19.06.2026 | 05:50
Volatus Aerospace, Hensoldt und Rheinmetall: Drei Aktien für den neuen Drohnen- und Rüstungsboom
Nach dem Krieg ist vor der Aufrüstung. Der Konflikt im Nahen Osten steht zwar womöglich kurz vor dem Ende, die USA und der Iran haben jüngst auf Schloss Versailles zumindest eine Absichtserklärung für ein Kriegsende unterzeichnet. Doch die weltweite Aufrüstung wird dadurch allenfalls temporär gebremst. Langfristig wird sich der Rüstungsboom rund um den Globus fortsetzen. Und die Kriege der Zukunft werden längst nicht mehr nur mit Panzern, Flugzeugen und Raketen geführt. Drohnen, Sensoren, Software, autonome Systeme und elektronische Abwehrtechnik verändern die Verteidigungsindustrie fundamental. Was vor wenigen Jahren noch wie ein Nischenthema für Spezialisten wirkte, ist inzwischen ein milliardenschwerer Wachstumsmarkt. Regierungen rund um den Globus wollen unabhängiger werden, Lieferketten absichern und militärische Fähigkeiten schneller modernisieren. Genau daraus entstehen für Anleger neue Börsenstorys. Besonders spannend für spekulative Anleger ist der derzeit Volatus Aerospace, wer es konservativer mag kann auch Hensoldt und Rheinmetall in ein rüstungsaffines Depot beimischen.
Lesezeit: ca. 8 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , HENSOLDT AG INH O.N. | DE000HAG0005
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Volatus: Drohnenprofiteur mit viel Fantasie
Die Aktie von Volatus Aerospace zählt aktuell wohl zu einer der spannendsten Drohnenspekulationen an der Börse. Der kanadische Spezialist hat sich in den vergangenen Jahren vom eher unscheinbaren Dienstleister zu einer integrierten Aerospace- und Defence-Plattform entwickelt. Genau dieser Wandel macht das Papier so interessant. Volatus verkauft nicht nur Drohnen, sondern deckt immer größere Teile der Wertschöpfungskette ab: Hardware, Sensorik, Training, Flugbetrieb, Datenanalyse, Wartung, Software und zunehmend auch Verteidigungsanwendungen.
Die breite Aufstellung ist wichtig, denn der Markt verändert sich gerade rasant. Im zivilen Bereich werden Drohnen längst für Pipeline-Überwachung, Infrastrukturinspektionen, Energieversorgung, Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Katastrophenschutz eingesetzt. Im militärischen Bereich sind unbemannte Systeme inzwischen unverzichtbar geworden. Der Ukraine-Krieg und die Konflikte im Nahen Osten zeigen täglich, wie wichtig Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung und Drohnenabwehr geworden sind. Unternehmen, die für diese Bereiche einsatzfähige Systeme, Training und operative Erfahrung liefern können, landen schnell auf den Einkaufslisten von Regierungen und Verteidigungsbehörden.
Genau dort positioniert sich Volatus. In einer aktuellen Unternehmenspräsentation beschreibt sich die Gesellschaft selbst als „Commercially Proven. Defence-Ready by Design.“ Das ist mehr als ein Werbespruch. Der Clou liegt darin, dass Volatus das kommerzielle Geschäft als Fundament nutzt und darauf nun den militärischen Hebel setzt. Die Kanadier verfügen bereits über operative Erfahrung in regulierten Märkten mit eigenen Standorten in Nordamerika und Europa, betreiben Ausbildungsprogramme, Datenplattformen und managen den Flugbetrieb. Dadurch kann Volatus im Vergleich zu reinen Drohnenherstellern mit einem viel breiteren Paket bei potenziellen Auftraggebern punkten.
Besonders spannend ist die neue Produktions- und Integrationsstrategie in Mirabel in der kanadischen Provinz Québec. Dort baut Volatus für zehn Mio. CAD eine skalierbare Produktions- und Integrationsplattform zur Serienfertigung militärischer Langstreckendrohnen auf. Der Standort ist für zehn Jahre gesichert und strategisch gut gewählt. Kanada will seine Verteidigungsindustrie nämlich stärker im eigenen Land verankern. Zudem suchen westliche Regierungen nach Anbietern, die wie Volatus nicht von problematischen Lieferketten abhängig sind. Für Volatus könnte daraus ein perfektes Zeitfenster entstehen. Die hohen Investitionen machen deutlich, dass Volatus sich bereits auf deutlich größere Regierungs- oder NATO-nahe Programme vorbereitet. An der Börse kann daraus schnell neue Fantasie entstehen. Denn wer heute Produktionskapazitäten für sichere, westliche Drohnenplattformen aufbaut, könnte morgen bei größeren Regierungsprogrammen mitbieten. Besonders interessant ist, dass Volatus die Anlage nicht nur als Fabrik versteht, sondern als Herzstück für Systemintegration, Tests, operative Einsatzbereitschaft und Verteidigungsanwendungen.
Software als Bewertungshebel
Der zweite große Kurstreiber könnte Software werden. Volatus arbeitet an eigenen Plattformen wie SKYDRA und V-Cortex AI. SKYDRA zielt auf Counter-UAS-Anwendungen, also die Planung, Simulation und Vorbereitung von Drohnenabwehr-Einsätzen. Genau dieser Markt gewinnt enorm an Bedeutung. Denn je mehr Drohnen auf modernen Schlachtfeldern oder bei kritischer Infrastruktur eingesetzt werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, fremde Systeme frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und abzuwehren.
Software und wiederkehrende Erlöse werden an der Börse deutlich höher bewertet als reine Hardwareverkäufe. Eine Drohne wird einmal verkauft, eine Plattform kann über Lizenzen, Trainings, Datenpakete und laufende Wartung immer wieder Umsatz bringen. Gelingt Volatus dieser Schritt, würde sich die Wahrnehmung der Aktie verändern. Aus einem Drohnenanbieter könnte schrittweise ein skalierbarer Defence-Tech-Wert werden.
Auch die Zahlen liefern erste Hinweise auf den Wandel. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz um 26 Prozent auf gut 34 Mio. CAD. Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit Verteidigungs- und Ausrüstungserlösen, die sich mehr als verdoppelten. Europa und Großbritannien gewannen durch NATO-nahe Aktivitäten deutlich an Bedeutung. Im ersten Quartal 2026 wirkte der Umsatz mit rund 5,6 Mio. CAD zwar noch unspektakulär. Doch die Bruttomarge erreichte mit 35 Prozent den höchsten Wert in einem ersten Quartal der Unternehmensgeschichte. Das deutet darauf hin, dass der Geschäftsmix langsam hochwertiger wird. Für 2026 erwartet das Management bereits wiederkehrende Umsätze von rund 20 Mio. CAD. Obendrein zeigt die prall gefüllte Auftragspipeline der Kanadier, die Ende März auf rund 600 Mio. CAD taxiert wurde, dass die Story mit wiederkehrenden Erlösquellen aus Training, Services, Datenströmen und Verteidigungssoftware längst größer ist als der Verkauf einzelner Fluggeräte.
Kurzfristig bleibt allerdings Geduld gefragt. Volatus schreibt unter dem Strich weiterhin Verluste. Zudem belasteten im ersten Quartal zeitliche Verschiebungen bei Verteidigungsaufträgen und Lieferkettenprobleme. Das Management betont jedoch, dass die betroffenen Verträge aktiv bleiben und Lieferungen bereits ins zweite Quartal verschoben wurden. Sollte sich das bestätigen, könnte der Newsflow in den kommenden Monaten wieder deutlich besser aussehen.
NATO-Fantasie und Übernahmespekulation
Besonders viel Fantasie steckt im Verteidigungsgeschäft. Volatus hat bereits einen mehrjährigen Trainingsvertrag mit einer NATO-verbündeten Regierung erhalten. Solche Aufträge sind nicht wegen ihrer absoluten Größe interessant, sondern wegen ihrer Signalwirkung. Wer einmal in einem NATO-nahen Umfeld liefert, wird für weitere Programme sichtbarer.
Zudem arbeitet Volatus mit Sentinel R&D an einer kanadischen Interceptor-UAV-Plattform. Noch handelt es sich um eine strategische Zusammenarbeit und nicht um einen Milliardenauftrag. Aber das Thema passt perfekt in die Zeit. Drohnenabwehr wird für Armeen, Flughäfen, Energieanlagen und kritische Infrastruktur immer wichtiger. Sollte Kanada seine industrielle Verteidigungsstrategie konsequent mit heimischen Anbietern umsetzen, könnte Volatus als kanadisch kontrollierte Plattform überproportional profitieren.
Auch die Kapitalmarktstory gewinnt an Schwung. Nach dem Wechsel an die Toronto Stock Exchange ist die Aktie für institutionelle Investoren besser zugänglich. In Anlegerkreisen wird längst darüber spekuliert, ob mittelfristig weitere Kapitalmarkt-Schritte folgen könnten. Auch Übernahmefantasie ist vorhanden. Große Rüstungs- und Technologiekonzerne stehen unter Druck, sich im Drohnenbereich schnell zu positionieren. Der Aufbau eigener Plattformen kostet Zeit. Kleinere Spezialisten mit funktionierender Technologie, operativer Erfahrung und staatlichen Referenzen können daher schnell ins Visier geraten. Volatus wäre für größere Player interessant, weil das Unternehmen nicht nur einzelne Drohnen anbietet, sondern ein ganzes Ökosystem aus Produktion, Software, Training und Betrieb.
Natürlich bleibt die Aktie sehr spekulativ. Die Bewertung basiert stark auf künftigen Erwartungen. Volatus muss zeigen, dass aus der Pipeline tatsächlich Umsätze werden, Mirabel skaliert und Softwarelösungen wie SKYDRA kommerziell angenommen werden. Gelingt das, könnte der kleine kanadische Drohnenwert vor einer neuen Bewertungsstufe stehen. Auch Börsenexperten sind weiterhin optimistisch gestimmt für die Aktie. Im Mittel des Analystenkonsens liegt das Kursziel für den Hotstock aktuell bei 1,04 CAD und damit rund 75 % über dem aktuellen Kursniveau.
Hensoldt: Der Sensorik-Champion
Der passende deutsche Ergänzungswert zu Volatus ist Hensoldt. Während Volatus für Drohnen, operative Plattformen und Softwarefantasie steht, liefert Hensoldt die Sensorik- und Elektronikseite der neuen Verteidigungswelt. Radar, Optronik, elektronische Kampfführung und Lageerfassung sind zentrale Bausteine moderner Streitkräfte. Ohne Sensoren bleibt selbst die beste Drohne blind.
Operativ läuft es bei Hensoldt rund. Der Auftragseingang hat sich im ersten Quartal 2026 mehr als verdoppelt, der Auftragsbestand erreichte ein neues Rekordniveau. Besonders stark ist die Nachfrage nach Radar- und Sensorsystemen für Fahrzeuge, Luftverteidigung und Flugzeuge. Auch der elektronische Kampf wird wichtiger. Hier geht es darum, gegnerische Systeme zu stören, eigene Plattformen zu schützen und Informationen schneller auszuwerten.
Genau darin liegt der strategische Reiz. Moderne Kriegsführung wird immer stärker datengetrieben. Wer sehen, erkennen, stören und schützen kann, besitzt einen entscheidenden Vorteil. Hensoldt ist damit einer der deutschen Schlüsselprofiteure des Verteidigungsbooms. Die Aktie ist zwar nach der Rallye kein Schnäppchen mehr, aber die Visibilität bleibt hoch. Sollte Europa seine Verteidigungsfähigkeit tatsächlich über Jahre ausbauen, dürfte Hensoldt weiter mitwachsen.
Rheinmetall: Der große deutsche Drohnenhebel
Noch offensichtlicher ist der Rüstungsboom bei Rheinmetall. Der Düsseldorfer DAX-Konzern gilt längst als einer der großen Gewinner der europäischen Aufrüstung. Doch spannend ist nicht nur das klassische Geschäft mit Munition, Panzern und Militärfahrzeugen. Rheinmetall arbeitet sich inzwischen auch immer stärker in den Drohnenmarkt hinein. Besonders die sogenannten Loitering-Munition-Systeme könnten in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wachstumsfeld werden. Dabei handelt es sich um Drohnen, die über dem Einsatzgebiet kreisen, Ziele aufklären und bei Bedarf präzise zuschlagen können. Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, wie stark solche Systeme die moderne Gefechtsführung verändern.
Dass dieser Bereich für die Rheinländer nicht nur Zukunftsmusik ist, zeigt der jüngste Bundeswehr-Auftrag für die Drohne FV-014. Der Rahmenvertrag ist milliardenschwer, der erste Abruf beläuft sich auf rund 300 Mio. EUR. Die Lieferungen sollen nach der Qualifizierung ab 2027 beginnen. Damit bekommt Rheinmetall eine eigene Drohnenstory, die perfekt zur klassischen Munitions- und Plattformkompetenz des Konzerns passt. Zusätzlich arbeitet Rheinmetall mit Auterion an einem standardisierten Betriebssystem für militärische Drohnensysteme. Genau an dieser Schnittstelle aus Hardware, Software, Munition und Vernetzung entsteht derzeit eine neue industrielle Wertschöpfungskette. Für langfristig orientierte Anleger, die auf Militäraktien setzen wollen, bleibt Rheinmetall damit nicht nur der große Aufrüstungsprofiteur, sondern zunehmend auch ein deutscher Drohnen- und Defence-Tech-Wert.
Fazit
Die westliche Welt rüstet technologisch auf. Drohnen, Sensoren, Software, autonome Systeme und militärische Mobilität werden in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen. Davon profitieren nicht nur die großen Namen der Branche wie Rheinmetall oder Hensoldt, sondern auch spezialisierte Unternehmen aus der zweiten Reihe wie Volatus Aerospace. Die Kanadier bleiben aus dem vorgestellten Trio der spekulativste Wert. Das Unternehmen muss die operative Schlagkraft noch beweisen, verfügt aber über eine außergewöhnlich spannende Ausgangslage. Gelingt der Hochlauf in Mirabel und werden NATO-nahe Verträge ausgebaut und setzen sich zudem Softwarelösungen wie SKYDRA durch, könnte die Aktie völlig neu bewertet werden und noch kräftige Kurssteigerungen verzeichnen. Hensoldt und Rheinmetall sind die defensiveren Begleiter derselben Investmentstory, die längst noch nicht zu Ende geht. Vielmehr steht der Drohnen- und Rüstungsboom trotz der jüngsten Friedenszeichen im Nahen Osten erst am Anfang.
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