17.06.2026 | 05:00
Rio Tinto, KSB, Desert Gold Ventures: Drei Gewinner des Rohstoff-Superzyklus
Die Rohstoffmärkte haben sich in den vergangenen zwei Jahren stark entwickelt. Trotz der jüngsten Korrekturen bei Gold und Silber sind Edelmetalle weiterhin gefragt. Auch Kupfer, Wolfram oder seltene Erden profitieren von einem Nachfrageboom, der weit über einen gewöhnlichen Konjunkturzyklus hinausgeht. Treiber sind die Energiewende, der weltweite Ausbau von Rechenzentren, die Elektrifizierung der Industrie sowie steigende Verteidigungsausgaben. Gleichzeitig wird die Versorgung mit strategischen Rohstoffen zunehmend zur Frage der nationalen Sicherheit. Drei Gewinner des Rohstoff-Superzyklus sind Rio Tinto, KSB und Desert Gold Ventures. Mit den Titeln aus Spekulation, Substanz und Infrastruktur finden Anleger drei unterschiedliche Wege, auf einen der spannendsten Trends der kommenden Jahre zu setzen.
Lesezeit: ca. 7 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
RIO TINTO LTD | AU000000RIO1 , KSB SE+CO.KGAA VZO O.N. | DE0006292030 , DESERT GOLD VENTURES | CA25039N4084 | TSXV: DAU , OTCQB: DAUGF
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Rio Tinto: Der unterschätzte Kupfer-Champion
Wer vom Rohstoffboom profitieren und dabei eher konservativ investieren will, findet mit Rio Tinto, einem der weltweit führenden Rohstoffkonzerne, eine gute Option. Der Bergbauriese erzielt noch immer einen Großteil seiner Gewinne mit Eisenerz, verfügt aber gleichzeitig über enorme Wachstumsperspektiven im Kupferbereich. Kaum ein anderes Metall profitiert derzeit stärker von den globalen Megatrends. Der Ausbau von Stromnetzen, die Elektrifizierung des Verkehrs, der Boom von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz sowie die Modernisierung der Energieinfrastruktur verschlingen enorme Mengen Kupfer. Viele Experten erwarten deshalb für die kommenden Jahre ein strukturelles Angebotsdefizit. Rio Tinto hat sich auf diese Entwicklung vorbereitet. Mit Oyu Tolgoi in der Mongolei besitzt der Konzern eines der bedeutendsten Kupferprojekte der Welt. Die Untertagemine befindet sich noch im Ausbau und soll ab Ende des Jahrzehnts zu den größten Kupferminen weltweit gehören. Hinzu kommen die traditionsreiche Kennecott-Mine in den USA sowie weitere Entwicklungsprojekte in Nordamerika und Australien. Der Markt betrachtet Rio Tinto häufig noch immer als klassischen Eisenerzproduzenten. Dadurch wird das Potenzial der Kupfersparte vielfach unterschätzt. Sollte sich die erwartete Kupferknappheit tatsächlich einstellen, könnte das Unternehmen zunehmend als strategischer Kupferwert wahrgenommen werden. Hinzu kommt die solide Finanzbasis. Rio Tinto erwirtschaftet hohe Cashflows, verfügt über eine starke Bilanz und zählt seit Jahren zu den attraktivsten Dividendenzahlern im Rohstoffsektor. Anleger erhalten damit einen relativ defensiven Zugang zum Rohstoffboom.
KSB: Der heimliche Gewinner der Investitionswelle
Nicht nur Minenbetreiber profitieren von steigenden Rohstoffpreisen. Auch Unternehmen, die die notwendige Infrastruktur liefern, dürften in den kommenden Jahren hervorragend ausgelastet sein. Ein besonders interessanter Kandidat ist das deutsche Unternehmen KSB. Der Pumpen- und Armaturenspezialist aus Frankenthal zählt weltweit zu den führenden Ausrüstern der Bergbauindustrie. Wo neue Minen entstehen oder bestehende Anlagen erweitert werden, werden Pumpen, Ventile und Prozesssysteme benötigt. In diesen Produkten liegt die Stärke von KSB. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten bereits kräftig zugelegt. Dennoch scheint die langfristige Story noch längst nicht vollständig eingepreist. Der weltweite Rohstoffhunger zwingt die Bergbauindustrie zu Milliardeninvestitionen. Viele Projekte wurden während der schwachen Rohstoffjahre verschoben und könnten nun wieder auf den Tisch kommen. Für KSB entsteht daraus ein attraktiver Hebel. Besonders interessant ist das margenstarke Servicegeschäft. Pumpen und Anlagen müssen regelmäßig gewartet, modernisiert und ersetzt werden. Dadurch entstehen wiederkehrende Erlöse, die das Geschäft deutlich stabiler machen als bei klassischen Projektlieferanten. Gleichzeitig arbeitet das Management konsequent an der Verbesserung der Profitabilität. Mit dem Programm „Mission TEN30“ soll die operative Marge bis 2030 auf über 10 % steigen. Digitalisierung, Automatisierung und effizientere Prozesse sollen dabei helfen. KSB ist kein spektakulärer Highflyer. Der Konzern bietet jedoch etwas, das viele Anleger im Rohstoffsektor suchen: eine starke Marktposition, solide Gewinne und einen indirekten Hebel auf die weltweit steigenden Investitionen in Bergbau und Infrastruktur.
Desert Gold: Heiße Spekulation im afrikanischen Goldgürtel
Richtig viel Bewegung gibt es momentan bei Investments rund um Gold. Zuletzt gab es dort zwar kleinere Preiskorrekturen, doch das krisenbewährte Edelmetall verzeichnet seit Jahren eine erhöhte Nachfrage durch Investoren. Während sich viele Anleger bei ihren Investments auf die großen Goldproduzenten konzentrieren oder in Xetra-Gold oder Euwax Gold investieren, entstehen die spektakulärsten Kursbewegungen häufig bei den kleinen Explorern. Desert Gold Ventures gehört genau in diese Kategorie. Das Unternehmen aus Kanada ist vor allem in Afrika tätig und besitzt mit dem SMSZ-Projekt (Senegal-Mali Shear Zone) eines der größten zusammenhängenden Explorationsgebiete in Westafrika. Die Börsenstory könnte kaum spannender sein. Die Projekte befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft mehrerer Top-Minen. Zu den Nachbarn zählen Branchengrößen wie Barrick, B2Gold, Allied Gold und Endeavour Mining. Die Senegal-Mali-Scherzone gilt als eine der ertragreichsten Goldregionen weltweit. Allein die benachbarten Minen verfügen über Ressourcen von mehreren Millionen Unzen Gold. Die Fekola-Mine von B2Gold, das Sabodala-Massawa-Projekt von Endeavour oder die Loulo-Gounkoto-Minen von Barrick zählen zu den produktivsten Goldminen Afrikas. Mehr als 70 Millionen Unzen Gold wurden dort bereits nachgewiesen.
Auch Desert Gold kontrolliert im afrikanischen Goldgürtel ein Gebiet von rund 440 Quadratkilometern. Zahlreiche Goldvorkommen wurden bereits identifiziert. Die bislang ausgewiesene Ressource liegt bei mehr als einer Million Unzen Gold. Die Kanadier selbst haben dort zwar noch kein Gold gefördert, doch das Unternehmen verfügt bereits über die notwendigen Genehmigungen für einen Minenbetrieb. Laut einer aktuellen Wirtschaftlichkeitsstudie könnte eine vergleichsweise einfache Oxidgoldmine im kostengünstigen Heap-Leach-Verfahren entstehen. Die Investitionskosten würden dadurch deutlich niedriger ausfallen als bei vielen Konkurrenzprojekten. Das Management von Desert Gold arbeitet daran, die vorhandenen Ressourcen weiter auszubauen und gleichzeitig die wirtschaftliche Attraktivität des Projekts zu erhöhen.
Hoher Goldhebel - niedriger Aktienkurs
Goldentwickler wie Desert Gold besitzen einen starken Hebel auf steigende Rohstoffpreise, denn jeder zusätzliche Dollar beim Goldpreis fließt nahezu direkt in die Wirtschaftlichkeit der Projekte. Genau deshalb könnte Desert Gold aktuell vor einer besonders spannenden Phase stehen. Gerade in Zeiten von Goldpreisen nahe historischer Höchststände verändert sich die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte oft dramatisch. Viele Lagerstätten, die bei Goldpreisen von 1.800 oder 2.000 USD je Unze nur mäßig attraktiv erschienen, entwickeln sich bei deutlich höheren Notierungen plötzlich zu hochprofitablen Assets. Eine aktuelle Firmenpräsentation aus dem Frühjahr 2026 weist etwa für das SMSZ-Projekt bei einem angenommenen Goldpreis von 2.850 USD einen Nachsteuerwert von rund 61 Mio. USD sowie eine interne Verzinsung (IRR = Internal Rate of Return) von 57 % aus. Das bedeutet, dass sich das investierte Kapital bereits nach weniger als drei Jahren amortisieren würde. Bei einem unterstellten Goldpreis von rund 4.100 USD je Unze liegt der Projektwert dort nach eigenen Angaben bereits bei rund 126 Mio. USD nach Steuern mit einer Rendite von über 100 %. Zum Vergleich: Der aktuelle Börsenwert von Desert Gold liegt lediglich bei gut 33 Mio. USD oder umgerechnet 47 Mio. CAD. Mittlerweile liegt der Preis des Edelmetalls bei über 4.300 USD und könnte mittelfristig wieder das Rekordhoch bei über 5.000 USD ins Visier nehmen.
Desert Gold hat sich in der Elfenbeinküste ein neues Projekt gesichert, das bislang praktisch noch nicht angebohrt wurde, dessen Region geologisch jedoch als Fortsetzung jener Strukturen gilt, auf denen bereits zahlreiche bedeutende Goldlagerstätten entdeckt wurden. Erste Bodenproben lieferten bereits auffällige Goldanomalien. Im Erfolgsfall könnte dort eine komplett neue Explorationsstory entstehen. Anleger bekämen damit zusätzlich zur Produktionsfantasie in Mali einen zweiten Wachstumstreiber ins Depot.
Aufkommende Übernahmefantasie
Mit jedem erfolgreichen Bohrprogramm steigt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass größere Produzenten ein Auge auf die Liegenschaften werfen. Gerade in einem Umfeld hoher Goldpreise wächst der Druck auf die großen Minengesellschaften. Viele Produzenten kämpfen mit sinkenden Reserven und benötigen neue Projekte, um ihre Förderung langfristig abzusichern. Eigene Entdeckungen werden immer seltener und teurer. Deshalb setzen die Konzerne verstärkt auf Übernahmen kleiner Explorer. Dass Desert Gold eine strategisch attraktive Landposition in unmittelbarer Nähe bestehender Infrastruktur besitzt, erhöht die Übernahmefantasie. Sollte der Goldpreis auf hohem Niveau bleiben oder sogar weiter steigen, dürfte der Wert solcher Projekte erheblich zunehmen. Natürlich bleibt Desert Gold eine spekulative Wette. Das Unternehmen erwirtschaftet noch keine laufenden Einnahmen und ist auf den Erfolg weiterer Explorationen angewiesen. Gleichzeitig bietet aber die aktuelle Börsenbewertung im Verhältnis zur Projektgröße erhebliches Potenzial.
Für spekulative Anleger entsteht daraus ein erheblicher Hebel, falls die Kanadier weitere Goldvorkommen nachweisen oder den nächsten Entwicklungsschritt erfolgreich umsetzen. Sollte das gut vernetzte Management um CEO Jared Scharf, das über langjährige Erfahrung in Westafrika verfügt und zuvor unter anderem für Barrick, Centamin und Avocet tätig war, weitere Ressourcen nachweisen oder ein größerer Partner einsteigen, könnte sich die Wahrnehmung des Marktes schnell verändern. Für risikobewusste Anleger ist Desert Gold damit einer der spannendsten Hebel auf den laufenden Goldbullenmarkt. Die Kombination aus mehr als einer Million Unzen Goldressourcen, einer vollständig genehmigten Entwicklungsstory, möglicher Produktion in naher Zukunft und zusätzlicher Explorationsfantasie in der Elfenbeinküste bietet reichlich Kurspotenzial.
Fazit
Der Rohstoff-Superzyklus bietet Anlegern derzeit Chancen auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Rio Tinto verbindet attraktive Dividenden mit dem Potenzial eines künftigen Kupfergiganten. KSB wiederum profitiert als Ausrüster von jedem neuen Bergbauprojekt und jeder Erweiterungsinvestition. Desert Gold liefert als Explorer den größten Hebel auf steigende Goldpreise und besitzt zudem noch Übernahmefantasie. Gemeinsam bilden die drei Aktien ein interessantes Trio aus Spekulation, Substanz und Infrastruktur – und damit drei unterschiedliche Wege, auf einen der spannendsten Trends der kommenden Jahre zu setzen.
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