23.07.2026 | 04:40
Das neue China: Power Metallic Mines, GE Aerospace und DHL Group wittern Kurschancen in Saudi-Arabien
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist gerade abgepfiffen, der Plan für die kommenden Turniere steht. Die Blicke der cleversten Manager richten sich schon jetzt auf das Gastgeberland der übernächsten WM, die 2034 in Saudi-Arabien stattfinden soll. Das Königreich schwimmt nicht nur im Geld, es öffnet sich auch immer weiter und leitet seine Ölmilliarden gezielt in neue Branchen. Drei Unternehmen, die davon in besonderem Maße profitieren, sind der kanadische Rohstoff-Explorer Power Metallic Mines, der US-Triebwerksbauer GE Aerospace und der Logistikkonzern DHL Group, im Börsianerjargon immer noch die gute alte Deutsche Post. Zudem steht das Trio im Mittelpunkt von Megatrends wie steigenden Militärausgaben, sicheren Lieferketten, Elektromobilität und Internethandel.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
POWER METALLIC MINES INC. | CA73929R1055 | TSXV: PNPN , OTCBB: PNPNF , General Electric Company | US3696043013 , DEUTSCHE POST AG NA O.N. | DE0005552004
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Saudi-Arabien: Mehr als nur Sand, Kamele und Öl
Was oft noch als Wüstenstaat mit ein paar Ölquellen abgetan wird, entwickelt sich zusehends zum wirtschaftlichen Andockpunkt des Westens, genau wie China in früheren Jahrzehnten. Saudi-Arabien will als Gastgeberland der Fußball-WM 2034 nicht nur die sportliche Weltbühne betreten, sondern auch die wirtschaftliche. Und das bereits im Vorfeld: Unter dem Dach der „Vision 2030“ fließen ungeheure Mengen an Kapital in Tourismus, Technologie, erneuerbare Energien und auch in den Bergbau – mit dem Ziel, die Wirtschaft von der Ölabhängigkeit zu lösen. Der Staatsfonds PIF verwaltet rund 913 Mrd. USD und zählt weltweit zu den fünf größten seiner Art. Öl und Geld sind im Überfluss vorhanden, doch im Unterschied zu anderen Petro-Staaten investiert Riad in ausländische Partnerschaften statt in Konsum. Drei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zeigen, wie breit diese Öffnung bereits greift. Alle drei unterhalten Joint Ventures im Königreich, also gemeinsame Tochtergesellschaften mit lokalen Partnern.
Power Metallic Mines: Der Rohstofflieferant der Zukunft
Am auffälligsten ist dieser Schritt bei Power Metallic Mines, einem Explorer aus Toronto. Über die Tochter Power Metallic Arabia haben sich die Kanadier die Jabal-Baudan-Lizenz im Jabal-Sayid-Gürtel gesichert – einer Region, die als hochprospektiv für Kupfer, Gold und Zink gilt und von CEO Terry Lynch als „eine der wichtigsten neuen Bergbaujurisdiktionen" bezeichnet wird. Jabal-Sayid ist zugleich der Name einer weltbekannten Kupfermine, die von Barrick Mining als Joint Venture mit der saudischen Bergbaugesellschaft Ma'aden betrieben wird. Power Metallic Mines hingegen arbeitet mit der örtlichen Amaar United Mining Company zusammen: Beide Partner wollen künftige Lizenzauktionen im Königreich gemeinsam angehen, mit hälftigem Eigentum und einer anfänglichen Finanzierungslast von 2,5 Mio. USD für Power Metallic gegenüber 7,5 Mio. USD für Amaar. Für das Management um Vorstandschef Lynch ist diese Partnerschaft somit eine kapitalschonende Möglichkeit, das Portfolio zu erweitern, ohne das Kerngeschäft zu vernachlässigen.
Dieses Kerngeschäft bleibt das Nisk-Lion-Tiger-Projekt in Québec, ein rund 330 km² großes Gebiet mit einem hochgradigen Vorkommen an Kupfer, Nickel und Platinmetallen. Zusätzlich lagern dort auch Gold und Silber im Boden. Die bisherigen Bohrungen lieferten Werte, die deutlich über dem liegen, was vergleichbare Kupferprojekte weltweit zu bieten haben. Die Kombination aus Kupfer, Nickel und Edelmetallen macht das Vorkommen vor allem für zwei Schlüsselbranchen interessant: Die Rüstungsindustrie benötigt diese Rohstoffe für hitzebeständige Superlegierungen in Triebwerken, während die Elektromobilität große Mengen Kupfer für Motoren und Hochvoltleitungen verschlingt.
Eine Mineralressourcenschätzung für Lion und Nisk soll Ende Juli vorgelegt werden, im Anschluss folgt eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie, im Branchenjargon PEA genannt. Das Augsburger Analysehaus GBC Research hält intern einen Projektwert von über 1 Mrd. CAD für möglich, sollte sich die Ressource wie erwartet bestätigen. Der Börsenwert von Power Metallic Mines liegt mit rund 238 Mio. CAD bei weniger als einem Viertel dieser Summe. Die Aktivitäten in Saudi-Arabien werden folglich von der Börse bislang ignoriert. Finanziell abgesichert ist das Unternehmen durch eine im Juni abgeschlossene Kapitalrunde über 28,2 Mio. CAD, bei der Rohstoff-Superinvestor Eric Sprott allein für 2,0 Mio. CAD zeichnete. Auch die Bergbau-Veteranen Robert Friedland und Rob McEwen zählen zu den Aktionären, ein Umstand, der in der Branche als Vertrauensbeweis gilt. Die Analysten kommen zu dem Ergebnis, dass die Aktie 3,00 CAD wert sein müsste. Aktuell notiert sie in Toronto bei 1,08 CAD, an deutschen Handelsplätzen bei 0,65 EUR.
GE Aerospace: Über 40 Jahre Partnerschaft mit Riad
Einer der potenziellen Kunden von Power Metallic Mines ist GE Aerospace, ein US-Triebwerksspezialist, dessen Partnerschaft mit Saudi-Arabien mehr als 40 Jahre zurückreicht. Joint Ventures des Konzerns versorgen die vier größten saudischen Fluggesellschaften und betreuen die größte Flotte des Kampfjet-Triebwerks F110 außerhalb der Vereinigten Staaten. So orderte Saudia im November 2025 GEnx-Triebwerke für ihre neuen Boeing-787-Maschinen samt mehrjährigem Wartungsprogramm, im Februar 2026 unterzeichnete GE Aerospace mit der Middle East Propulsion Company erweiterte Wartungsverträge für die königliche Luftwaffe.
GE Aerospace hat seine Wurzeln in der Neuausrichtung des einstigen Mischkonzerns General Electric, der unter Vorstandschef Larry Culp in drei eigenständige Unternehmen zerlegt wurde: GE HealthCare ging 2023 an die Börse, GE Vernova und GE Aerospace folgten im April 2024. Seither firmiert die Aerospace-Sparte als eigenständiger Konzern und gilt als größter Hersteller von Flugzeugtriebwerken weltweit.
Im Zuge des Höhenflugs der Rüstungswerte erreichte die Aerospace-Aktie am 3. Juli mit über 380 USD ein Rekordhoch und notiert nach einer Korrektur aktuell bei rund 340 USD, damit aber immer noch weit über dem Niveau vor einem Jahr. Grund für den steilen Kursanstieg seit Mitte Mai sind handfeste Zahlen: Im zweiten Quartal übertraf GE Aerospace mit einem Gewinn je Aktie von 2,02 USD und einem Umsatz von 12,63 Mrd. USD die Erwartungen. Es war bereits das fünfte Quartal in Folge mit einem Wachstum von mehr als 20 %. Der Auftragsbestand im Servicegeschäft summiert sich auf 170 Mrd. USD, das Management hob die Jahresprognose an. Die überwältigende Mehrheit der Wall-Street-Analysten empfiehlt die Aktie zum Kauf, die Kursziele bewegen sich zumeist um die Marke von 400 USD. Eine Einschränkung bleibt: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) um die 40 ist die Aktie trotz der kleinen Korrektur ambitioniert bewertet.
DHL Group: Abbau in Deutschland, Aufbau im Orient
Während GE Aerospace Triebwerke liefert, sorgt dessen potenzieller Kunde DHL Group mit eigenen Flugzeugen und Lkw dafür, dass Waren überhaupt ihren Weg zum Bestimmungsort finden. Auch in Saudi-Arabien. Bereits 2023 gründete DHL Supply Chain gemeinsam mit dem weltgrößten Ölkonzern Aramco ein Joint Venture für einen Beschaffungs- und Logistik-Hub, den ersten seiner Art für die Industrie-, Energie- und Chemiebranche im Königreich. Aramco-Chef Amin Nasser würdigte bei der Unterzeichnung die Führungsrolle von DHL als Beleg langjähriger Zusammenarbeit. 2025 kamen eine Beteiligung an der saudischen Paketlogistik-Firma AJEX sowie eine Investition von 130 Mio. EUR in ein neues Lager in Riads Sonderlogistikzone hinzu.
Die DHL-Aktie befindet sich nach langer Durststrecke wieder auf dem Weg zu den Höchstkursen von über 60 EUR aus dem Jahr 2021 und markierte zuletzt den höchsten Stand seit Januar 2022. Ausschlaggebend ist das Sparprogramm „Fit for Growth", das bis 2027 rund 1 Mrd. EUR einsparen soll und unter anderem den Abbau von 8.000 Stellen im deutschen Brief- und Paketgeschäft umfasst. Nach starken Quartalszahlen hob der Vorstand die Ergebnisprognose für 2026 von über 6,2 Mrd. EUR auf über 6,5 Mrd. EUR operatives Ergebnis an, während das Aktienrückkaufprogramm auf 6,0 Mrd. EUR ausgeweitet wurde.
Die ehemalige Deutsche Post ist mit einer für 2026 avisierten Ausschüttung von 1,85 EUR je Aktie ein zuverlässiger Dividendenzahler, der inzwischen wegen des intakten Aufwärtstrends auch Momentum-Investoren anzieht. Da mit dem Kurs auch das KGV auf mittlerweile 16 gestiegen ist, sehen die großen Research-Häuser das weitere Potenzial allerdings als begrenzt an. Die Kursziele vieler Analysten sind mit aktuell 56,60 EUR bereits übertroffen, die von J.P. Morgan und der Deutschen Bank genannten 60 EUR nicht mehr weit weg. Allein Barclays Capital billigt DHL mit einem Zielkurs von 62 EUR noch rund 10 % Luft nach oben zu. Das muss allerdings nichts heißen: Erfahrungsgemäß erhöhen Banken ihre Kursziele, wenn die Realität ihren Rechenmodellen enteilt.
Fazit: Gute Zukunftsaussichten durch stabile Trends
Saudi-Arabien öffnet sich für ausländisches Kapital und Know-how in einem Tempo, das an das China der frühen 2000er-Jahre erinnert. Ob als Explorationslizenz für einen kanadischen Junior, als Triebwerkspartnerschaft für einen amerikanischen Weltkonzern oder als Logistik-Hub für ein deutsches Traditionsunternehmen – das Königreich sucht sich seine Allianzen branchenübergreifend und mit langem Atem. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 dürfte die wirtschaftliche Öffnung des Landes ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen. Anleger, die diesen Weg schon heute mitgehen wollen, setzen mit den drei beschriebenen Aktien darüber hinaus auf strukturelle Trends, die weit über Geschäfte mit den Saudis hinausgehen: Da der Onlinehandel weiter wächst, wird DHL in Zukunft immer größere Mengen an Paketen zustellen. Weltweit steigen die Rüstungsausgaben und damit die Nachfrage nach Triebwerken und Wartungsdienstleistungen von GE Aerospace. Die Rohstoffe dafür werden in naher Zukunft Unternehmen wie Power Metallic Mines liefern, die in politisch stabilen Regionen fördern, da westliche Regierungen die Abhängigkeit von Importen aus China und Russland beenden wollen (und müssen!).
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