24.10.2026 | 05:29
Neue Aufträge, neuer Aktionär, neues Gebot: Frische Fantasie bei HPQ Silicon, CTS Eventim und Qiagen
Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von HPQ Silicon
Manchmal genügt eine einzige Nachricht, um die Geschichte hinter einer Aktie neu zu schreiben. Bei HPQ Silicon sollen zertifizierte Hochleistungszellen und erste Bestellungen den Übergang vom Entwicklungsprojekt zum kommerziellen Anbieter einleiten. Bei CTS Eventim sorgt der Einstieg eines aktivistischen Investors für Fantasie. Bei Qiagen wiederum könnte es nach einem Übernahmeangebot zu einem Bietergefecht zwischen zwei Finanzinvestoren kommen. Drei Aktien, drei mögliche Kurstreiber – aber auch drei sehr unterschiedliche Chance- und Risikoprofile. Wir stellen das Trio im Aktiencheck näher vor.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: HPQ Silicon Inc | CA40444L1031 , CTS EVENTIM KGAA | DE0005470306 , QIAGEN NV EO -_01 | NL0012169213
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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HPQ Silicon: Jetzt zählt der Markteintritt
Bei HPQ Silicon verschiebt sich der operative Schwerpunkt klar in Richtung Silizium-Anodenmaterialien für Batterien. Im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie stehen Anwendungen für Drohnen, Verteidigung und Luftfahrt. Dahinter folgen die Geschäftsfelder Wasserstoff und pyrogene Kieselsäure. Die strategische Neuausrichtung macht das Unternehmen fokussierter und die Investmentstory greifbarer. Für Anleger ist sie aber nach wie vor nicht ohne Risiko, denn HPQ muss nun zeigen, dass aus technischen Erfolgen auch ein belastbares Geschäft entstehen kann.
Der wichtigste Vermögenswert ist die Beteiligung an der französischen Novacium SAS. HPQ hält laut Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2026 derzeit 36,8 % und besitzt Optionen für eine mögliche Aufstockung. Zudem verfügt HPQ über die entsprechenden nordamerikanischen Vermarktungsrechte für die Batterie- und Wasserstofftechnologien von Novacium.
Ein entscheidender Fortschritt gelang mit der ENDURA+ GEN4-Zelle. Die zertifizierte Konfiguration besitzt eine Nennkapazität von 6.500 Milliamperestunden beziehungsweise 23,4 Wattstunden. Im Juli erhielt die Zelle die Sicherheitszertifizierung UL 1642. Im August folgte die Transportzertifizierung UN 38.3. Damit können die Zellen weltweit zu Kunden verschickt und in Qualifizierungsprogrammen getestet werden. Für die Kommerzialisierung ist das wichtiger als ein weiterer Laborrekord: Interessenten können die Technologie nun unter realen Einsatzbedingungen prüfen.
Erste Anwendungen gibt es bereits. Für FPV-Drohnen der französischen Armee wurden Batteriepakete mit GEN3-Zellen bestellt. Im September folgte ein Erstauftrag des Drohnenherstellers Alta Ares über mehr als 100 Batteriepakete. Die Auslieferung war bis Ende September vorgesehen, wurde bislang allerdings nicht als abgeschlossen bestätigt. Ob daraus regelmäßig wiederkehrende Bestellungen entstehen, hängt von den Einsatz- und Qualifizierungsergebnissen ab.
Auch die Vereinbarung mit Aptera Motors sorgt für Aufmerksamkeit. Der Hersteller solarbetriebener Elektrofahrzeuge will die GEN4-Zellen im Labor untersuchen und unter anderem Energiedichte, Ladeverhalten, Lebensdauer und Sicherheit bewerten. Dabei handelt es sich ausdrücklich nur um eine Evaluierungsvereinbarung und nicht um eine Lieferzusage. Dennoch öffnet sich für HPQ neben Drohnen und Verteidigung ein weiteres potenziell attraktives Einsatzgebiet: die Elektromobilität.
Apteras Fahrzeugkonzept setzt auf niedrigen Energieverbrauch, ausgefeilte Aerodynamik und integrierte Solarzellen. Batterien mit hoher Energiedichte passen dazu: Sie können mehr Energie auf engem Raum speichern und damit Reichweite und Fahrzeugeffizienz verbessern. Für HPQ bietet sich damit die Chance, die Technologie unter automobilen Anforderungen auf den Prüfstand zu stellen.
Rückenwind kommt vom kanadischen Staat. Für die Entwicklung einer heimischen Produktionsplattform wurden Fördermittel von bis zu 3 Mio. CAD zugesagt. Die angestrebten 50 Tonnen Anodenmaterial pro Jahr sind allerdings ein Entwicklungsziel und keine bereits installierte Kapazität. Bis zum Aufbau einer stabilen Serienproduktion bleibt daher noch einiges zu beweisen.
Das zweite Standbein bildet Wasserstoff. Das Vorhaben befindet sich noch in der Entwicklungsphase und sollte deshalb vorerst als zusätzliche Option und nicht als tragender Werttreiber betrachtet werden. An dritter Stelle steht Fumed Silica. Das Gemeinschaftsunternehmen HPQ Silica Polvere, an dem HPQ und PyroGenesis jeweils 50 % halten, arbeitet an der Kommerzialisierung. Dieser Prozess verläuft jedoch langsamer als ursprünglich erhofft.
Damit bleibt die Börsenstory spekulativ, ist inzwischen aber greifbarer. Zertifizierungen, erste Aufträge und laufende Kundentests liefern Anhaltspunkte für eine kommerzielle Nachfrage. Entscheidend sind nun bestätigte Lieferungen, Folgeaufträge und der Aufbau einer reproduzierbaren Fertigung. Gelingt dieser Schritt, besitzt HPQ aufgrund seiner noch niedrigen Bewertung erheblichen Hebel. Die Aktie dürfte im Erfolgsfall noch deutlich höhere Kurse sehen. Positiv sind die zertifizierte GEN4-Zelle, die ersten Batterieaufträge und der externe Aptera-Test. Für risikobereite Anleger ist HPQ Silicon eine spekulative und aussichtsreiche Beimischung.
CTS Eventim: Aktivist bringt neue Fantasie
Bei CTS Eventim sorgt nicht das operative Geschäft, sondern ein neuer Großaktionär für Fantasie. Der aktivistische US-Investor Ananym Capital ist bei Europas größtem Ticketvermarkter eingestiegen und sieht nach eigenen Angaben ein Kurspotenzial von 50 % bis 100 %. Gefordert werden unter anderem ein umfangreicherer Aktienrückkauf, mehr Transparenz und eine stabilere Führungsstruktur.
Der Vorstoß kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Ende September verließ der bisherige Finanzvorstand William Willms überraschend und mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Die Aktie geriet daraufhin kräftig unter Druck. Vorstandschef und Großaktionär Klaus-Peter Schulenberg setzte anschließend ein deutliches Signal und kaufte über seine Beteiligungsgesellschaft Aktien für rund 10 Mio. EUR zu 51,93 EUR je Stück. Aktuell steht die Aktie wieder deutlich höher.
Operativ wächst der Konzern weiter. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 13 % auf 899,3 Mio. EUR, das bereinigte EBITDA legte um 6,2 % auf 106,4 Mio. EUR zu. Dass der Gewinn langsamer wächst als der Umsatz, zeigt jedoch, wo die Baustelle liegt: CTS Eventim muss einen größeren Teil des starken Geschäftsvolumens in höhere Margen und freien Cashflow übersetzen.
Ananym verweist zudem auf den deutlichen Bewertungsabschlag zum US-Konkurrenten Live Nation. Selbst wenn sich diese Lücke nicht vollständig schließt, könnten eine bessere Kommunikation, höhere Kapitalrückflüsse und sichtbare Effizienzfortschritte den Kurs stützen. Neue Impulse verspricht der Kapitalmarkttag am 20. November.
Die starke Marktstellung im Ticketing, das robuste Live-Entertainment-Geschäft und die solide Bilanz sprechen für CTS Eventim. Risiken bleiben die Unruhe im Vorstand und die Frage, wie schnell sich das Wachstum in höhere Margen übersetzen lässt. Für langfristig orientierte Anleger ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau interessant. Rücksetzer können zum gestaffelten Einstieg genutzt werden.
Qiagen: Kommt jetzt das Bieterduell?
Bei Qiagen kehrt die Übernahmefantasie zurück. Der schwedische Finanzinvestor EQT hat am Donnerstag ein verbindliches Angebot von 46,50 EUR je Aktie veröffentlicht. EQT lanciert die Offerte gemeinsam mit dem Staatsfonds von Abu Dhabi und dem kanadischen Pensionsfonds CPP Investment Board. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 % des Kapitals plus einer Aktie. Dem Vernehmen nach sollen sich die Qiagen-Gremien bereits dazu verpflichtet haben, das Angebot zu unterstützen. Allerdings soll dem Unternehmen auch noch eine Offerte von KKR vorliegen. Ein offizielles Gebot der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft liegt bislang aber noch nicht vor.
Übernahmespekulationen begleiten den Diagnostikkonzern schon länger. Im Jahr 2020 scheiterte ein Angebot von Thermo Fisher Scientific über 43 EUR je Aktie am Widerstand der Aktionäre. Dieses Mal könnte die Ausgangslage günstiger sein: Qiagen verfügt über attraktive Diagnostikplattformen, wiederkehrende Erlöse mit Verbrauchsmaterialien und eine starke Position bei molekularen Tests.
Ein Konkurrenzkampf zwischen EQT und KKR könnte den Preis weiter nach oben treiben. In einem solchen Szenario wären 55 USD bis 58 USD je Aktie oder umgerechnet Preise von über 50 EUR je Aktie vorstellbar. Wer auf ein mögliches Bieterduell oder auf einen Preisnachschlag setzen will, braucht allerdings Ausdauer. Bis eine Übernahme final abgeschlossen ist, dürften noch einige Monate vergehen.
Fazit
HPQ Silicon bietet den größten spekulativen Hebel. Die Technologie ist zertifiziert, erste Bestellungen liegen vor und mehrere Anwendungen werden erprobt. Der entscheidende Nachweis einer verlässlichen Serienfertigung und wiederkehrender Umsätze steht aber noch aus. CTS Eventim besitzt das ausgewogenste Chance-Risiko-Verhältnis. Das Kerngeschäft wächst, die Marktposition ist stark und der aktivistische Investor könnte zusätzliche Maßnahmen zur Wertsteigerung anstoßen. Die Aktie ist deshalb der solideste Titel des Trios. Qiagen bleibt eine ereignisgetriebene Übernahmespekulation. Ein mögliches Bieterduell verspricht zusätzliches Potenzial, doch nach dem Kursanstieg ist ein Teil davon bereits eingepreist. Zieht sich KKR aus dem Bieterrennen zurück und ist der Finanzinvestor EQT mit seinem Gebot erfolgreich, hat die Aktie vorerst kaum noch Potenzial. Unterm Strich eignet sich HPQ für risikobereite Anleger, CTS Eventim für langfristige Investoren und Qiagen vor allem für Aktionäre, die bewusst auf ein Bieterrennen rund um die laufenden Übernahmespekulationen setzen wollen.
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