von nur 0,38 CAD (in Deutschland aktuell 0,24 EUR) dürfte nicht in Stein gemeißelt sein.
BMW: Neue Klasse, neue Kursperspektiven
Ein anderes, sogar noch wesentlich prominenteres Beispiel für ein Unternehmen mit klarer Weichenstellung für die Zukunft ist BMW. Zwar wurde ein Sparprogramm beschlossen, das den sozialverträglichen Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen vorsieht, doch während die Belegschaft von Volkswagen vor der Aufsichtsratssitzung am morgigen Freitag zittert, geht es in München weder um die Schließung von Werken noch um Strategiediskussionen, die schon längst hätten geklärt sein sollen. Die Transformation läuft bereits – Stichwort: Neue Klasse. Das BMW-Stammwerk in München, Herz der Marke, stellt ab Ende 2027 die Verbrenner-Produktion ganz ein. Danach laufen dort nur noch vollelektrische Fahrzeuge vom Band. Parallel modernisiert BMW das US-Werk Spartanburg und baut die Produktion in den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Schon Oliver Zipse, Vorgänger des seit Mai amtierenden CEO Milan Nedeljković, war überzeugt: „Die Neue Klasse ist BMW – und BMW ist die Neue Klasse.“ Während Teilen der Branche ein Spiel mit gezinkten Karten vorgeworfen wird, verteilt der Münchner Autobauer die Karten neu. Der Unterschied liegt nicht in der Marktsituation, sondern in der Klarheit des Plans.
Schon seit 2025 rollt der BMW iX3 vom Band – das erste Modell der Neuen Klasse, BMWs Architektur für die Zukunft. Jetzt beginnt die Phase der Beschleunigung. Bis Ende 2027 bringt BMW sechs weitere Modelle der Neuen Klasse auf den Markt. Im August 2026 startete die Serienproduktion des vollelektrischen BMW i3 – das strombetriebene Äquivalent zur legendären 3er-Reihe. Die hohe Nachfrage sorgte dafür, dass der Bestellstart auf Juni vorgezogen wurde. Der BMW i3 50 xDrive startet bei 65.900 EUR und bietet 469 PS sowie eine Reichweite bis zu 906 Kilometer – das ist Benchmark-Qualität. Der i3 Touring, die Kombi-Version, folgt Mitte 2027. Das kompakte SUV iX1 startet Ende 2027. Das sportliche Flaggschiff, der erste vollelektrische BMW M mit bis zu 1.360 PS, wird möglicherweise noch in diesem Jahr vorgestellt. Und das SUV-Coupé iX4 soll Mitte bis Ende 2027 auf die Straße gebracht werden.
Das Besondere: BMW weitet die Technologien der Neuen Klasse parallel auf mehr als 40 Modellvarianten aus – nicht nur reine E-Fahrzeuge, sondern auch Plug-in-Hybride und klassische Verbrenner erhalten die neue 800-Volt-Architektur, das revolutionäre Panoramic-iDrive-Head-up-Display und die neue Designsprache. Die Technologie sitzt im Kern – unabhängig vom Antrieb. Analysten belohnen diese Klarheit. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 77,25 EUR, der aktuelle Kurs bei 61,30 EUR. Goldman Sachs und Bernstein Research trauen BMW je 82 EUR zu, die Deutsche Bank hält sogar die Marke von 90 EUR wieder für erreichbar. Das zeugt von Vertrauen in einen Autobauer, der weiß, wohin die Reise geht – und das dem Kapitalmarkt auch kommuniziert.
Fazit: Fahrpläne statt Fantasien
Drei Unternehmen, drei Branchen, ein gemeinsamer Nenner: Finexity, Lahontan Gold und BMW vertrösten Investoren nicht mit vagen Visionen, sondern überzeugen mit klar definierten und terminierten Meilensteinen. Finexity hat konkrete Lizenzziele bis 2028, Lahontan einen Produktionsstart, der von Woche zu Woche näherrückt, und BMW eine Modelloffensive, die bereits läuft, statt nur angekündigt zu sein. Für Anleger heißt das: Ein Fahrplan ersetzt keine Bewertung – aber er macht sie überprüfbar. Und genau das unterscheidet diese drei Werte von so manchem Börsenversprechen, das nie eingelöst wird.
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