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01.09.2026 | 05:00

Kursverdoppler im Drohnen-Boom, E-Auto-Fantasie und Übernahmewette: Welche Chancen Volatus Aerospace, BYD und Delivery Hero Anlegern bieten

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Bildquelle: Pixabay

Drei Aktien aus drei unterschiedlichen Branchen mit drei starken Kurstreibern: Volatus Aerospace greift im milliardenschweren Drohnenmarkt an und will sich zum integrierten Luftfahrt- und Rüstungskonzern entwickeln. BYD stemmt sich mit einer Exportoffensive gegen die Flaute auf dem chinesischen Automarkt. Und bei Delivery Hero kommen operative Fortschritte und Übernahmefantasie zusammen. Drei Aktien mit reichlich Potenzial – aber auch Risiken. Wir durchleuchten die Titel im Aktien-Check und zeigen, wo jetzt die größten Chancen liegen, was Analysten raten und für welche Anlegertypen die drei Titel geeignet sind.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , BYD CO. LTD H YC 1 | CNE100000296 , DELIVERY HERO SE NA O.N. | DE000A2E4K43

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Volatus Aerospace: Potenzieller Kursverdoppler

    Bei Volatus Aerospace liegen Vision und Zahlen noch etwas auseinander. Doch darin liegt auch der Reiz der Aktie. Der kanadische Drohnenspezialist will sich vom Dienstleister und Händler zu einem vertikal integrierten Luftfahrt- und Rüstungskonzern entwickeln. Neben Inspektionsflügen, Pilotentraining und dem Verkauf von Drohnen sollen künftig eigene autonome Systeme, Software und militärische Aufklärungsleistungen das Wachstum antreiben.

    Das zweite Quartal lieferte erste Fortschritte, konnte die Erwartungen des Marktes aber noch nicht erfüllen. Der Umsatz stieg gegenüber dem schwachen Auftaktquartal um 49,5 % auf 8,42 Mio. CAD. Die Erlöse mit Dienstleistungen legten dabei um 59 % und die Auslieferungen von Ausrüstung um 38 % zu. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging der Umsatz allerdings um gut 20 % zurück.

    Hauptgrund war laut Unternehmen ein Rüstungsauftrag im Volumen von rund 2,6 Mio. CAD, der wegen anhaltender Lieferkettenprobleme nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnte. Die Auslieferung soll im weiteren Jahresverlauf nachgeholt werden. Für 2026 reduzierte das Management sein Umsatzziel dennoch von 56 auf 50,6 Mio. CAD.

    Auch auf der Ergebnisseite ist Volatus noch ein gutes Stück von den schwarzen Zahlen entfernt. Der Bruttogewinn erreichte im zweiten Quartal zwar 2,47 Mio. CAD, die entsprechende Marge sank aber von 31,9 auf 29,3 %. Das bereinigte EBITDA lag mit 4,35 Mio. CAD im Minus. Im ersten Halbjahr summierte sich der Nettoverlust auf 14,09 Mio. CAD. Die Investitionen in Personal, Technologie, Verteidigung und den neuen Produktionsstandort treiben die Kosten derzeit schneller nach oben als die Erlöse.

    Für Entspannung sorgt die Bilanz. Ende Juni verfügte Volatus über liquide Mittel von 59,2 Mio. CAD und ein Working Capital von 63,8 Mio. CAD. Möglich wurde dies unter anderem durch eine Kapitalerhöhung über 34,5 Mio. CAD. Damit ist die Finanzierung der nächsten Wachstumsphase zunächst gesichert.

    Das Herzstück der Strategie ist die im Juni eröffnete Produktions- und Integrationsanlage am Flughafen Montreal-Mirabel. Dort will Volatus autonome Fluggeräte und Verteidigungssysteme montieren sowie verschiedene Drohnenplattformen mit Sensoren und eigener Steuerungstechnik ausstatten. Nach Angaben des Managements könnte der Standort bei voller Nutzung einmal Umsätze von bis zu 250 Mio. CAD ermöglichen. Das ist zwar keine offizielle Umsatzprognose. Gemessen an den bisherigen Erlösen zeigt die Hochrechnung aber, in welchen Dimensionen Volatus künftig spielen möchte.

    Passend dazu baut das Unternehmen seine eigene Technologie aus. Der Flugcontroller V-Cortex soll unterschiedliche unbemannte Systeme steuern und zunehmend autonome Einsätze ermöglichen. Mit SKYDRA wurde zudem eine Softwareplattform für die Planung und Simulation der Drohnenabwehr gestartet. Das Abo-Modell könnte wiederkehrende Erlöse und höhere Margen liefern.

    Hinzu kommen mehrere Partnerschaften. Gemeinsam mit Kraus Hamdani Aerospace will Volatus eine kanadische Plattform für dauerhaft verfügbare Aufklärungs- und Überwachungsmissionen aufbauen. Eine weitere Kooperation mit Singular Aircraft zielt auf autonome Schwerlastflieger zur Bekämpfung von Waldbränden. Dazu kommen Anwendungen bei Infrastrukturkontrollen, Offshore-Windanlagen und logistischen Aufgaben sowie ein mehrjähriger Trainingsvertrag mit der Regierung eines NATO-Partners.

    Entscheidend für die zukünftige operative Entwicklung ist, dass aus den vielen Kooperationen und Pilotprojekten absehbar auch größere Serienaufträge entstehen, denn die Aktie hat an der Börse durchaus schon einige Vorschusslorbeeren eingepreist. Bei einem Kurs von rund 0,49 CAD wird Volatus mit etwa 360 Mio. CAD bewertet. Das entspricht mehr als dem Zehnfachen des zuletzt ausgewiesenen Jahresumsatzes und ist damit kein Schnäppchenniveau mehr.

    Andererseits adressiert Volatus mehrere strukturelle Wachstumsmärkte. Kanada und andere NATO-Staaten wollen bei Drohnen, Aufklärung und kritischer Infrastruktur unabhängiger von ausländischen Anbietern werden. Die Produktionsbasis steht, das Technologieportfolio wächst und ausreichend Liquidität ist vorhanden. Gelingt der Schritt von einzelnen Dienstleistungen und Entwicklungsprojekten zur skalierbaren Produktion, besitzt die Aktie erhebliches Potenzial. Die 5 Banken und Analystenhäuser, die die Aktie covern, raten allesamt zum Kauf des Titels. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 0,95 CAD und damit 94 % über dem aktuellen Kurs von 0,49 CAD. Volatus Aerospace ist damit ein potenzieller Kursverdoppler. Wegen der frühen Unternehmensphase bleibt der Titel jedoch spekulativ.

    BYD: Export als Wachstumsmotor

    BYD kämpft auf dem chinesischen Heimatmarkt mit Gegenwind – und schaltet dafür im Ausland einen Gang höher. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 7,1 % auf 344,82 Mrd. CNY. Der Nettogewinn ging um 20,5 % auf 12,33 Mrd. CNY zurück. Die aggressive Rabattschlacht in China, eine schwächere Nachfrage und Währungsverluste hinterließen deutliche Spuren.

    Das zweite Quartal deutet allerdings eine Stabilisierung an. Der Gewinn sprang gegenüber dem Vorjahr um 30 % auf 8,25 Mrd. CNY und legte damit erstmals seit fünf Quartalen wieder zu. Der Umsatz schrumpfte zwar noch um 3,2 % auf 194,59 Mrd. CNY, die Ertragsqualität verbesserte sich jedoch. Im ersten Halbjahr stieg die Bruttomarge von 18,0 auf 18,9 %.

    Der entscheidende Treiber ist das internationale Geschäft. BYD exportierte im ersten Halbjahr rund 792.000 Fahrzeuge – knapp 68 % mehr als im Vorjahr. Damit entfielen bereits rund 44 % des gesamten Absatzes auf Auslandsmärkte. Die Expansion bringt nicht nur zusätzliche Stückzahlen, sondern auch bessere Margen. Mit wachsender Präsenz in Europa, Lateinamerika und Asien verringert BYD seine Abhängigkeit vom ruinösen Preiskampf in China.

    Der Konzern investiert weiter massiv in seine technologische Position. Im ersten Halbjahr flossen rund 28,9 Mrd. CNY in Forschung und Entwicklung – mehr als doppelt so viel wie BYD im selben Zeitraum verdiente. Der operative Cashflow legte dennoch um 17,3 % auf 37,34 Mrd. CNY zu.

    Risiken bleiben Strafzölle, der kostspielige Aufbau eigener Produktions- und Vertriebsstrukturen sowie die Gegenwehr westlicher Autobauer. Dennoch verändert sich die BYD-Story grundlegend: Aus dem chinesischen Volumenhersteller wird ein globaler Autokonzern. Sollte sich die Erholung des zweiten Quartals fortsetzen und das margenstärkere Auslandsgeschäft weiter wachsen, könnte die jüngste Gewinnschwäche bereits den Tiefpunkt markieren. Die Aktie bleibt schwankungsanfällig, bietet aber eine interessante antizyklische Einstiegschance.

    Delivery Hero: Erhöhte Prognose und Übernahmeprämie

    Bei Delivery Hero treffen eine operative Erholung und handfeste Übernahmefantasie aufeinander. Der Berliner Essenslieferdienst hat nach einem besser als erwarteten ersten Halbjahr seine Prognose angehoben. Das bereinigte EBITDA stieg um 3,9 % auf 427 Mio. EUR. Analysten hatten lediglich rund 396 Mio. EUR erwartet. Beim Bruttowarenwert rechnet das Management 2026 nun mit einem Wachstum von 9 bis 11 %, nachdem bislang 8 bis 10 % in Aussicht gestellt worden waren.

    Wichtiger als das reine Wachstum ist die Entwicklung von Profitabilität und Cashflow. Nach Jahren, in denen Delivery Hero mit hohen Marketingausgaben und aggressiven Rabatten Marktanteile erkaufte, rückt die Kapitaldisziplin in den Vordergrund. Weniger Preiskämpfe in mehreren Regionen und eine bessere Auslastung der Plattformen erhöhen den operativen Hebel. Probleme bleiben vor allem in Südkorea sowie in Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas.

    Für zusätzliche Spannung sorgt das Übernahmeangebot von Uber, dessen Chance-Risiko-Profil sich durch den operativen Aufwind eher verbessert. Aktionäre können ihre Papiere in den kommenden Wochen zu 41,50 EUR andienen. Beim aktuellen Kurs um 37 EUR winkt ein Aufschlag von gut 12 %. Die 50 %-Schwelle, die als Mindestannahmequote verlangt wird, dürfte problemlos erreicht werden: Uber hält bereits 24,8 % der Aktien, Prosus hat die Abgabe von 16,7 % zugesagt. Obendrein kommen noch Derivate über 11,7 %. Die Auszahlung wird aber erst für das zweite Halbjahr 2027 erwartet und steht unter dem Vorbehalt der Kartellfreigaben.

    Die verbesserten Zahlen stärken jedoch die Verhandlungsposition der Berliner. Delivery Hero ist nicht mehr gezwungen, aus einer operativen Schwäche heraus zu verkaufen. Gleichzeitig könnte Uber mit der Übernahme seine internationale Präsenz im Liefergeschäft erheblich ausbauen und in zahlreichen Märkten auf einen Schlag kritische Größe erreichen.

    Damit besitzt die Aktie zwei Kurstreiber: weitere Ergebnisverbesserungen aus eigener Kraft und die Aussicht auf eine Übernahmeprämie. Scheitern die Gespräche, dürfte ein Teil der Fantasie wieder entweichen. Angesichts der angehobenen Prognose ist die Story inzwischen aber mehr als eine reine Übernahmewette. Für risikobereite Anleger mit langem Atem bleibt die Aktie dennoch interessant.

    Fazit: Drei Aktien, drei Risikoklassen

    Volatus Aerospace, BYD und Delivery Hero stehen jeweils an einem möglichen Wendepunkt. Bei Volatus muss sich absehbar zeigen, ob aus Produktionskapazitäten, Technologie und Partnerschaften tatsächlich große Aufträge werden. Gelingt der Durchbruch, besitzt die Aktie erhebliches Potenzial – der Titel bleibt aber der spekulativste Wert des Trios. BYD ist operativ wesentlich gefestigter. Die schwache Entwicklung in China belastet, doch die Exportoffensive eröffnet dem Konzern eine neue Wachstumsdimension. Delivery Hero wiederum bietet eine reizvolle Mischung aus Ergebnisverbesserung und Übernahmefantasie. Damit ist für unterschiedliche Anlegerprofile etwas dabei: Volatus für risikofreudige Spekulanten, BYD für antizyklisch orientierte Investoren und Delivery Hero für Anleger mit längerem Atem, die auf einen operativen Turnaround mit zusätzlicher Übernahme-Chance setzen.


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    Lars Winter

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