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26.08.2026 | 05:00

Money, Money, Money: Bei RE Royalties, Aumann und Pfizer kommen Dividendenliebhaber auf ihre Kosten

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Bildquelle: Pixabay

Dividenden sind weit mehr als ein Trostpflaster für schwächere Börsenphasen. Gewinnausschüttungen steuern in der Regel einen großen Teil der Gesamtrendite von Aktien bei. Zudem schwanken Dividenden meist deutlich weniger als Gewinne und Aktienkurse. Eine hohe Rendite allein ist dennoch kein Qualitätssiegel. Sie kann auch die Folge eines Kurssturzes, einer überdehnten Ausschüttungsquote oder einer bevorstehenden Kürzung sein. Viele Dividendenliebhaber suchen daher auch Verlässlichkeit. Die drei ausgewählten Dividenden-Aktien decken unterschiedliche Spielarten ab: RE Royalties lockt mit einer zweistelligen Rendite und der größten Kursfantasie, bringt aber auch das höchste Risiko mit. Aumann wiederum steht als kurzfristige Spekulation für eine üppige, weitgehend aus der prall gefüllten Kasse finanzierte Sonderdividende. Pfizer dagegen bietet die niedrigste Rendite des Trios, dafür aber die längste und verlässlichste Ausschüttungshistorie. Wir stellen die Aktien näher vor.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , AUMANN AG INH O.N. | DE000A2DAM03 , PFIZER INC. DL-_05 | US7170811035

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Aktien-Cloud

    Dividendenperle aus Kanada

    Für Dividendenjäger besonders interessant ist eine hierzulande noch recht unbekannte Aktie aus Kanada: RE Royalties. Der kanadische Spezialfinanzierer der Energiewende bietet Anlegern eine Rendite von aktuell über 10 %. Zweistellige Dividendenrenditen sind an der Börse in der Regel mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, denn entweder steckt ein zyklisches Geschäftsmodell dahinter oder die Ausschüttung ist durch einen besonderen Anlass verzerrt, etwa durch einen Verkauf von Firmenteilen, und nicht nachhaltig.

    Bei RE Royalties indes sichert das Geschäftsmodell die hohe Ausschüttung langfristig ab. Die Nordamerikaner betreiben selbst keine Windräder oder Solarparks, sondern stellen externen Entwicklern Kapital für Projekte rund um erneuerbare Energien bereit und erhalten im Gegenzug eine Beteiligung am Bruttoumsatz. Die Gesellschaft hat das bereits aus dem Rohstoffsektor bekannte Royalty-Modell konsequent auf erneuerbare Energien übertragen und betreibt damit ein hochprofitables Geschäftsmodell in einem boomenden Markt. RE Royalties profitiert von einer exzellenten Zinsmarge. Während sich die Gesellschaft über Green Bonds mit einer Verzinsung von 6 bis 9 % refinanziert, zielen die vergebenen Lizenzinvestitionen meist auf Renditen im zweistelligen Bereich ab. Die Marge ist attraktiv, doch lange Royalties werden mit vergleichsweise kurz laufenden Anleihen finanziert. Rückzahlungen, neue Mittel und Projektcashflows müssen zuverlässig zusammenspielen. Immerhin zahlte Revolve Renewable Power zuletzt 2,4 Mio. CAD vollständig zurück, während die Royalties erhalten blieben.

    Die Royalty-Struktur hat den entscheidenden Vorteil, dass die Einnahmen nicht von den Kosten der Betreiber abhängen. Steigende Bau-, Wartungs- oder Finanzierungskosten bleiben bei den jeweiligen Projektgesellschaften und belasten damit nicht RE Royalties. Für die Gesellschaft zählen allein die Umsätze der Anlagen, die über langfristige Stromabnahmeverträge abgesichert sind. Das sorgt für stabile, planbare und weitgehend inflationsresistente Cashflows. Genau diese regelmäßigen Mittelzuflüsse aus lukrativen Lizenzdeals sind die Basis der hohen Dividende.

    Seit der Gründung wurden laut einer aktuellen Unternehmenspräsentation mehr als 82 Mio. CAD über 27 abgeschlossene Transaktionen in über 130 Solar-, Wind-, Speicher-, Wasser- und Biogasprojekte erfolgreich investiert, was zu einer durchschnittlichen Verzinsung (IRR – Internal Rate of Return) von stattlichen 16 % und einem attraktiven Money-on-Invested-Capital-Faktor von 1,54 führte und in der Folge für hohe Gewinnbeteiligungen für Anleger sorgte. Mehr als 80 % der Projekte liegen in Kanada und den USA. Rund 41 % der Pipeline stammt von bestehenden oder wiederkehrenden Kunden.

    Seit inzwischen 25 Quartalen zahlt RE Royalties verlässlich 0,01 CAD je Aktie aus – ohne Kürzungen, ohne Aussetzer. Die Ausschüttung ist damit kein kurzfristiger Lockvogel, sondern zeigt, dass das Geschäftsmodell funktioniert – und stetig wächst. Denn die Energiewende verschlingt enorme Summen. Vor allem Projektentwickler im Clean-Tech-Sektor suchen viel Kapital, das ihre Stimmrechte und Eigenkapitalanteile durch Finanzierungsmaßnahmen möglichst nicht verwässert. RE hatte lange 0,01 CAD pro Quartal ausgeschüttet. Im Dezember 2025 wechselte der Verwaltungsrat jedoch zu jährlichen Entscheidungen, was die Rendite unter dem Strich nicht verringern sollte. Analysten rechnen denn auch mit einer Jahresausschüttung von 0,04 CAD.

    Die asymmetrische Finanzierungsstruktur, die das Geschäftsmodell von RE Royalties bietet, sorgt für hohe Nachfrage. Die Deal-Pipeline ist mit einem Finanzierungsvolumen von über 200 Mio. CAD prall gefüllt. Sie ist die Basis für künftige Cashflows und die kontinuierliche Ausschüttung hoher Dividenden. Aktuell liegt der regionale Schwerpunkt der Projekte noch in Nordamerika, doch angesichts der stetig steigenden Nachfrage aus der Cleantech-Branche und einer Börsennotierung auch in Deutschland dürfte das Unternehmen absehbar auch viel neues Kapital aus Europa anziehen und damit das Wachstum in Zukunft forcieren.

    Den nächsten Wachstumsschritt zeigt die Partnerschaft mit Solaris Energy. Anfang August investierte RE eine dritte Tranche von 1 Mio. USD und erhöhte sein Engagement auf 4,8 Mio. USD. Damit werden Royalties auf 16 dezentrale US-Solarprojekte mit 15,24 Megawatt finanziert. Über zunächst 25 Jahre soll eine vereinbarte Mindestrendite erreicht werden; danach laufen die Royalties für die restliche Lebensdauer weiter. Eine Absichtserklärung sieht sogar eine Ausweitung auf 67,5 Mio. USD vor. Neben den investierten 4,8 Mio. USD geht es um 13,7 Mio. USD für 13 gesicherte Projekte mit 48 Megawatt sowie weitere 49 Mio. USD für 83 Projekte in der Entwicklung.

    Die Kombination aus zweistelliger Dividendenrendite, strukturellem Wachstum und defensivem Cashflow-Profil ist selten, dennoch fliegt die Aktie vor allem hierzulande noch unter dem Radar und wird häufig übersehen. Für mutige Anleger liegt darin aber eine gute Chance. Denn gelingt es dem Management, neue Investoren vom Geschäftsmodell zu überzeugen, hat die Aktie deutliches Kurspotenzial. Das Management prüft zudem strategische Optionen wie Partnerschaften oder sogar einen Verkauf an externe Investoren. Sollte es zu einem Exit kommen, dürfte sich der Preis angesichts der vollen Projektpipeline wohl deutlich über dem aktuellen Börsenwert von rund 17 Mio. CAD bewegen.

    Der Pennystock eignet sich angesichts des geringen Börsenwertes grundsätzlich aber eher für sehr risikobewusste Dividendenjäger, die ihre Bestände nach einem Kauf im Auge behalten und mit einem Stoppkurs absichern sollten. Am 27. August legt RE Royalties zudem die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Anleger, die auf Nummer gehen wollen, warten vor dem Einstieg die Veröffentlichung des Zahlenwerks noch ab.

    Aumann: Hohe Ausschüttung, starke Bilanz

    Beim deutschen Maschinenbauer Aumann dürfen sich Anleger Anfang September auf eine üppige Ausschüttung freuen. Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung am 28. August eine Dividende von 1,11 EUR je Aktie vorschlagen. Davon entfallen 0,25 EUR auf die reguläre Dividende und 0,86 EUR auf eine Sonderzahlung. Beim aktuellen Kurs von 14,20 EUR errechnet sich eine stattliche Rendite von 7,8 %. Die Überweisung ist für den 2. September vorgesehen.

    Steuerlich gibt es eine Besonderheit: 0,74 EUR je Aktie werden aus dem steuerlichen Einlagekonto gezahlt und unterliegen daher zunächst keinem Steuerabzug. Geschenkt wird Anlegern allerdings auch dieser Betrag nicht. Die Ausschüttung mindert den steuerlichen Einstandskurs, sodass bei einem späteren Verkauf ein entsprechend höherer Veräußerungsgewinn entstehen kann.

    Das operative Geschäft von Aumann liefert derzeit ein gemischtes Bild. Die Investitionszurückhaltung der Automobilindustrie drückte den Umsatz im ersten Halbjahr um 34,8 % auf 70,6 Mio. EUR. Trotz des deutlichen Rückgangs verteidigte Aumann eine respektable EBITDA-Marge von 10,5 %. Das spricht für die hohe Kostendisziplin des Maschinenbauers. Zugleich macht die zunehmende Verbreiterung des Geschäfts Fortschritte. Im Segment „Next Automation“, das unter anderem Anwendungen für Clean Tech, Aerospace und Life Sciences bündelt, legte der Umsatz um 23 % auf 23,2 Mio. EUR zu. Noch dynamischer entwickelte sich der Auftragseingang mit einem Plus von 72 % auf 37,7 Mio. EUR. Die Book-to-Bill-Ratio erreichte damit 1,63. Der Auftragsbestand des Segments wuchs um knapp 32 % auf 61,9 Mio. EUR und macht inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Konzernbestands aus. Die Abhängigkeit von der Automobilindustrie nimmt damit allmählich ab.

    Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management weiterhin einen Umsatz von rund 160 Mio. EUR sowie eine EBITDA-Marge zwischen 6 und 8 %. Die Analystenschätzungen bewegen sich mit 158,6 Mio. EUR Umsatz und einem Gewinn von 0,50 EUR je Aktie in einer ähnlichen Größenordnung. Auf dieser Basis kommt die Aktie auf ein KGV von knapp 29 und wirkt zunächst nicht günstig.

    Der Blick auf die Bilanz relativiert die Bewertung jedoch erheblich. Ende Juni verfügte Aumann über Nettoliquidität von 154,4 Mio. EUR. Nach Abzug von rund 23 Mio. EUR für den Aktienrückkauf im Juli und knapp 13 Mio. EUR für die Dividende dürften noch etwa 118 Mio. EUR übrig bleiben. Damit wären weiterhin fast zwei Drittel des Börsenwerts durch die Nettokasse abgedeckt.

    Am Tag nach der Hauptversammlung wird die Aktie voraussichtlich mit dem entsprechenden Dividendenabschlag gehandelt. Die hohe Rendite ist daher kein Gratisgewinn. Für längerfristig orientierte Anleger bleibt die Kombination aus enormer Finanzkraft, hoher Ausschüttung und wachsendem Geschäft außerhalb der Autoindustrie dennoch reizvoll.

    Pfizer: Der attraktivste Dividendenaristokrat der Welt

    Wer bei Dividenden mehr Wert auf Verlässlichkeit als auf den letzten Prozentpunkt Rendite legt, findet bei Pfizer einen interessanten Gegenpol zu RE Royalties und Aumann. Der US-Pharmakonzern zählt mit einer für 2026 erwarteten Dividendenrendite von über 6 % zu den attraktivsten Dividendenaristokraten der Welt. In den vergangenen 20 Jahren zahlte Pfizer stets eine Dividende; innerhalb der zurückliegenden zehn Jahre wurde sie jedes Jahr mindestens stabil gehalten und regelmäßig erhöht.

    Aktuell überweist der Konzern vierteljährlich 0,43 USD je Aktie an seine Aktionäre. Hochgerechnet sind das 1,72 USD im Jahr. Beim Kurs von 27,97 USD errechnet sich eine Rendite von rund 6,2 %. Die nächste Zahlung erfolgt bereits am 1. September. Der Anspruch darauf wurde allerdings schon am 24. Juli festgestellt – wer die Aktie jetzt kauft, ist erst bei der folgenden Quartalsdividende dabei.

    Operativ ist Pfizer noch kein Selbstläufer. Der Corona-Boom ist Geschichte, gleichzeitig drücken Patentabläufe und die Kosten früherer Übernahmen. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz lediglich um 3 % auf 15 Mrd. USD. Ohne Comirnaty und Paxlovid lag das operative Wachstum allerdings bei 5 %, die neu eingeführten und zugekauften Produkte legten sogar um 18 % zu. Pfizer erhöhte die Mitte seiner Umsatzprognose für 2026 um 500 Mio. USD auf 61,5 Mrd. USD und bestätigte den bereinigten Gewinn je Aktie von 2,80 bis 3,00 USD.

    Damit beansprucht die annualisierte Dividende rund 57 bis 61 % des bereinigten Gewinns. Das ist nicht üppig, aber ausreichend gedeckt. Der hohe GAAP-Verlust im zweiten Quartal beruhte zudem maßgeblich auf nicht zahlungswirksamen Wertberichtigungen von 4,3 Mrd. USD. Pfizer bleibt dennoch eine Turnaround-Wette: Die Pipeline muss die bevorstehenden Patentverluste auffangen, während zugleich Schulden abgebaut werden sollen.


    Fazit

    Unter den drei vorgestellten Dividenden-Kandidaten besitzt Pfizer die verlässlichste Ausschüttungsserie. RE Royalties bietet neben einer hohen Dividende die größte Kursfantasie. Bei Aumann finden Dividendenjäger dagegen kurzfristig den lukrativsten Einmaleffekt.


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    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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