19.08.2026 | 04:20
BASF, dynaCERT, Andritz: Drei Strategien, ein Ziel – und bis zu 600 % Kurspotenzial!
Hohe Energiekosten in Deutschland, schwaches Wachstum in Europa, dazu US-Zölle, die Exporteuren das Leben schwer machen: Für viele Unternehmen werden die angestammten Märkte zur Falle. Drei Beispiele zeigen, wie der Ausbruch gelingen kann. Der deutsche Chemiekonzern BASF setzt Milliarden auf China, der kanadische Cleantech-Spezialist dynaCERT steht in Vietnam vor dem Durchbruch, während der österreichische Anlagenbauer Andritz beweist, dass die Rechnung aufgeht. Wer als Anleger den mutigen Weg mitgeht, hat die Chance auf attraktive Dividenden und Kursgewinne von bis zu 600 %.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
BASF SE NA O.N. | DE000BASF111 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , ANDRITZ AG | AT0000730007
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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BASF: Wenn der Standort zur Last wird
Der Pegel Kaub, die zentrale Engstelle für Deutschlands Rheinschifffahrt, erreichte am Montag ein Allzeittief bei nur 5 cm. Der bisherige Negativrekord aus dem Oktober 2018 lag bei 25 cm. Das hat nicht zum ersten Mal erhebliche Folgen für den Standort Ludwigshafen und ist für BASF mehr als eine Randnotiz. Europas größter Chemiekonzern bezieht bis zu 40 % seiner Rohstoffe per Schiff. 2018 hatte das Niedrigwasser eine Ergebnisbelastung von geschätzten 200 bis 250 Mio. EUR verursacht. Speziell konstruierte Schiffe mit wenig Tiefgang und eine Verlagerung von Transporten auf Straße und Schiene sichern die Versorgung seither weitgehend. Dennoch bleiben steigende Logistikkosten und vereinzelte Lieferengpässe ein wiederkehrendes Risiko am deutschen Hauptstandort.
Im Zusammenspiel mit den hohen Energiekosten und den strukturellen Problemen Europas sorgen die Wetterkapriolen dafür, dass sich die Wachstumsinvestitionen des DAX-Konzerns längst nach Asien verschoben haben. Mit dem neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang – mit 8,7 Mrd. EUR die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte – wird nach dem Prinzip „Local-for-local“ vor allem für den chinesischen Markt selbst produziert. Auch von den für 2026 bis 2029 geplanten Investitionen von rund 13 Mrd. EUR sollen etwa 20 % in die Region Asien-Pazifik fließen, mit einer bewussten Diversifizierung über China hinaus nach Indien sowie in mehrere ASEAN-Staaten, darunter Vietnam. Ganz ohne Fragezeichen bleibt die China-Wette allerdings nicht: Überkapazitäten im chinesischen Chemiemarkt und eine – nach Aussage von Vorstandsvorsitzendem Markus Kamieth – langsamere Amortisation als ursprünglich geplant sorgen unter Börsianern für eine gespaltene Einschätzung.
Operativ präsentierte sich das zweite Quartal 2026 davon unbeeindruckt: Der Umsatz stieg um 16 % auf 17,2 Mrd. EUR, das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,6 auf 2,4 Mrd. EUR und lag damit deutlich über den Erwartungen der Analysten. Der Ergebnisausblick für das Gesamtjahr wurde entsprechend angehoben, auf nunmehr 6,9 bis 7,7 Mrd. EUR EBITDA vor Sondereinflüssen. Restlos überzeugt zeigt sich die Analystenzunft allerdings noch nicht: JP Morgan riet zuletzt zum „Untergewichten“, auch andere Häuser sehen nur begrenztes Kurspotenzial. Am optimistischsten sind die Deutsche Bank und Bernstein Research, die den fairen Wert der Aktie auf 60,00 beziehungsweise 61,00 EUR taxieren. Im Schnitt liegt das Kursziel aller Experten jedoch nur bei 52,63 EUR, nicht weit über dem aktuellen Niveau von 50,86 EUR. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sich herausstellt, ob die zunehmende Verlagerung der Geschäftsaktivität Richtung Fernost aufgeht. Bis dahin trösten sich Aktionäre mit der Dividendenrendite, die in den vergangenen Jahren nie unter 5 % lag. Zudem ist soeben ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 1 Mrd. EUR angelaufen.
dynaCERT: Neue Führung, neuer Fokus
Auch der kanadische Cleantech-Spezialist dynaCERT setzt auf Asien. Das Unternehmen bietet mit HydraGEN™ eine Lösung an, um Verbrauch und Schadstoffemissionen von Dieselmotoren zu reduzieren. Dazu setzt es auf Wasserstoff, aber nicht als Antriebstechnologie, sondern als eine Art Additiv. In einem Kasten von der Größe eines Reisekoffers, der sich ohne großen Installationsaufwand in Lkw einbauen lässt, wird destilliertes Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Beide Gase gelangen in den Ansaugtrakt des Diesels und sorgen dort für eine vollständigere Verbrennung. Dazu müssen weder Wasserstofftankstellen angesteuert noch sonstige Umwege in Kauf genommen werden. Das Ergebnis ist eine Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und CO₂-Ausstoßes um 8 bis 10 %. Bei Rußpartikeln, dem gefürchteten Feinstaub, wurden Verbesserungen von bis zu 55,7 % gemessen, bei Stickoxiden sogar bis zu 88,7 %. Aber nicht nur in Lastwagen zeigt sich der Spareffekt, auch Dieselaggregate zur Stromerzeugung und im Hafen- oder Minenbetrieb profitieren.
Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Diesel trotz aller Elektro-Initiativen der Hersteller noch jahrzehntelang laufen wird – ob in Europa, in den USA oder eben in Asien. Also gilt es, das Beste aus der Situation zu machen und die bestehenden Verbrenner zu optimieren. In Vietnam wird diese realistische Erkenntnis bereits umgesetzt. Im Juni sicherte sich das Unternehmen aus Toronto nach erfolgreich abgeschlossener Pilotphase den ersten Serienauftrag eines vietnamesischen Logistikunternehmens, parallel wurden bei einem der weltweit größten Hafenbetreiber mehrere HydraGEN™-Systeme auf Lkw und Containergeräten installiert. Weitere Pilotprojekte laufen in der Öl- und Gasindustrie sowie in der Abfallwirtschaft. In den kommenden Monaten werden zusätzliche Pilotanlagen erwartet, während erste Gespräche in Kambodscha, Indonesien und Japan auf eine mögliche Ausweitung auf andere asiatische Märkte hindeuten.
Einen sichtbaren Wendepunkt markierte bereits das zweite Quartal. Der Umsatz stieg auf 169.000 CAD, nach 56.000 CAD im Vorjahresquartal – mehr als eine Verdreifachung. Das erste Jahresviertel war noch stark rückläufig gewesen – nicht nur wegen der US-Zölle, sondern auch wegen der hohen Ölpreise und der damit verbundenen Investitionszurückhaltung der Transportbranche in Europa und auf dem kanadischen Heimatmarkt. Doch die Dynamik hat sich in den zurückliegenden Monaten spürbar gedreht. Flankiert wird diese Entwicklung von einem Führungswechsel: Im März wurde Kevin Unrath, zuvor Chief Operating Officer, zum Vorstandschef ernannt. Ein Interview von IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk mit ihm und Vorstandsmitglied Bernd Krüper finden Sie hier:
https://youtu.be/hVNR4Ch5p0c?si=GPcRHxW_aaNFUicR
Die Neuausrichtung wurde explizit mit einem verstärkten Fokus auf die kommerzielle Umsetzung der bisherigen Forschungstätigkeit begründet. Mit anderen Worten: Der neue Mann an der Spitze soll die PS auf die Straße bringen. Um den Bekanntheitsgrad der Marke zu steigern und direkt mit potenziellen Kunden ins Gespräch zu kommen, wird das Unternehmen die Präsenz auf den entscheidenden Messen und Branchenveranstaltungen mit Expertenteams und Info-Ständen in den kommenden Monaten massiv intensivieren – von Singapur bis Nord- und Südamerika, von der IAA Transportation in Hannover bis hin zum 24-Stunden-Truckrennen von Le Mans, einem besonderen Highlight im Kalender von Herstellern, Zulieferern und Transporteuren.
In Toronto wird die Aktie für 0,10 CAD gehandelt, in Deutschland zwischen 0,06 und 0,07 EUR. Die Marktkapitalisierung von rund 50 Mio. CAD spiegelt nicht ansatzweise das Potenzial wider, das dynaCERTs Sofortlösung zur CO₂-Reduktion mit sich bringt. Denn zusätzlich zum Verkauf der Systeme hat das Unternehmen ein zweites As im Ärmel: eine Telematik-Einheit namens HydraLytica™, die den eingesparten Kraftstoff und damit die vermiedenen Emissionen protokolliert. Die zugrunde liegende Methodik ist nach dem Standard der Klimaschutzorganisation Verra zertifiziert. Daraus können Emissionsgutschriften generiert werden, die zusätzliche Erlöse versprechen – eine Einnahmequelle, mit der auch der Elektroautopionier Tesla einst groß wurde. Die Analysten von GBC Research sehen das Kursziel bei 0,75 CAD (0,48 EUR). Das entspricht einem Kurspotenzial von 600 %!
Andritz: Der Beweis, dass es funktionieren kann
Wie ein ähnlicher Strategieschwenk Richtung Asien in einem späteren, etablierteren Stadium aussehen kann, zeigt der österreichische Anlagenbauer Andritz. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 8,5 % auf mehr als 2 Mrd. EUR, das Ergebnis je Aktie legte von 1,04 auf 1,11 EUR zu. Prunkstück des Halbjahresberichts aber war das Plus beim Auftragseingang um 25,2 %, auf 12,6 Mrd. EUR, getrieben von einem besonders starken ersten Quartal. Das verheißt auch für die nahe Zukunft weitere Umsatzzuwächse. Konkrete Projekte untermauern diese Dynamik. In Indien erhielt das Unternehmen von Tata Power den Großauftrag für das 1.000-MW-Pumpspeicherwerk Bhivpuri, Teil eines Portfolios von insgesamt sieben Projekten mit einer installierten Gesamtleistung von mehr als 11 GW. In Vietnam wurden Modernisierungen und Kapazitätserweiterungen bei Papierfabriken in den Provinzen Bac Giang und Ninh Binh realisiert.
Im Ausblick des Unternehmens findet sich eine bemerkenswerte Abstufung der regionalen Erwartungen: Während für Indien und Südostasien konkrete Perspektiven formuliert werden, ist bei China lediglich von „anhaltenden Investitionen“ die Rede, für die USA werden nur „neue Impulse“ erhofft. Angetrieben wird das Wachstum in Asien nach eigenen Angaben durch Elektrifizierung, erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz – Themen, die in Schwellenländern mit hohem Nachholbedarf besonders gefragt sind.
Im Unterschied zu BASF und dynaCERT spiegelt sich die neue Asien-Dynamik auch im Aktienkurs wider. Nach den Quartalszahlen erreichte das Papier ein Allzeithoch bei 84,40 EUR. Der Aufwärtstrend ist trotz einer leichten Korrektur auf 80,00 EUR absolut intakt, und das Gros der Analysten sieht weiteres Potenzial. Die Deutsche Bank hält 95,00 EUR angemessen, einzelne Häuser sogar bis zu 105,00 EUR. Das für 2027 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,2 lässt ebenso Luft nach oben wie die Dividendenrendite von knapp 3,5 %.
Drei Wege aus der Standortfalle
Drei Unternehmen, drei Branchen, drei Reifegrade – aber ein gemeinsamer Nenner: Asien wird nicht länger primär als kostengünstiger Produktionsstandort betrachtet, sondern zunehmend als eigenständiger, wachstumsstarker Absatzmarkt. Ob dahinter eher die Not der US-Zollpolitik und der europäischen Konjunkturflaute steckt oder der strategische Weitblick des Managements: Die strukturellen Vorteile asiatischer Märkte überwiegen die Risiken auf lange Sicht. BASF geht mit der Zhanjiang-Investition ein Milliarden-Wagnis ein, verfügt aber auch über die Ressourcen, um mögliche Rückschläge abzufedern. Andritz zeigt, wie sich diese Strategie in konkrete, bereits realisierte Aufträge übersetzen lässt. Und dynaCERT steht am frühesten Punkt dieser Entwicklung, bietet im Erfolgsfall aber auch gigantisches Kurspotenzial. Denn die Phase, in der aus Pilotprojekten Bestellungen werden, ist eingeläutet.
Interessenskonflikt
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