26.05.2026 | 03:45
Mal was anderes als Nel ASA und Plug Power - Was Nordex, Ballard Power und RE Royalties im Depot wirklich taugen! Sind diese Aktien bereit für den großen Ausbruch?
Die globalen Energiemärkte befinden sich in einer sich gefühlt immer schneller drehenden Welt in einem ebenso schnellen Wandel, manche würden das auch „neudeutsch“ Transformation nennen. Während der von vielen Investoren lang ersehnte Wasserstoff-Hype durch neue Rahmenverträge und das Erreichen neuer Mehrjahreshochs bei den Branchenpionieren Nel und Plug in der kommerziellen Realität anzukommen scheint, zeigen sich aber Analysten aufgrund der jetzt noch höher wirkenden astronomischen Bewertungen oftmals weiterhin skeptisch. Parallel dazu zeigen etablierte alternative Energieformen wie Wind, Solar und Batterietechnologien eine enorme Reife auf und allein in Nordamerika wuchs der Markt für saubere Energiefinanzierungen im Jahr 2025 auf 120 Milliarden USD. Doch teils trotz guter Fundamentaldaten und prall gefüllter Auftragsbücher bei Windkraft- und Wasserstoffwerten zeigt der jüngste Markttrend, dass Anleger nach einer monatelangen Rally teilweise schon vermehrt zu Gewinnmitnahmen neigen. Wie viel Luft ist noch in den Trend-Aktien wie z. B. denen von Ballard Power und Nordex? Und was macht z. B. RE Royalties?
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Matthias Schomber
ISIN:
RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020 , BALLARD PWR SYS | CA0585861085 , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Matthias Schomber
Aufgewachsen im hessischen Gießen, entdeckte Matthias Schomber schon in den frühen 1990er Jahren seine Leidenschaft für die Finanzmärkte – in einer Zeit, als der Börsenhandel noch eher ein Metier für echte, eingefleischte Börsianer war. Er arbeitete dort nach seiner Banklehre für ein Privatbankhaus und erlebte auf dem Frankfurter Börsenparkett live und hautnah den Aufstieg und Fall des Neuen Marktes mit und zog daraus Lektionen, die bis heute sein Denken als Trader, Autor und Handelssystementwickler prägen.
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Operative Wende befeuert Ballard-Rally, aber die Analysten mahnen zur Vorsicht
Der kanadische Brennstoffzellen-Hersteller Ballard Power verzeichnet eine (kleine) operative Wende, die den Aktienkurs im Zuge einer starken Rally auf ein neues Mehrjahreshoch regelrecht katapultiert hat. Auslöser für diesen Optimismus sind mitunter die Zahlen für das erste Quartal 2026 gewesen, bei denen der Umsatz im Jahresvergleich um 26 % auf 19,4 Millionen USD kletterte. Die Bruttomarge sprang dank Restrukturierungen auf positive 14 %, während der Nettoverlust auf 11,4 Millionen USD schrumpfte. Da das Unternehmen seinen operativen Cash-Burn um fast 68 % senken konnte und über eine liquide Kassenreserve von 516,8 Millionen USD verfügt, könnte es für rund fünf Jahre durchfinanziert sein.
Aber der primäre Wachstumstreiber ist der auf 119,3 Millionen USD explodierte Auftragsbestand. Ballard wandelt sich über mehrjährige, strategische Rahmenverträge bis 2029 mit führenden Busherstellern wie New Flyer, Solaris und Wrightbus zum industriellen Serienzulieferer für Wasserstoff-Großflotten. Trotz dieser Meilensteine mahnen Analysten aufgrund einer jetzt noch sportlicheren Bewertung nach dem Anstieg zuletzt vom mehr als 20-fachen des Jahresumsatzes zur Vorsicht. Der Konsens lautet eher „Halten“, da der Kurs das durchschnittliche Ziel von ca. 3,40 USD bereits überrannt hat. Für Verunsicherung sorgt zudem, dass der chinesische Großaktionär Weichai Power seine Anteile reduzierte und seine Aufsichtsräte abzog.
Fundamentaler Wachstumskurs bei Nordex intakt - trotz kurzfristiger Gewinnmitnahmen
Der im TecDAX gelistete Windkraftkonzern Nordex präsentiert sich operativ als solide Wachstumsaktie, durchläuft jedoch nach einer monatelangen Rally eine deutliche Phase von Gewinnmitnahmen. Obwohl das Papier auf Jahressicht noch immer mit einem beeindruckenden Plus von weit über 100 % glänzt, verlor es in den vergangenen sieben Tagen gut 10 % an Wert und stabilisierte sich zum Wochenstart bei 42,60 EUR. Damit rutschte die Aktie unter die wichtige Marke bei 44 und sogar bei 43 EUR.
Fundamentale Gründe gibt es für diesen Rücksetzer kaum, zumindest müsste man sie erst suchen oder „erfinden“, denn im ersten Quartal 2026 steigerte Nordex seinen Umsatz um 10,6 % auf 1,59 Milliarden EUR, während das Ergebnis je Aktie deutlich auf 0,23 EUR nach oben kletterte. Für das Gesamtjahr prognostizieren Analysten einen Gewinn von 1,88 EUR je Aktie, womit das mittlere Kursziel von 43,75 EUR wieder leicht über dem aktuellen Börsenkurs liegt. Ein wesentlicher Trumpf ist die neue Produktionsstätte in der Türkei, die mit einer jährlichen Kapazität von 1.200 Rotorblättern voll auf Massenproduktion zu günstigeren Fertigungskosten setzt. Dies sichert die Margen und bietet logistischen Zugang zu den Wachstumsmärkten in Osteuropa und dem Nahen Osten. Starke politische Signale wie ein EU-Besuch in Hamburg unterstreichen zudem die Relevanz von Nordex. Die Veröffentlichung der Quartalsbilanz am 29. Juli wird zeigen, ob der Rücksetzer nur eine gesunde Verschnaufpause war.
Beide Aktien, sowohl Nordex als auch Ballard Power zeigen, wie viel technologische Innovation in sauberer Energie steckt. Beide Ansätze teilen jedoch eine wesentliche Herausforderung. Sie verschlingen gigantische Kapitalsummen und bergen operative Risiken beim Hardware-Bau. Es gibt jedoch einen anderen Ansatz bei einem Unternehmen, um von dem Megatrend ohne physische Fabriken zu profitieren. Dieser finanzielle Blickwinkel führt uns direkt zu einem Spezialisten, den nicht jeder bislang auf dem Radar hat.
RE Royalties vor dem strategischen Wendepunkt
RE Royalties geht einen anderen Weg. Das Unternehmen hat ein bewährtes Finanzierungsmodell aus dem Rohstoffsektor auf erneuerbare Energien übertragen. Sie erwerben umsatzbasierte Lizenzgebühren, indem sie Entwicklern nahezu maßgeschneiderte Finanzierungslösungen anbieten. Das aktuelle Portfolio umfasst bereits über einhundert aktive Royalties in den Bereichen Solar, Wind, Wasserkraft, Batteriespeicher und Energieeffizienz.
Am 27. März 2026, also schon vor knapp 2 Monaten, gab das Unternehmen eine richtungsweisende Neuigkeit bekannt. Der Vorstand hat eine formelle strategische Überprüfung eingeleitet. Ziel des Prozesses ist es, Optionen zur Maximierung des Werts für Aktionäre zu identifizieren. Als Finanzberater wurde die renommierte Gesellschaft PricewaterhouseCoopers Corporate Finance Inc. engagiert. Die Bandbreite der geprüften Alternativen reicht von einem vollständigen Verkauf über strategische Partnerschaften bis hin zur Optimierung der Kapitalstruktur durch Eigen- oder Fremdkapitalfinanzierungen. Diese Überprüfung stellt eine logische Weiterentwicklung im elften Betriebsjahr dar. Das operative Geschäft läuft derweil auf Hochtouren weiter. Das Management betont die enorme Nachfrage im Sektor. Aktuell liegen unverbindliche Absichtserklärungen für kurzfristige Projektchancen im Wert von rund 20 Millionen CAD vor. Zudem befindet sich eine Pipeline mit potenziellen Investitionen von weiteren 200 Millionen CAD in der genauen Prüfung. CEO Bernard Tan verweist auf disziplinierte Investments, während COO Peter Leighton die wachstumsorientierte Anpassung der Kapitalstruktur betont.
Diese Meldung kommt ein wenig unspektakulär daher, könnte jedoch den Turbo zünden, denn im Grunde genommen heißt das: Prüft alle Optionen, die wir haben. Vielleicht interessiert sich jemand für eine Übernahme von uns oder eine andere Option, die für die Aktionäre vorteilhaft ist.
Ein Blick in die jüngste Präsentation unterstreicht das robuste Gerüst des Unternehmens. Bei einem aktuellen Aktienkurs von um die 0,39 CAD beläuft sich die Marktkapitalisierung auf 17 Millionen CAD. Der Umsatz für das Jahr 2025 erreichte bereits 6,2 Millionen CAD. Besonders positiv sticht die relativ hohe Insiderbeteiligung von 24 % aller ausstehenden Aktien hervor. Das zeigt eine starke Ausrichtung an den Interessen der Aktionäre. Auch die historische Erfolgsbilanz ist solide. Seit Gründung wurden über 83 Millionen CAD in 27 abgeschlossenen Transaktionen investiert, die mehr als 135 Einzelprojekte umfassen. Das Portfolio erzielt eine gewichtete interne Rendite von stolzen 19 % und einen Kapitalrücklauffaktor vom 1,50-fachen des investierten Kapitals. RE Royalties leiht sich Kapital zu Zinssätzen von 6 bis 9 % und legt es quasi zu einer durchschnittlichen Rendite von über 19 % an. Gleichzeitig entstehen langfristige Lizenzgebühren für 15 bis 20 Jahre. Damit wird eine Finanzierungslücke für mittelgroße Entwickler geschlossen, die von Banken oft vernachlässigt werden und nicht die Chance einer solchen Finanzierung hätten.
Charttechnik
Aus charttechnischer Sicht steht die Aktie an einer äußerst spannenden Chartmarke. Das Papier könnte die aktuelle leicht nach unten verlaufende Abwärtstrendlinie bei 0,42 / 0,43 CAD nach oben hin verlassen. Nach unten hin ist eine horizontale Unterstützung bei 0,35 CAD und zuvor bei 0,37 / 0,38 CAD vorzufinden. Dies stützt den Kurs nach unten hin ab. Die Aktie könnte jetzt wieder nach oben Fahrt aufnehmen, müsste dazu aber über 0,43 CAD steigen. Ein 1. Kursziel wäre dann die Region um 0,50 CAD laut der Charttechnik und dann darüber als 2. Kursziel bei 0,60 CAD. Die Zeichen für einen Anstieg stehen also gar nicht so schlecht.

Fazit
Am Ende zeigt sich, dass alle vorgestellten Werte auf unterschiedliche Weise aktuell von der globalen Dekarbonisierung profitieren. Nordex gewinnt nach harten Jahren endlich wieder an operativer Stärke und füllt die Auftragsbücher und verbessert die Margen. Ballard Power bleibt ein langfristiger technologischer Hoffnungsträger für den Schwerlastverkehr, ist allerdings auch schon „sportlich“ bewertet. RE Royalties präsentiert sich dagegen als eine substanzstarke, von der Marktkapitalisierung her kleinere Alternative für Anleger. Durch das bewährte Lizenzmodell und die laufende strategische Überprüfung bietet das Unternehmen ein interessantes Profilbild, das durch einen potenziellen charttechnischen Ausbruch über die Schlüsselmarken zusätzliche Dynamik entfalten könnte.
Interessenskonflikt
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