29.09.2026 | 05:00
Drohnenauftrag für Volatus, KI-Strom treibt Infineon und Beauty-Boom bei M1 Kliniken: Drei spannende Aktien im Check
Drohnen fürs kanadische Militär, Chips für den KI-Boom und Schönheitsbehandlungen mit satten Margen: Börsenfantasie hat viele Gesichter. Volatus Aerospace könnte mit einem kanadischen Militärauftrag vor einem Wachstumsschub stehen. Infineon profitiert vom Stromhunger der Rechenzentren, M1 Kliniken bringt sein Beauty-Geschäft auf Touren. Drei unterschiedliche Geschichten, die eines verbindet: Aus operativen Fortschritten könnten weitere Kursgewinne werden. Wir stellen die drei spannenden Titel im Aktien-Check näher vor.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , INFINEON TECH.AG NA O.N. | DE0006231004 , M1 KLINIKEN AG O.N. | DE000A0STSQ8
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Volatus Aerospace: Neuer Auftrag mit großer Perspektive
Das nordamerikanische Unternehmen Volatus Aerospace hat einen wichtigen Kunden gewonnen: die kanadischen Streitkräfte. Am 10. September vermeldete der Drohnenspezialist einen Vertrag über fünf Jahre zur Lieferung taktischer Aufklärungssysteme. Die erste Bestellung umfasst 100 Systeme; zusätzlich kann Kanada weitere 4.900 abrufen. Die Auslieferung der ersten Tranche soll im vierten Quartal 2026 beginnen. Damit hat Volatus seinen ersten Auftrag innerhalb der kanadischen Defence Drone Initiative gewonnen.
Der Beschaffungsrahmen sieht maximal 5.000 CAD je System und insgesamt bis zu 25 Mio. CAD vor. Die tatsächlichen Preise bleiben vertraulich. Die optionalen 4.900 Systeme zählen bislang weder zum festen Auftragsbestand noch zum Umsatz. Über ihren Abruf entscheidet Kanada allein. Bewährt sich Volatus bei den ersten Lieferungen, könnte daraus eine größere Geschäftsbeziehung entstehen. Zum Paket gehören auch Schulung, Ersatzteile und technische Betreuung.
Bereits am 8. September hatte sich Volatus für sämtliche fünf Bereiche des staatlichen Drohnenprogramms qualifiziert. Diese reichen von unbemannten Systemen über Kommunikation und Integration bis zu Tests und Ausbildung. Die Breite eröffnet weitere Ausschreibungschancen. Jeder zusätzliche Zuschlag muss allerdings separat gewonnen werden.
Auch technologisch geht es voran. Am 22. September meldete Volatus erfolgreiche erste Flugtests seines Controllers V-Cortex. Nach Unternehmensangaben gelang die Navigation ohne Satellitensignale und zusätzliche externe Sensorik, allein mit den üblichen Sensoren an Bord. Das ist für Einsätze relevant, bei denen GPS gestört wird oder ausfällt. Die modulare Steuerung soll in unterschiedliche Fluggeräte passen. Weitere Tests stehen an; bis zum breiten operativen Einsatz bleibt Entwicklungsarbeit.
Die Fortschritte passen zur Strategie von Vorstandschef Glen Lynch, mehr Wertschöpfung im eigenen Haus zu behalten. Heute verdient Volatus unter anderem mit Inspektionsflügen, Training und dem Vertrieb von Ausrüstung Geld. Künftig sollen eigene autonome Systeme und Software stärker beitragen. Die im Juni eröffnete Fertigungs- und Integrationsanlage in Mirabel bildet dafür die Basis. Mit SKYDRA kommt eine Plattform zur Planung und Simulation der Drohnenabwehr hinzu. Abonnements könnten wiederkehrende Erlöse bringen.
Partnerschaften erweitern das Einsatzspektrum. Mit Kraus Hamdani Aerospace arbeitet Volatus an dauerhaft verfügbarer luftgestützter Aufklärung. Die Kooperation mit Singular Aircraft richtet sich auf autonome Schwerlastflugzeuge zur Waldbrandbekämpfung. Hinzu kommen Anwendungen für Energieversorger und Infrastrukturbetreiber. Das erweitert die Umsatzchancen. Entscheidend ist, ob daraus größere Aufträge entstehen.
Die jüngsten Zahlen zeigen den Handlungsbedarf. Im zweiten Quartal erreichte der Umsatz 8,42 Mio. CAD und damit zwar 49,5 % mehr als im eher schwachen Auftaktquartal, aber rund 20 % weniger als ein Jahr zuvor. Laut Unternehmen verzögerte sich ein Verteidigungsauftrag über etwa 2,6 Mio. CAD wegen Lieferkettenproblemen. Die Auslieferung soll bis Ende 2026 nachgeholt werden. Beim bereinigten EBITDA blieb ein Verlust von 4,35 Mio. CAD; im ersten Halbjahr summierte sich der Nettoverlust auf 14,09 Mio. CAD. Personal, Entwicklung und Produktionsaufbau kosten vorerst mehr, als das Geschäft erwirtschaftet.
Immerhin verfügt Volatus über einen Puffer. Nach einer erfolgreich platzierten Kapitalerhöhung über 34,5 Mio. CAD lagen Ende Juni insgesamt 59,2 Mio. CAD in der Kasse. Das Geld verschafft Spielraum für den Ausbau.
Der kanadische Militärauftrag nimmt der Geschichte nun einen Teil ihres rein spekulativen Charakters. Er ist der erste handfeste Beleg dafür, dass Volatus vom steigenden Bedarf an souveräner Drohnentechnik profitieren kann. Noch ist das Anfangsvolumen überschaubar und der Weg in die Gewinnzone weit. Werden jedoch größere Teile der 4.900 Optionen gezogen und folgen weitere Aufträge aus der Defence Drone Initiative, könnte 2027 zum entscheidenden Wachstumsjahr werden.
An der Börse fand der Auftrag bereits Beachtung. Analysten sehen in dem Auftrag sogar einen möglichen Wendepunkt. Stifel-Analyst Greg MacDonald bestätigte seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 1,00 CAD, was aktuell einem Kurspotenzial von knapp 60 % entspricht. Der Experte erwartet, dass Volatus die anfänglichen 100 Systeme im laufenden Jahr ausliefert und mögliche größere Abrufe ab 2027 folgen könnten. Noch wichtiger als das unmittelbare Auftragsvolumen sei der Nachweis, dass Volatus in der Lage ist, staatliche Verteidigungsaufträge tatsächlich zu gewinnen.
Für risikobereite Anleger bleibt Volatus eine interessante Wette auf Kanadas Drohnenbeschaffung. Gelingt es dem Unternehmen, Folgeaufträge zu generieren und die Ertragslage weiter zu verbessern, besitzt die Aktie noch erhebliches Kurspotenzial.
Infineon: Der KI-Boom braucht Leistungshalbleiter
Infineon profitiert vom steigenden Strombedarf der Rechenzentren. Seine Leistungshalbleiter helfen, Energie effizient umzuwandeln und zu verteilen. Neue Unternehmensmeldungen untermauern die Geschichte. Am 9. September erweiterten Infineon und SolarEdge ihre Zusammenarbeit für KI-Rechenzentren mit 800-Volt-Gleichstromversorgung. Elektronische Schutzschalter sollen Fehlerströme besonders schnell unterbrechen.
Der DAX-Konzern liefert dafür Siliziumkarbid-Technologie. Am 16. September folgte ein Portfolioschritt: Das Geschäft mit NOR-Flash- und F-RAM-Speichern soll für 1,12 Mrd. USD an Winbond gehen. Der Abschluss ist vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Das schärft den Fokus auf die zentralen Wachstumsfelder.
Die Nachfrage ist bereits sichtbar. Im dritten Geschäftsquartal erreichte der Umsatz den Rekordwert von rund 4,2 Mrd. EUR. Das Segmentergebnis lag bei 797 Mio. EUR, die entsprechende Marge bei 19,1 %. Für das Schlussquartal erwartet der Vorstand rund 4,7 Mrd. EUR Umsatz und eine Marge von etwa 23 %. Zugleich ziehen laut Management die Bestellungen aus der Autoindustrie an. Das könnte dem KI-Wachstum einen zweiten Treiber zur Seite stellen. Die Aktie bleibt aber von Investitionszyklen und der Umsetzung des hohen Ausblicks abhängig.
25 Banken und Researchhäuser empfehlen die Aktie zum Kauf, nur drei vergeben ein Halte-Votum. Zum Verkauf rät derzeit kein Analyst. Das durchschnittliche Kursziel von 87 EUR lässt über 50 % Luft nach oben. Mit geschätzten KGVs von 20 für 2027 und 15 für 2028 erscheint die Bewertung angesichts des erwarteten operativen Gewinnwachstums in den kommenden Jahren vertretbar. Für spekulative Anleger mit langem Atem bleibt die Infineon-Aktie eine interessante Depotbeimischung und bietet eine etablierte, bereits profitable Möglichkeit, am Ausbau der KI-Infrastruktur teilzuhaben.
M1 Kliniken: Weniger Konzernumsatz, stärkeres Kerngeschäft
Bei M1 Kliniken lohnt sich ein genauer Blick auf die Halbjahreszahlen vom 9. September. Der Konzernumsatz fiel von 183,5 auf 76,6 Mio. EUR. Ursache war vor allem der Verkauf von Haemato Pharm und der damit abgeschlossene Rückzug aus dem Pharmahandel. Im nun entscheidenden Beauty-Geschäft läuft es deutlich besser: Der Umsatz wuchs um 11,0 % auf 56,9 Mio. EUR, das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sogar um 23,8 % auf 18,6 Mio. EUR. Die EBIT-Marge stieg von 29,4 auf 32,7 %.
Effizientere Abläufe und der Ausbau ärztlicher Kapazitäten zahlen sich aus. Nach 5,7 % Wachstum im ersten Quartal legte das Beauty-Geschäft im zweiten Quartal um 16,4 % zu. Im Konzern belastete ein einmaliger, nicht zahlungswirksamer Entkonsolidierungseffekt von 4,1 Mio. EUR das Ergebnis. Bereinigt darum stieg das EBIT um 9,5 % auf 19,7 Mio. EUR. Hinter dem Umsatzrückgang steckt also ein attraktiveres operatives Bild.
Bis 2029 strebt M1 im Beauty-Segment 200 bis 300 Mio. EUR Umsatz bei einer nachhaltigen EBIT-Marge von mindestens 20 % an. Neue Fachzentren im In- und Ausland sollen das Wachstum tragen. Auch die Bewertung lohnt einen Blick. Der Analystenkonsens schätzt den Gewinn 2027 auf 1,27 EUR je Aktie, woraus sich aktuell ein KGV von knapp 16 errechnet. Das ist aktuell höher als der Durchschnitt der Peer-Group. Doch geht die Expansion bei M1 Kliniken auf, erscheint der Bewertungsaufschlag gerechtfertigt und sogar noch moderat. Neue Standorte müssen jedoch ausgelastet und qualifizierte Ärzte gewonnen werden. Auch die Konsumlaune beeinflusst die Nachfrage nach Schönheitsbehandlungen. Analysten sind dennoch sehr zuversichtlich gestimmt. Das durchschnittliche Kursziel von 29 EUR bietet fast 50 % Aufwärtspotenzial. Für ein spekulativ ausgerichtetes Depot bleibt die M1-Aktie daher eine attraktive Option.
Fazit:
Volatus bietet die größte operative Fantasie und die höchsten Kurschancen des Trios. Der kanadische Hotstock bleibt aber auch der spekulativste Titel. Infineon verbindet den KI-Ausbau mit einem etablierten Industriegeschäft. Die DAX-Aktie ist eine interessante Depotbeimischung und bietet Anlegern mit längerem Atem eine gute Möglichkeit, am Ausbau der KI-Infrastruktur teilzuhaben. M1 Kliniken liefert bereits hohe Margen, muss aber noch zeigen, dass sich das Modell international ausrollen lässt. Für spekulative Anleger bleibt das M1-Papier aber eine attraktive Option.
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