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21.08.2026 | 04:20

Der KI-Agenten-Thriller: SAP liefert, C3.ai strauchelt – und Miivo AI hat Ambitionen auf die Hauptrolle

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Bildquelle: Pixabay

Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von Miivo AI.

Monatelang galt der größte deutsche Softwarekonzern SAP als Hauptverdächtiger in einer Branche, der KI-Agenten das Geschäftsmodell zerstören sollten – bis die Quartalszahlen dem Fall eine überraschende Wendung gaben. C3.ai zeigt derweil, wie schnell der Jäger zum Gejagten wird, wenn die Agenten-Story nicht in Umsätze mündet. Dazwischen positioniert sich mit Miivo AI ein kanadischer Newcomer, der bisher weitgehend im Verborgenen agiert und genau dort ansetzt, wo SAP vor mehr als zwei Jahrzehnten eine neue Spur legte: beim Mittelstand. Wer in diesem Börsenkrimi die besten Chancen auf ein Happy End hat.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: SAP SE O.N. | DE0007164600 , C3.AI INC | US12468P1049 | NYSE: AI , MIIVO AI INC | CA59863J1003 | TSXV: MIVO

Inhaltsverzeichnis:


    Der Verdacht: Machen Agenten die Software überflüssig?

    „Und das kann man jetzt einfach so kaufen“ – mit diesem Slogan bewarb SAP kurz nach der Jahrtausendwende die Einführung von Business One. Der Satz traf einen Nerv: Business One öffnete die Produktwelt des Konzerns aus Walldorf erstmals systematisch für kleine und mittelständische Unternehmen und wurde, gemessen an der reinen Kundenzahl, zum meistverkauften ERP-Produkt der Firmengeschichte. Über 83.000 Unternehmenskunden und mehr als 1,2 Mio. tägliche Nutzer in über 170 Ländern sprechen für sich. Der Erfolg beruhte auf einem Modell mit rund 850 Vertriebspartnern, über 500 Branchenanpassungen und einem kostengünstigen Einstieg, der bereits mit einer einzigen Nutzerlizenz möglich war.

    Heute liegt der Schwerpunkt des DAX-Konzerns auf dem Cloud-Geschäft, das deutlich schneller wächst als der Verkauf von Software-Lizenzen. Der Auftragsbestand im Cloud-Segment legte im zweiten Quartal um 27 % auf 22,9 Mrd. EUR zu. Dass Deutschlands größter Software-Hersteller solche Zahlen abliefern würde, war noch im Frühjahr bezweifelt worden. Ausgelöst unter anderem durch das Erscheinen neuer KI-Werkzeuge wie Anthropics Claude Cowork machte an den Börsen die These die Runde, KI-Agenten könnten klassische Unternehmenssoftware bald überflüssig machen oder gleich selbst programmieren. Das Modell „Software as a Service“ (SaaS) stehe auf der Kippe, hieß es. Szenarien einer „SaaS-Apokalypse“ machten die Runde. Die SAP-Aktie verlor im ersten Quartal rund 28 % an Wert.

    Der Verdacht hielt einer näheren Prüfung allerdings nicht stand. Die These übersieht, wie tief SAP in den Kernprozessen der Kunden verankert ist: Migrationen weg von jahrzehntealten Strukturen der betrieblichen Standardsoftware (ERP) sind kein Wochenendprojekt für einen KI-Agenten – also für ein Werkzeug, das nicht nur dazulernt, sondern sich auch selbstständig Ziele setzt und verbissen daran arbeitet, diese zu erreichen, notfalls mit dem Schreiben eigener Programme. Zudem ist SAP mit seiner Business-AI-Plattform selbst als Nutznießer des Trends positioniert, statt nur dessen Zielscheibe zu sein. Die jüngsten Geschäftsergebnisse entlasten den Hauptverdächtigen zusätzlich: Der Umsatz stieg zwischen Anfang April und Ende Juni um 9 % auf 9,88 Mrd. EUR, der Gewinn je Aktie um rund 30 % auf 1,89 EUR. Vorstandschef Christian Klein, der den Markt zunächst noch mit eigenen KI-Aussagen verunsichert hatte, kaufte am Tag der Quartalszahlen 2.435 Aktien zu je 133,56 EUR. Seither hat sich der Kurs von rund 140 auf 183 EUR erholt – ein Lauf, der die Luft nach oben spürbar verringert hat, denn zum durchschnittlichen Kursziel der Analysten von 198 EUR ist nicht mehr viel Platz.

    Der Unbekannte: KI im Maschinenraum des Mittelstands

    Genau dort, wo SAP mit Business One vor mehr als zwei Jahrzehnten ansetzte, positioniert sich heute Miivo AI aus Vancouver. Auch hier stehen kleine und mittelständische Unternehmen im Fokus – nur bekommen sie diesmal nicht in erster Linie Software, sondern künstliche Intelligenz, die Finanz- und Betriebsdaten in Echtzeit auswertet, Geschäftschancen identifiziert und Akquisitionskosten, Vertriebserfolge, die Zuverlässigkeit von Maschinen, Abwanderungsquoten von Kunden oder Mitarbeitern sowie Bewertungen auf Google, Instagram und Reddit überwacht. CEO Alexander Damouni beschreibt das mit den Worten „full visibility of what's going on“ – vollständige Transparenz darüber, was gerade passiert. Die Tools seien „für jede Art von Business“ geeignet: Ein Betreiber von Smoothie-Bars etwa könne in Echtzeit gewarnt werden, wenn die Obstpreise steigen, und sofort reagieren.

    Im ersten Halbjahr kamen drei Produkte auf den Markt, die bereits über 3.000 Nutzer gewonnen haben. Zielgruppe sind vor allem Unternehmen mit 5 bis 10 Mio. USD Umsatz, wobei laut Damouni selbstverständlich auch deutlich größere Kunden willkommen sind. Das Preismodell reicht – je nach Umfang und Kundenbedürfnissen – von kostenlos bis 1.299 USD im Monat. Der wiederkehrende Umsatz lag laut dem jüngsten Finanzbericht vom Februar dieses Jahres bei rund 10.000 USD pro Monat und steht kurz vor dem sogenannten Hockeystick-Effekt, also einem sprunghaften Wachstumsschub. Ein Verkaufsschlager könnte der (kostenpflichtige) KI-Agent AI CFO werden, der sich direkt in die Buchhaltungssoftware eines Unternehmens einklinkt. Er überwacht autonom Cashflow, Margen, Leistung und Auslastung bestimmter Aktivitäten, Prozesse oder Abteilungen und schlägt proaktiv Maßnahmen zur Gewinnoptimierung oder Risikominimierung vor. Sollen Saftbars die Preise erhöhen, wenn Avocados, Bananen und Birnen teurer werden? Und wenn ja, um wie viel? Der agentische Finanzchef weiß Rat – und arbeitet, anders als ein menschlicher Kollege, rund um die Uhr.

    Mit einem regionalen Accounting-Anbieter, der über 14.000 kleine und mittelständische Unternehmen betreut, besteht bereits eine erste Vertriebspartnerschaft – nach demselben Muster, das einst SAPs Business One mit dem Reseller-Modell groß machte. Von Analysten wurde Miivo bislang schlicht noch nicht entdeckt. Der Kurs von 0,45 CAD (0,28 EUR) und der Börsenwert von rund 16 Mio. CAD repräsentieren – um im Bild zu bleiben – eher den Wert eines Smoothie-Startups als den eines aufgehenden Sterns am KI-Himmel. Wer frühzeitig einsteigt, kann von einer möglichen Neubewertung profitieren, muss aber das für Micro-Caps – also sehr kleine Börsenwerte – typische Risiko starker Kursschwankungen akzeptieren.

    Der Absturz: Wie Meisteragent C3.ai in Ungnade fiel

    Klein anfangen und groß rauskommen – das ist in der Theorie der natürliche Weg aufstrebender Unternehmen. Doch die Realität sieht – besonders in den USA – oft anders aus, wie das Agentendrama um C3.ai zeigt. Beim Börsengang im Dezember 2020 lag der Ausgabepreis bei 42 USD, was einer Bewertung von rund 4 Mrd. USD entsprach. Schon am ersten Handelstag verdoppelte sich der Kurs, zwei Wochen später schloss die Aktie bei fast 180 USD. Auf dem Höhepunkt entsprach das einem Börsenwert von etwa 17 Mrd. USD. Viele Vorschusslorbeeren, die vor allem dem Namen des Gründers Thomas Siebel gegolten haben dürften. Er hatte einst das nach ihm benannte Softwarehaus Siebel Systems zum Erfolg geführt und 2006 für rund 6 Mrd. USD an Oracle verkauft. Von der Siebel- und KI-Euphorie ist heute nicht viel übriggeblieben: Aktuell notiert die Aktie bei rund 10 USD.

    Der Kern des Geschäftsmodells ist eine umfassende Infrastruktur zum Thema „Agentic AI“ (agentenbasierte KI). Dementsprechend heißt das Flaggschiff-Produkt C3 Agentic AI Platform. Es ist, wenn man so will, ein ganzer Geheimdienst, in dem das Zusammenspiel von Abfrage-, Programmier- und Prüfagenten koordiniert wird, um Lieferketten, Produktion, Vertrieb und Websites zu verbessern. Im Unterschied zu Miivo liegt der Fokus klar auf Großkunden wie Shell, das die vorgefertigte Plattform etwa für vorausschauende Wartung nutzt. Den Vorschusslorbeeren wurde das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Redwood City jedoch nicht gerecht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr brach der Umsatz um rund 36 % auf 250 Mio. USD ein, der Nettoverlust summierte sich auf 470 Mio. USD. Um das Ruder herumzureißen, übernahm Gründer Siebel, den eine schwere Erkrankung zeitweise stark einschränkte, im Mai nach einem missglückten Vertriebsumbau wieder selbst die operative Führung. Die erste Sofortmaßnahme ist eine Schrumpfkur: Der Personalabbau von 1.075 auf 700 Mitarbeiter soll jährlich 135 Mio. USD sparen.

    Offiziell gilt weiterhin das Ziel, ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2027 auf bereinigter Basis profitabel zu arbeiten. Der Analystenkonsens ist deutlich zurückhaltender: In den aktuellen Schätzungen rückt ein tragfähiger Break-even, also der Sprung in die Gewinnzone, eher in Richtung des Geschäftsjahres 2029/2030. Viele Einstufungen lauten „Halten“ oder „Verkaufen“, die Kursziele bewegen sich überwiegend nah am aktuellen Niveau und lassen kaum Luft nach oben. Für Anleger könnte das eine Turnaround-Chance sein, die allerdings zum Geduldsspiel werden dürfte.

    Der Showdown: Drei Agenten, drei Bewertungen, eine offene Rechnung

    Für Miivo AI sollte weniger C3.ai als vielmehr SAP die relevante Blaupause sein: Die Kanadier stehen dort, wo der deutsche Gigant mit Business One einst begann – am Anfang einer Durchdringung des Mittelstands, diesmal mit KI statt klassischer Software. Die Bewertungen zeigen, wie unterschiedlich weit die drei Werte in ihrem jeweiligen Zyklus stehen: C3.ai bringt trotz der Talfahrt noch über 1,5 Mrd. USD auf die Börsenwaage, Miivo AI als aufstrebender Newcomer im KI-Agenten-Thriller noch nicht einmal ein Hundertstel dieses Betrags. Sobald die Börse auf diese Investmentstory aufmerksam wird, dürfte hier eine Neubewertung anstehen. SAP dagegen steht mit einer Marktkapitalisierung von über 200 Mrd. EUR und eigenen KI-Ambitionen über jedem Zweifel – auch wenn der Einbruch im Frühjahr und die jüngste Kursrally zeigen, dass selbst ein solches Schwergewicht nicht immun gegen agentengetriebene Stimmungsschwankungen ist.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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