28.10.2026 | 05:40
Die Kunst der Kehrtwende: Microsoft, Power Metallic Mines, innoscripta und CTS Eventim nehmen Anlauf
Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von Power Metallic Mines
Wie eine Trendwende aussieht, hat Microsoft im Sommer gezeigt. Nach einem schwachen Halbjahr schoben starke Jahreszahlen die Aktie kräftig an. Heute Abend muss der Softwarekonzern beweisen, dass der Aufschwung trägt. Zwei weitere Werte könnten nun vor einem ähnlichen Umschwung stehen. Bei Power Metallic Mines treffen ein Kupferpreis auf Rekordniveau und eine hochgradige Lagerstätte auf einen Aktienkurs, den Analysten für deutlich zu niedrig halten. Ihre Kursziele liegen rund dreimal so hoch. Das deutsche Wachstumsunternehmen innoscripta stürzte nach einer Razzia um mehr als die Hälfte ab, berappelt sich aber bereits. Auch der im MDAX notierte Ticketvermarkter CTS Eventim hat die kürzlich erreichten Tiefststände hinter sich gelassen. Sowohl der Chef als auch ein aktivistischer Investor sehen die Aktie als krass unterbewertet an.
Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: Power Metallic Mines Inc | CA73929R1055 , MICROSOFT | US5949181045 , INNOSCRIPTA SE | DE000A40QVM8 , CTS EVENTIM KGAA | DE0005470306
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Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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Microsoft: Die Stunde der Wahrheit
Die erste Jahreshälfte 2026 war ein Trauerspiel für Microsoft-Aktionäre. Bis Ende Juni verlor die Aktie des US-amerikanischen Software-Giganten knapp 23 %. Die Sorge: Die Megainvestitionen für Rechenzentren und künstliche Intelligenz (KI) könnten sich nicht auszahlen. Mit dem Bericht zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 war der Abwärtstrend jedoch Geschichte. Der Umsatz des Gesamtkonzerns stieg zwischen Anfang April und Ende Juni um 18 % auf 90,0 Mrd. USD, die Cloud-Plattform Azure wuchs um 43 %. „In diesem Geschäftsjahr hat der Azure-Umsatz erstmals die Marke von 100 Mrd. USD überschritten“, freute sich Vorstandschef Satya Nadella. Die Aktie sprang an einem Tag um mehr als 15 % nach oben, seit Ende Juni summiert sich das Plus auf gut 40 %.
Heute nach US-Börsenschluss steht die nächste Prüfung an. Für das erste Quartal 2026/27 erwarten Analysten im Schnitt einen Umsatz von rund 90,6 Mrd. USD. Das wären knapp 17 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie soll von 4,13 auf rund 4,72 USD klettern. Unter Händlern kursiert sogar eine inoffizielle „Flüsterschätzung“ von 4,93 USD. Die eigentliche Messlatte ist aber Azure. Der Konzern selbst hat rund 45 % Wachstum in Aussicht gestellt. Rückenwind liefern die seit dem 1. Oktober um 6 bis 7 % angehobenen Preise für Cloud-Dienste im Geschäftskundensegment. Zudem hat Volkswagen Lizenzen des KI-Assistenten Copilot für 330.000 Beschäftigte bestellt.
Penibel werden die Börsianer auch auf die Investitionen achten. Allein von Juli bis September dürften mehr als 50 Mrd. USD in Rechenzentren und KI-Infrastruktur geflossen sein. Ob das immer den erhofften Ertrag bringt, bezweifeln Skeptiker. Aus einem großen Rechenzentrumsprojekt in Großbritannien etwa stieg Microsoft überraschend aus, auch wegen knapper Stromkapazitäten. Die optimistischen Stimmen überwiegen jedoch. Die Analysten von Jefferies, RBC und JPMorgan sehen mit Kurszielen zwischen 625 und 650 USD deutliches Aufwärtspotenzial. Nach einem freundlichen Wochenstart notiert die Aktie bei 527,90 USD (in Deutschland aktuell 474,10 EUR). Auf Sicht von zwölf Monaten sind damit weitere Kursgewinne um die 20 % möglich, sofern die Zahlen heute Abend nicht enttäuschen.
Power Metallic Mines: Kupfer aus der Tiefe
Der KI-Boom, von dem Microsoft profitiert, wäre ohne Kupfer undenkbar. Rechenzentren, Stromleitungen und Transformatoren verschlingen gewaltige Mengen des roten Metalls. Entsprechend teuer ist es: An der Londoner Metallbörse LME kostet die Tonne knapp 14.500 USD, nur einen Hauch vom Rekordhoch bei gut 14.600 USD entfernt. Davon könnte ein kanadisches Unternehmen profitieren, das erst wenige Börsianer auf dem Zettel haben. Power Metallic Mines erkundet im Norden der Provinz Québec das Nisk-Projekt. Dort stießen die Geologen auf die Lion-Zone, eine Lagerstätte mit Kupfer, Palladium, Platin, Gold, Silber und Nickel.
Im September legte das Unternehmen die erste Ressourcenschätzung für das Lion-Projekt vor. Sie umfasst 4,75 Mio. t Gestein mit durchschnittlich 3,9 % Kupferäquivalent. In dieser Kennzahl werden alle enthaltenen Metalle quasi in Kupfer umgerechnet. Rund 87 % der Ressource gelten bereits als „angezeigt“, sind also durch Bohrungen gut belegt. Etwa 60 % liegen so nah an der Oberfläche, dass ein Tagebau möglich wäre. Labortests des Prüfinstituts SGS ergaben Kupferausbeuten von mehr als 98 %. Und die Lagerstätte ist nach mehreren Richtungen offen. Am 22. September meldete Power Metallic zudem in rund 800 m Tiefe einen Abschnitt von 5,70 m mit 14,00 % Kupferäquivalent, darin 2,15 m mit 24,62 %. Die Bohrung liegt rund 25 % tiefer und ist in der Ressourcenschätzung noch nicht enthalten.
Als nächster Schritt folgt eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsstudie, im Fachjargon Preliminary Economic Assessment (PEA). Anfang Oktober beauftragte Power Metallic damit das Ingenieurbüro BBA. Die Ergebnisse sollen im ersten Halbjahr 2027 vorliegen. „Mit der Beauftragung von BBA steht eine starke Ingenieurskompetenz hinter unserem nächsten großen Meilenstein“, sagt Vorstandschef Terry Lynch. Bezahlt wird die Studie aus vorhandenen Mitteln. Genaueres erklärt CEO Lynch im Interview mit IIF-Moderatorin Lyndsay Malchuk:
Im Juni hatte das Unternehmen bei einer Kapitalerhöhung 28,2 Mio. CAD eingesammelt, auch der legendäre Rohstoffinvestor Eric Sprott griff zu. An der Börse hingegen spiegelt sich das Potenzial des Polymetallvorkommens in Québec kaum wider. Anfang September kostete die Aktie noch gut 1,50 CAD. Trotz der Rekordpreise für Kupfer und der starken Bohrergebnisse ist der Kurs seitdem auf unter 1,00 CAD zurückgefallen – trotz positiver Analystenkommentare. Hannam & Partners aus London hat das Ziel nach der Ressourcenschätzung um 13 % auf 2,70 CAD angehoben. Bemerkenswert: Im Basisszenario rechnen die Briten mit einem Kupferpreis von nur 8.500 USD je Tonne. Auch das Augsburger Analystenhaus GBC Research rät zum Kauf und nennt ein Kursziel von 3,00 CAD. Beide Ziele liegen damit etwa dreimal so hoch wie der aktuelle Kurs. Ob das für eine Trendwende à la Microsoft reicht? Geschäftszahlen dürften den Kurs bei einem Unternehmen, das sich noch auf Entdeckungstour befindet und noch nichts fördert, kaum beeinflussen. Weitere Meldungen über neue Bohrerfolge und operative Fortschritte hingegen schon. Der Anfang in Richtung Neubewertung ist gemacht, zum Wochenstart legte die Aktie zeitweise um 5 % zu. Aktuell notiert sie bei 0,89 CAD (0,57 EUR).
innoscripta: Der Absturz und die Frage der Verantwortung
Ohne Forschung kein Fortschritt, weder im Bergbau noch in anderen Branchen. Der deutsche Staat fördert Forschung und Entwicklung. Davon lebt das oberbayerische Unternehmen innoscripta, dessen Software Clusterix die Beantragung von steuerlichen Forschungszulagen erleichtert. Der Antrag läuft in zwei Schritten: Zunächst prüft die Bescheinigungsstelle Forschungszulage, ob ein Vorhaben förderfähig ist. Mit dieser Bescheinigung entsteht in aller Regel das Honorar für innoscripta. Die Zulage selbst beantragt danach der Kunde (oder dessen Steuerberater) beim Finanzamt. Operativ läuft es glänzend. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 43 % auf 63,1 Mio. EUR, das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) um 49 % auf 36,4 Mio. EUR. Inzwischen betreut innoscripta Kunden in 14 Ländern.
Am 1. Oktober aber kam der Schock. Ermittler durchsuchten die Standorte in Tutzing und München. Der Verdacht: Beihilfe zur Erlangung nicht gerechtfertigter Steuervorteile bei Forschungszulagen einzelner Kunden. Die Aktie brach an einem Tag um mehr als 50 % ein und fiel von knapp 90 unter 40 EUR. „Die Durchsuchung hat uns völlig überrascht“, sagte Vorstandschef Michael Hohenester. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien keine Vorgänge aus dem aktuellen Geschäftsjahr betroffen. Ein ehemals zuständiger Mitarbeiter ist seit Jahren nicht mehr im Unternehmen. Inzwischen haben zwei externe Kanzleien den Auftrag, die Vorwürfe und die internen Kontrollprozesse zu prüfen.
Für die Richtigkeit der Angaben gegenüber dem Finanzamt sind die Kunden verantwortlich. Ein Softwareanbieter kann kaum für das Verhalten seiner Nutzer haftbar gemacht werden. Mehrere Tausend Zulagen für innoscripta-Kunden haben die Finanzämter bereits festgesetzt und in Betriebsprüfungen bestätigt. Ob einzelne Mitarbeiter darüber hinaus Grenzen überschritten haben, müssen die Ermittlungen klären. Kommt die Staatsanwaltschaft zum selben Schluss wie das Unternehmen, dürfte auch hier eine Neubewertung einsetzen. Die Aktie hat sich bereits auf 51,30 EUR erholt, zu Wochenbeginn ging es um rund 5 % nach oben – wohl auch Folge einer Analystenveranstaltung am Montag. Für das laufende Jahr stellt das Management weiterhin mindestens 140 Mio. EUR Umsatz und 80 Mio. EUR Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Aussicht. Warburg-Analyst Yannick Siering sah den fairen Wert Ende August noch bei 225 EUR. Nach der Razzia hat Warburg Einstufung und Kursziel allerdings ausgesetzt. Impulse für eine Trendwende zum Positiven könnte die Vorlage der nächsten Zahlen in der zweiten Novemberhälfte bringen. Mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) fürs laufende Jahr und einer erwarteten Dividendenrendite von 5,6 % wäre die Aktie ein klassisches Schnäppchen im Software-Sektor – solange keine weiteren Hiobsbotschaften folgen.
CTS Eventim: Der Weckruf des Aktivisten
Mehr als die Hälfte an Wert verloren hatte zwischenzeitlich auch ein anderes deutsches Unternehmen, das jeder Konzertbesucher kennt. Wer in Europa Karten für Rock-, Pop- und Klassik-Events oder auch Fußballspiele kauft, landet häufig bei CTS Eventim. Vom Rekordhoch bei 108 EUR im Mai 2025 fiel die Aktie bis auf rund 50 EUR. Schwache Jahreszahlen und ein enttäuschender Ausblick im März, aber auch der überraschende Abgang von Finanzvorstand William Willms Ende September verunsicherten Anleger. Dabei wächst das Geschäft weiter: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 13 % auf 899,3 Mio. EUR, das bereinigte EBITDA um 6,2 % auf 106,4 Mio. EUR.
Insider nutzten den Ausverkauf. Die KPS Stiftung, die Vorstandschef und Großaktionär Klaus-Peter Schulenberg nahesteht, kaufte am 30. September für insgesamt rund 10 Mio. EUR 193.000 Aktien zu je 51,93 EUR. Mit einem KGV unter 20 war die Aktie gemessen an ihrer eigenen Geschichte günstig – und sie ist es noch immer. Den Umschwung brachte schließlich der Einstieg des aktivistischen US-Investors Ananym Capital. Mitgründer Charlie Penner sieht 50 bis 100 % Kurspotenzial. Er verweist auf den Bewertungsabschlag von rund 44 % zum US-Konkurrenten Live Nation und fordert mehr Aktienrückkäufe, mehr Transparenz und eine stabilere Führung. Sein Engagement sei „freundschaftlich“, betont Penner.
Die Analysten sind überwiegend optimistisch. Deutsche Bank, Jefferies und UBS sehen den fairen Wert bei 100 EUR, JPMorgan bei 95 EUR. JPMorgan-Analystin Lara Simpson nennt den Einstieg von Ananym einen „willkommenen Kurstreiber“. Zurückhaltender ist Goldman Sachs mit der Einstufung „Neutral“ und einem Ziel von 68 EUR. Ausgehend vom aktuellen Kurs von 62,40 EUR liegt das Potenzial demnach zwischen 9 und 60 %. Am 12. November folgen die Zahlen zum dritten Quartal, am 20. November der erste Kapitalmarkttag.
Fazit: Einer hat es geschafft, drei haben das Zeug dazu
Microsoft hat den Sprung aus dem Abwärtstrend bereits geschafft. Heute Abend muss der Softwarekonzern zeigen, dass die astronomischen Summen für KI-Rechenzentren gut angelegt sind. Ein solcher Sprung könnte Power Metallic Mines noch bevorstehen. Der hohe Kupferpreis, ein hochgradiges Polymetallvorkommen und Kursziele beim Dreifachen der aktuellen Notiz sprechen dafür. Komplett abgestürzt sind innoscripta und CTS Eventim, berappeln sich aber bereits. Das Geschäft läuft weiter, die Aktien notieren noch deutlich unter ihrem früheren Niveau. Die Bewertungen sind – vor allem gemessen an der eigenen Historie – im Keller, die Trendwende sollte also auch hier nur eine Frage der Zeit sein.
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