30.07.2026 | 04:45
DroneShield in Turbulenzen – Startbahn frei für Volatus Aerospace und Red Cat Holdings
Eine Bruchlandung zieht die komplette Drohnenindustrie mit nach unten: Als die Aktie von DroneShield am Dienstag trotz eigentlich starker Zahlen abrutschte, gerieten auch andere Werte der jungen Zukunftsbranche unter Druck, obwohl deren Geschäft mit den Problemen der Australier wenig zu tun hat. Genau darin könnte für Anleger ein gewaltiger Hebel liegen – zumindest, wenn man den Analysten Glauben schenken will. Die Kursziele der Experten signalisieren für Volatus Aerospace und Red Cat Holdings mehr als 100 % Aufwärtspotenzial.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
DRONESHIELD LTD | AU000000DRO2 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , RED CAT HOLDINGS INC | US75644T1007 | NASDAQ: RCAT
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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DroneShield: starkes Wachstum, schwache Reaktion
Als DroneShield am Dienstag die Halbjahreszahlen vorlegte, verlor die Aktie des australischen Drohnenabwehr-Spezialisten trotz eines deutlichen Umsatzsprungs rund 10 %. Am Mittwoch ging es um weitere 5 % bergab. Dabei gab es auf den ersten Blick nicht viel zu kritisieren. Der Halbjahresumsatz kletterte auf 125,8 Mio. AUD, ein Plus von 74 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zusätzlich wurde ein neuer Auftrag über 23,2 Mio. AUD für fahrzeugmontierte Abwehrsysteme eines europäischen Militärkunden gemeldet und mit RfAI-3 eine neue Generation der Technik zur Funkfrequenzerkennung entwickelt, die auch bislang unbekannte Drohnensignale erkennen soll. Die Kursreaktion fiel dennoch negativ aus. Der Grund liegt weniger in den Zahlen selbst als in einer Frage, die den Kurs seit Wochen begleitet: Lässt sich das wachsende Auftragsvolumen auch mit stabiler Marge in Gewinn verwandeln? Die Bruttomarge sank im ersten Halbjahr von 65 auf rund 60 %, belastet unter anderem durch einen höheren Anteil zugekaufter Fremdhardware und den Umzug in eine neue Produktionsstätte.
Das Geschäftsmodell beruht auf nicht-kinetischer Drohnenabwehr – also der Neutralisierung gegnerischer Fluggeräte ohne Beschuss, indem deren Kommunikations- und Navigationsverbindungen gestört werden. Zunehmend soll das Modell auf wiederkehrende Softwareerlöse (Software as a Service, kurz SaaS) umgestellt werden. Das funktioniert ähnlich wie beim Virenschutz: Kunden zahlen laufend für Updates, die gegen neue Bedrohungen schützen. Vorstandschef Angus Bean, seit April dieses Jahres an der Spitze des Unternehmens, wertete das für 2026 gesicherte Auftragsvolumen von 206 Mio. AUD als Bestätigung von Strategie und Nachfrage. Trotzdem haben sich zuletzt Leerverkäufer, die auf fallende Kurse setzen, massiv positioniert, was zunächst paradox erscheint. Denn trotz der rückläufigen Marge hebt sich das Unternehmen aus Sydney eigentlich positiv von der Branche ab: Der Konzern schreibt bereits schwarze Zahlen. Im Gesamtjahr 2025 stand unterm Strich ein Nettogewinn von 3,5 Mio. AUD – nach einem Verlust im Vorjahr. Das ist bei jungen Drohnenfirmen die Ausnahme, nicht die Regel.
Warum also die negative Haltung der Börsianer? Zwei Erklärungen bieten sich auf Branchenebene an. Erstens die Produktionslücke: Das US-Verteidigungsministerium treibt zwar Programme für autonome Systeme voran, doch die reinen Drohnenhersteller bekommen die geforderten Stückzahlen oft nicht schnell genug in Serie. Zweitens die Bewertungen: Nach den geopolitischen Konflikten der Jahre 2024 und 2025 waren Drohnenaktien schlicht heißgelaufen. Im Fall DroneShield kommen bei genauerem Hinsehen zwei weitere Belastungen hinzu – eine laufende Untersuchung der australischen Finanzaufsicht ASIC zu Aktienverkäufen von Führungskräften aus dem November 2025 sowie zwei Kurszielsenkungen der Investmentbank Jefferies binnen weniger Wochen auf zuletzt 2,05 AUD. Das liegt nicht weit über dem aktuellen Kurs von 1,81 AUD (1,10 EUR).
Volatus Aerospace: vom Flugbetrieb zur intelligenten Steuerung
In Sippenhaft wurde unter anderem das kanadische Unternehmen Volatus Aerospace genommen. Seit dem Jahreshoch im März bei 0,89 CAD sackte der Kurs auf zuletzt 0,46 CAD bzw. 0,29 EUR ab. Der nächste Quartalsbericht wird erst gegen Ende August erwartet, ein unmittelbarer Zahlen-Auslöser fehlt hier. Stattdessen bestimmten zwei strategische Meldungen das Bild. Auf der Farnborough International Airshow in Großbritannien präsentierte sich Volatus als Teil der „Team Canada“-Delegation mit neuen Autonomie- und Aufklärungslösungen. Und mit dem Forschungsprogramm Volt-Age der Concordia-Universität in Montréal wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, um Energietechnologien für unbemannte Flugsysteme zu entwickeln und schneller zur Marktreife zu bringen – ein Baustein, um heimische Lieferketten zu stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern zu verringern.
Volatus war ursprünglich ein Betreiber von Flugdiensten – rund 28 bemannte Flugzeuge und über 100 Drohnen absolvieren jährlich etwa 1,7 Mio. km an Pipeline-Inspektionen. Diese kommerzielle Basis liefert bis heute wiederkehrende Erlöse von jährlich rund 20 Mio. CAD, vor allem aber laufend Daten für die Weiterentwicklung der eigenen Technik. Der Schwerpunkt des Geschäftsmodells verlagert sich nun jedoch von Hardware und Überwachungsflügen hin zur intelligenten Steuerung. Kern ist die Software SKYDRA™, ein SaaS-Mietmodell für die Planung von Drohnenabwehr-Einsätzen, das im ersten Quartal 2026 bereits eine Marge von 35 % erreichte. Ergänzt wird sie durch die Autonomie-Plattform um den Flugregler V-CORTEX™, eine 3,5 x 3,5 cm kleine und weniger als 15 g leichte Box, die mittels KI die Navigation auch ohne Satellitensignal ermöglicht. Hinzu kommt ein System für Flüge außerhalb der Sichtweite (BVLOS, Beyond Visual Line Of Sight). CEO Glen Lynch ist überzeugt, dass Kanada über das wissenschaftliche und industrielle Fundament verfügt, um bei unbemannten Systemen der nächsten Generation „eine führende Rolle einzunehmen“.
Parallel wächst das Verteidigungsgeschäft. Die im Juni eröffnete Produktionsstätte in Mirabel, im Süden der Provinz Québec gelegen, ist auf einen Jahresumsatz von bis zu 250 Mio. CAD ausgelegt, dazu kommen NATO-Aufträge, die Teilnahme am US-amerikanischen Drone Dominance Program sowie eine im Juni abgeschlossene Kapitalerhöhung über 34,5 Mio. CAD, die den Spielraum für größere Ausschreibungen erweitert. Analysten sehen erhebliches Potenzial: Sowohl Canaccord Genuity als auch Stifel bewerten die Aktie mit einem Kursziel von je 1,00 CAD. Gemessen am aktuellen Kurs entspricht das mehr als einer Verdopplung.
Red Cat Holdings: Sammelklage verhindert Abheben
Ein dritter abgestürzter Highflyer der Branche ist Red Cat Holdings aus den USA, ein Anbieter von Drohnen- und Robotiklösungen für Verteidigung und nationale Sicherheit. Über die Töchter Teal Drones und FlightWave entstehen sowohl Hard- als auch Software „made in America“, die den strengen Vorgaben des US-Verteidigungsgesetzes NDAA entsprechen – ein Verkaufsargument gegenüber Kunden, die auf gesicherte heimische Lieferketten angewiesen sind. Aushängeschild ist die Black Widow, eine kompakte Aufklärungsdrohne zur Nachrichtengewinnung, Überwachung und Aufklärung für den taktischen Einsatz, die aus dem Kurzstrecken-Aufklärungsprogramm der US-Armee hervorging und im Ukraine-Einsatz erprobt wurde. Um sie herum gruppiert sich eine ganze „Family of Systems“, zu der inzwischen auch die maritime Sparte Blue Ops mit dem unbemannten Wasserfahrzeug Variant 7 gehört sowie die neue, für internationale Kunden ausgelegte Variante Hellcat.
Die Nachfrage zeigt sich in einer Reihe von Aufträgen: Teal Drones wurde ebenfalls für das Drone Dominance Program des Pentagons ausgewählt, das über vier Phasen ein Volumen von bis zu 1 Mrd. USD erreichen kann; allein die erste Tranche umfasst 30.000 Drohnen. Hinzu kommen Bestellungen von NATO- und Asien-Pazifik-Verbündeten. In den Zahlen schlägt sich das bereits nieder: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 849 % auf 15,5 Mio. USD, die Bruttomarge drehte von deutlich negativ auf plus 12,7 %. Für das Gesamtjahr peilt das Management 150 bis 180 Mio. USD Umsatz und eine Bruttomarge von 30 % an. CEO Jeff Thompson bringt die Marktlogik auf den Punkt: Verbündete bräuchten Systeme, die „heute einsatzbereit" seien und sich in großem Maßstab fertigen ließen. So weit, so gut. Allerdings sorgen eine Sammelklage von Aktionären und die kürzliche Trennung von Vertriebschef Geoffrey Hitchcock für Unruhe. Dem stehen Analysten-Kursziele zwischen 20,50 und 21,40 USD gegenüber. Angesichts des auf 7,43 USD (6,45 EUR) gefallenen Kurses liegt das mittlere Kursziel fast beim Dreifachen der aktuellen Notiz.
Fazit: Kurzfristige Schwäche, langfristige Chancen
Drohnen und Drohnenabwehr sind längst keine Nische mehr, sondern für die moderne Kriegsführung entscheidend geworden – von der Ukraine bis in den Nahen Osten. Genau diese strategische Bedeutung erklärt die zeitweise hohen Bewertungen der Branche. DroneShield und Red Cat sind trotz der Kursrückgänge heute bereits mit umgerechnet über 1 Mrd. EUR bewertet, während Volatus (rund 210 Mio. EUR) dieses Niveau erst anstrebt. Gerade darin liegt aber auch der größere Hebel, wenn der Schwenk in Richtung Verteidigung und KI-gestützte Steuerung aufgeht. Die aktuelle Schwäche des gesamten Sektors geht auf einen Auslöser zurück, der nur einen der drei Werte wirklich betrifft: DroneShields Margendruck und die ASIC-Untersuchung. Volatus und Red Cat werden in Sippenhaft genommen, obwohl ihre Auftragslage intakt ist und die Analysten-Kursziele in beiden Fällen weit über dem aktuellen Niveau liegen. Für langfristig orientierte Anleger könnte die laufende Korrektur daher eine ideale Einstiegsgelegenheit sein.
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