16.06.2026 | 04:45
Vonovia blutet und kämpft, Evotec erneuert sich und dynaCERT expandiert, drei Aktien im Check! Wer hat die besseren Karten?
Drei Aktien, drei völlig unterschiedliche Storys und doch stehen alle drei gerade an einem Punkt, der über die nächsten Monate entscheiden dürfte. Vonovia z. B. kämpft gegen steigende Zinsen und einen Immobilienmarkt, der sich nicht erholen will. Evotec steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau und hat gerade seinen Aufsichtsrat neu besetzt. Und dynaCERT, der kanadische Cleantech-Spezialist, macht ernst in Südostasien: Vietnam könnte der nächste Schritt sein.
Hinzu kommt ein geopolitischer Paukenschlag, der die Märkte gerade aufmischt: Die USA und der Iran haben sich wohl auf einen Deal geeinigt und die Straße von Hormus soll wieder öffnen. Die Ölpreise sind prompt gefallen. Was das für Energiekosten, Immobilienmärkte und Cleantech-Unternehmen bedeutet, ist noch nicht ausgemacht. Wer genauer hinschaut, findet aber bei allen drei Werten mehr als nur Schlagzeilen. Wo kann man jetzt einsteigen?
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Matthias Schomber
ISIN:
EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , VONOVIA SE NA O.N. | DE000A1ML7J1
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Matthias Schomber
Aufgewachsen im hessischen Gießen, entdeckte Matthias Schomber schon in den frühen 1990er Jahren seine Leidenschaft für die Finanzmärkte – in einer Zeit, als der Börsenhandel noch eher ein Metier für echte, eingefleischte Börsianer war. Er arbeitete dort nach seiner Banklehre für ein Privatbankhaus und erlebte auf dem Frankfurter Börsenparkett live und hautnah den Aufstieg und Fall des Neuen Marktes mit und zog daraus Lektionen, die bis heute sein Denken als Trader, Autor und Handelssystementwickler prägen.
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Vonovia: Der 30. Juni könnte zum Schicksalsdatum werden
Kaum ein Termin im deutschen Immobiliensektor wird gerade so aufmerksam beobachtet wie der 30. Juni bei Vonovia. Dann bewertet Europas größter Wohnungskonzern seinen gesamten Immobilienbestand neu. Und das Timing könnte wohl kaum schlechter gewählt sein, denn die Europäische Zentralbank hat kurz zuvor die Zinsen um weitere 25 Basispunkte angehoben. Die Einlagefazilität liegt nun bei 2,25 %. Für ein Unternehmen wie Vonovia, dessen Bewertungen nahezu direkt mit dem Zinsniveau zusammenhängen, könnte das ein Problem werden, denn steigende Zinsen drücken meist die Immobilienwerte nach unten, und das wäre jetzt wohl dann genau zum falschen Zeitpunkt.
Die Inflation im Euroraum kletterte im Mai auf 3,2 %, weit über dem Zwei-%-Ziel der EZB. Für 2026 rechnen EZB-Volkswirte mit einer Teuerungsrate von 3,0 % bei einem mageren BIP-Wachstum von nur 0,8 %. Weitere Zinserhöhungen sind damit ebenfalls noch nicht vom Tisch und das bedeutet für Vonovia dann nichts Positives.
Das operative Geschäft hält sich zuletzt trotzdem erstaunlich stabil. Die Durchschnittsmiete stieg im ersten Quartal 2026 um 3,8 % auf 8,46 EUR je Quadratmeter und Monat. Die Leerstandsquote liegt bei lediglich 2,3 %, das ist für den deutschen Markt ein sehr ordentlicher Wert. Das bereinigte EBITDA wuchs um 1,4 % auf 711,6 Millionen EUR. Und das Gesamtjahresziel, ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden EUR, hat das Management bisher nicht zurückgenommen. Was den Gewinn aber belastet, sind die Finanzierungskosten. Der bereinigte Gewinn sank um 7,2 % auf 365,6 Millionen EUR. Die Schulden fressen den Ertrag. Bis Ende 2027 werden insgesamt rund 5 Milliarden EUR an Anleihen fällig. Der Konzern reagiert mit einer breiten Emissionsstrategie, Eurobonds, Yen-Anleihen, Pfund- und Australischer-Dollar-Emissionen. Die Investorenbasis wird damit breiter und dadurch liegt auch das Rating bei S&P stabil bei „BBB+".
Die Aktie zeigt, was der Markt von all dem hält. Bei rund 21 EUR notiert sie nahe dem 52-Wochen-Tief bei knapp unter 20 EUR und damit auch deutlich unter Buchwert und seit Jahresbeginn ebenfalls deutlich im Minus. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus über 25 %. Goldman Sachs hält dennoch an einer Kaufempfehlung mit Kursziel 34,30 EUR fest und verweist auf positive Sektortrends.
Die Lücke zwischen dem Kursziel und dem aktuellem Kurs ist riesig und ob sie sich schließt, hängt maßgeblich von der Portfoliobewertung Ende Juni und den Halbjahreszahlen am 5. August ab. Strukturell spricht tatsächlich einiges für Vonovia.
2025 wurden in Deutschland nur rund 207.000 Wohnungen fertiggestellt, das ist der niedrigste Stand seit 2012. Neue Baugenehmigungen bedeuten frühestens 2028 zusätzliches Angebot. Der Mietdruck bleibt also wohl hoch. Wer langfristig denkt, könnte in Vonovia einen Value-Kandidaten sehen. Aber kurzfristig bleibt das Risiko dennoch noch bestehen. Auf die Watchlist!
Evotec: Frischer Wind im Aufsichtsrat
Von dem Vonovia-Beton zur Biotechnologie. Evotec aus Hamburg erzählt eine ganz andere Geschichte, und doch kennt auch der Hamburger Life-Science-Spezialist den Druck des Marktes gut.
Auf der Hauptversammlung am 11. Juni 2026 wurden zuletzt alle Tagesordnungspunkte mit der erforderlichen Mehrheit angenommen und zwei neue Gesichter zogen in den Aufsichtsrat ein. Dies sind Dieter Weinand und Dr. Wolfgang Hofmann. Weinand übernahm direkt den Vorsitz und löst damit Prof. Dr. Iris Löw-Friedrich ab. Außerdem wurden Dr. Duncan McHale und Wesley Wheeler wiedergewählt. Insgesamt waren 43,10 % des eingetragenen Grundkapitals auf der Versammlung vertreten.
Evotec steckt mitten in einem strukturellen Umbau unter dem Projektnamen „Project Horizon". Das Unternehmen bündelt seine globalen Standorte, um effizienter zu werden, und hat sich über eine Wandelanleihe frisches Kapital besorgt, dennoch stand die Aktie danach unter Druck, aber das ist schon ein bekanntes Muster bei solchen Maßnahmen. Was Evotec jedoch auszeichnet ist, dass das Unternehmen kein kleiner Nischenanbieter ist. Evotec hat Kooperationen mit allen Top-20-Pharmaunternehmen der Welt, von Bayer über Bristol Myers Squibb bis Novo Nordisk und Takeda. Dazu über 800 Biotech-Partner und akademische Einrichtungen wie die University of Oxford oder die Gates Foundation.
Auch die Technologie ist breit aufgestellt: So gibt es Wirkstoffforschung mit KI-Unterstützung, proprietäre Plattformen für molekulare Patientendaten und Zelltherapien, niedermolekulare Verbindungen und Biologika. Über 100 eigene Forschungsprojekte laufen parallel. Der Fokus liegt auf Onkologie, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Neurologie und Immunologie.
Der Kurs hat in den vergangenen Monaten gelitten, wohlwollend könnte man von einer abwärts gerichteten Seitwärtsbewegung sprechen. Bei rund 4,80 EUR notiert die Aktie derzeit deutlich unter früheren Hochs von vor ein paar Jahren. In 2021 lag die Aktie noch über 40 EUR. Dennoch könnte der laufende Umbau mittelfristig jedoch ein Katalysator sein. Entscheidend wird sein, ob das neue Führungsteam im Aufsichtsrat die strategische Neuausrichtung glaubwürdig begleitet, und ob „Project Horizon" liefert, was der Name verspricht. Abwarten und Alarm beim Überschreiten der 5,50 EUR-Marke aktivieren.
dynaCERT: Vietnam und ein Kurs in der Konsolidierung
Und nun nach Kanada, oder besser gesagt auch nach Südostasien, denn dynaCERT aus Toronto, ist mit seiner HydraGEN™-Technologie auf Expansionskurs. Der jüngste Schachzug führt direkt nach Vietnam.
Die Idee hinter HydraGEN ist so zwar simpel aber wirkungsvoll, denn das System nutzt Elektrolyse, um destilliertes Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Diese Gase werden dem Verbrennungsprozess eines Dieselmotors zugeführt und sorgen für eine effizientere Verbrennung. Das Ergebnis ist weniger Kraftstoffverbrauch und auch weniger Schadstoffausstoß wie Kohlenstoffoxide und Feinstaub.
Dieser Grundgedanke ist angesichts globaler Bestrebungen, fossile Brennstoffe effizienter zu nutzen und CO2-Emissionen zu senken, hochaktuell. Solange Dieselflotten weltweit im Einsatz sind, und das werden sie noch auf Jahre, bieten Lösungen wie HydraGEN™ einen spürbaren Effekt, ohne dass aufwendige Umrüstungen auf reine Elektroantriebe nötig wären.
Vietnam passt perfekt in diese Logik, denn das Land zählt einige Millionen Schwerlastfahrzeuge, Busse und Baumaschinen, natürlich sehr viele, wahrscheinlich sogar die meisten, mit Dieselantrieb. Die Wirtschaft wächst stark und die Regierung hat sich Klimaziele gesetzt, nämlich die Klimaneutralität bis 2050. Dazu soll ein Emissionshandelssystem eingeführt werden, das Anreize schafft, in grüne Technologien zu investieren.
dynaCERT hat auf seiner Vietnam-Reise zwei bedeutende Absichtserklärungen unterzeichnet. Eine Kooperation mit der Ho-Chi-Minh-City-Universität für Technologie (HCMUT) soll die HydraGEN™-Technologie unter vietnamesischen Bedingungen wissenschaftlich validieren. Zusätzlich wurde eine Vereinbarung mit einem vietnamesischen Öl- und Gaskonzern geschlossen, um gemeinsame Pilotprojekte im staatlich kontrollierten Energieinfrastrukturbereich durchzuführen. Technische Foren in Ho-Chi-Minh-City mit Vertretern von Regierungsbehörden, Logistikunternehmen und Universitäten unterstreichen, wie ernst die Vietnamesen das Thema nehmen. Sogar der kanadische Handelskommissar vor Ort unterstützt das Vorhaben.
Daneben bietet das firmeneigene Telematik-System HydraLytica™ die Möglichkeit, Einsparungen in Echtzeit zu messen und Emissionszertifikate zu generieren. Die dynaCERT-Methodik ist zudem Verra-zertifiziert, was die Grundlage für den Zugang zum globalen Markt für handelbare CO2-Gutschriften bildet.
Charttechnik
Der Kurs hat zuletzt nach einer zwischenzeitlichen Aufwärtsbewegung bis 0,17 CAD wieder nachgegeben. Was aussieht wie ein Rücksetzer, könnte sich in Zukunft als eine normale Konsolidierungsphase herausstellen. Im Bereich von 0,10 bis 0,12 CAD bietet sich potenziell ein günstigeres Einstiegsniveau an als noch zuletzt. Vorsichtig könnten erste Teileinstiege von spekulativ orientierten Investoren erwogen werden!

Fazit:
Vonovia bietet auf dem aktuellen Niveau eine hohe Dividendenrendite und operativen Rückhalt durch knappe Wohnraumangebote, doch der Zinsgegenwind ist echt, und erst der 30. Juni bringt Klarheit darüber, wie viel Substanz wirklich übrig bleibt.
Evotec steckt im Umbau, der dringend notwendig ist. Die neue Führung im Aufsichtsrat, die breite wissenschaftliche Basis und die tiefen Partnerschaften mit der weltweiten Pharmaindustrie sind solide Argumente für mittelfristig orientierte Investoren.
dynaCERT ist die spekulativste der drei Geschichten, aber möglicherweise auch eine recht interessante. Die Kombination aus bewährter Technologie, wachsenden Märkten und dem Wink in Richtung Eintritt nach Vietnam lässt aufhorchen. Die laufende Konsolidierung des Aktienkurses könnte eine gute Einstiegsgelegenheit sein. Wer Risiko verträgt und das Thema Emissionsreduktion im Diesel-Bereich ernst nimmt, sollte dynaCERT zumindest auf dem Radar haben.
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