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28.08.2026 | 05:00

Almonty zündet die nächste Stufe, Siemens Energy plant Abspaltung, Apple mit neuem Strippenzieher – 3 spannende Aktien im News-Check

  • Almonty
  • Siemens Energy
  • Apple
Bildquelle: Pixabay

Die Börse handelt Zukunft – irgendwann verlangt sie jedoch die Quittung. Bei Almonty Industries soll aus der jahrelang gepflegten Wolfram-Fantasie nun ein milliardenschweres Minengeschäft werden. Siemens Energy nutzt den operativen Höhenflug, um mit der Abspaltung von Transformation of Industry weitere Wertreserven zu heben. Und bei Apple übernimmt eine neue Führungsgeneration ausgerechnet in dem Moment, in dem der Konzern seine Antwort auf den KI-Boom liefern muss. Wir nehmen die drei Titel im aktuellen Aktien-Check näher unter die Lupe.

Lesezeit: ca. 8 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0 , APPLE INC. | US0378331005

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Almonty Industries: Die Wachstumsstory nimmt Fahrt auf

    Bei Almonty Industries beginnt der Härtetest. Jahrelang lebte die Börsenstory des Wolfram-Spezialisten vor allem von den Aussichten der Sangdong-Mine in Südkorea. Nun muss aus Fantasie noch Cashflow werden. Operativ läuft es gut. Im zweiten Quartal sprang der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 498 % auf 43,0 Mio. CAD. Das Ergebnis aus dem Minengeschäft verbesserte sich von minus 0,9 auf plus 26,1 Mio. CAD, das bereinigte EBITDA drehte von minus 4,8 auf plus 17,6 Mio. CAD. Die Bruttomarge erreichte 60,7 %. Dahinter steht vor allem der massive Anstieg des Wolframpreises, von dem die produzierende Panasqueira-Mine in Portugal profitiert.

    Der Quartalsgewinn von 181,8 Mio. CAD sollte allerdings noch nicht hochgerechnet werden. Rund 173,1 Mio. CAD entfielen auf nicht zahlungswirksame Bewertungsgewinne aus Derivaten und Optionsscheinen. Wichtiger für die weitere Entwicklung ist, dass im ersten Halbjahr 31,6 Mio. CAD aus dem laufenden Geschäft zuflossen, nachdem ein Jahr zuvor 14,9 Mio. CAD abgeflossen waren. Almonty ist damit erstmals mehr als eine schlichte Wette auf die Zukunft.

    Der eigentliche Wachstumshebel liegt aber nach wie vor in Südkorea. In Sangdong läuft die Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe. Bei voller Leistung soll die Anlage jährlich rund 640.000 Tonnen Erz verarbeiten. Eine genehmigte zweite Stufe könnte die Kapazität auf bis zu 1,2 Mio. Tonnen erhöhen. Das Projekt zählt zu den größten und hochgradigsten Wolframvorkommen außerhalb Chinas. Wolfram wird für Hartmetallwerkzeuge, Elektronik, Luftfahrt und Rüstung benötigt. China kontrolliert den Löwenanteil der Förderung und hat die Ausfuhr ausgewählter Wolframprodukte eingeschränkt. Für westliche Abnehmer wird Versorgungssicherheit damit immer wichtiger.

    Wie begehrt Sangdongs Produktion ist, zeigt der im Juli erweiterte Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders aus der Plansee-Gruppe. Die Laufzeit wurde um sechs Jahre verlängert, das Volumen um 40 % erhöht und die Preisformel um rund 6,3 % verbessert. Das senkt das Vermarktungsrisiko und gibt Almonty eine gute Umsatzsichtbarkeit. Die zweite Ausbaustufe ist nicht erfasst – zusätzliche Mengen bleiben frei vermarktbar.

    Nach der Platzierung einer überzeichneten Wandelanleihe über 800 Mio. USD lagen Ende Juni 1,23 Mrd. CAD in der Kasse. Im jüngsten Video „Almonty Industries: The $800 Million Bet on Tungsten“ erläutert Vorstandschef Lewis Black, wie der neue finanzielle Spielraum genutzt werden soll. Neben dem Hochlauf und der Erweiterung von Sangdong geht es um den Ausbau der Panasqueira-Mine in Portugal, das Gentung-Projekt in Montana und mögliche weitere strategische Assets. Zugleich ordnet Black die 800-Mio.-USD-Wandelanleihe und den geopolitischen Wettlauf um eine von China unabhängige Wolframversorgung ein.

    https://youtu.be/H89AmF0rjfA

    Ein selbstbewusstes Signal setzte das Management Mitte August. Bis August 2029 dürfen bis zu 14,4 Mio. eigene Aktien – knapp 5 % des Grundkapitals – für maximal 300 Mio. USD zurückgekauft werden. Das Programm ist allerdings eine Ermächtigung, kein Kaufzwang. Der Umfang hängt von Kurs, Liquidität und Kapitalbedarf ab.

    Almonty steht am operativen Wendepunkt. Gelingt der Hochlauf von Sangdong, dürften Umsatz und Ergebnis in eine neue Dimension vorstoßen. Die Aktie bleibt unter dem Strich ein spekulativer Hotstock – die weitere Kursentwicklung wird nun aber untermauert von operativen Fortschritten, positivem Cashflow und einer prall gefüllten Kasse. Kommt das operative Geschäft mit dem Hochlauf von Sangdong nachhaltig ins Laufen, besitzt das Papier von Almonty noch einen großen Hebel auf weitere Kursgewinne.

    Siemens Energy: Die nächste Wertreserve wird gehoben

    Almonty setzt auf knappes Wolfram, Siemens Energy auf kaum weniger knappe Gasturbinen und Netztechnik. Der Stromhunger von Rechenzentren, KI-Anwendungen und Industrie beschert dem früheren Siemens-Sorgenkind einen Auftragsboom, der vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre. Nun soll auch die Konzernstruktur auf Wachstum getrimmt werden.

    Der Aufsichtsrat hat die Vorbereitungen zur Verselbstständigung von Transformation of Industry (ToI) freigegeben. Aus einem Börsengerücht ist damit ein konkretes Projekt geworden. In der Sparte bündelt Siemens Energy unter anderem Dampfturbinen, Generatoren, Kompressoren und Elektrolyseure. Dazu gehört auch der Öl- und Gasausrüster Dresser-Rand, den der damalige Siemens-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Joe Kaeser 2015 für 7,8 Mrd. USD kaufte. Der Deal galt nach dem Ölpreisverfall lange als teurer Fehlgriff. Inzwischen zählt das Geschäft zu den werthaltigeren Teilen von ToI.

    Die DZ Bank etwa erwartet für die Sparte im Geschäftsjahr 2025/26 rund 6 Mrd. EUR Umsatz und eine Marge von etwa 12 %. Rund 17.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Als eigenständiges Unternehmen könnte ToI Investitionen gezielter auf Energieeffizienz, Elektrifizierung und Dekarbonisierung ausrichten. Im Konzern muss die Einheit dagegen mit Gas Services und Grid Technologies um Kapital konkurrieren. Und dort spielt derzeit die Musik: Die beiden Bereiche kommen laut Analystenschätzungen auf Margen von rund 16 beziehungsweise 19 % und wachsen dank des Kraftwerks- und Netzbooms rasant.

    Siemens Energy will nach der operativen und rechtlichen Trennung eine neue Eigentümerstruktur schaffen, das Geschäft entkonsolidieren und lediglich eine bedeutende Minderheitsbeteiligung behalten. Der Prozess könnte 12 bis 24 Monate dauern. Wegen der unterschiedlichen ToI-Geschäftsfelder und des stabilisierenden Serviceanteils von rund 50 % halten Analysten den Einstieg eines Finanzinvestors für wahrscheinlicher als einen klassischen Börsengang. Am Markt kursieren Bewertungen von mehr als 10 Mrd. EUR.

    Operativ liefert Siemens Energy derweil Zahlen wie aus dem Bilderbuch. Im dritten Quartal stieg der Auftragseingang um 8,5 % auf den Rekordwert von 17,9 Mrd. EUR, der Auftragsbestand erreichte 162 Mrd. EUR. Der Umsatz legte um 18,5 % auf 11,4 Mrd. EUR zu, das Ergebnis vor Sondereffekten sprang auf 1,6 Mrd. EUR. Selbst Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Aus dem Milliardenproblem Windkraft könnte damit zumindest schrittweise wieder ein normales Industriegeschäft werden.

    Die Trennung von ToI würde Siemens Energy stärker auf Gasturbinen, Service und Netztechnik zuschneiden. Weniger Komplexität könnte an der Börse mit einem höheren Bewertungsmultiplikator belohnt werden. Dafür nähme allerdings die Abhängigkeit vom KI-, Rechenzentrums- und Netzausbauboom weiter zu. Schwächt sich dieser ab, fehlt künftig ein Teil der industriellen Diversifikation.

    Nach der gewaltigen Kursrally ist die Aktie ohnehin kein Schnäppchen mehr. Viel Zukunftsmusik erscheint bereits eingepreist. Operativer Boom, Gamesa-Turnaround und ToI-Abspaltung liefern allerdings durchaus noch weitere Kurstreiber. Neueinsteiger sollten dem Papier nach dem Höhenflug dennoch nicht blind hinterherlaufen. Käufe nach Rücksetzern an schwächeren Tagen wären die elegantere Eintrittskarte für interessierte Langfristinvestoren.

    Apple: Der Neue muss liefern

    Bei Apple endet eine Ära. Am 1. September übernimmt John Ternus den Chefsessel von Tim Cook, der dem Konzern als Executive Chairman erhalten bleibt. Eine lange Schonfrist bekommt der Neue nicht. Nur wenige Tage später dürfte die traditionelle September-Keynote stattfinden. Eine offizielle Einladung fehlt noch, als wahrscheinlichster Termin gilt derzeit der 9. September. Erwartet werden die iPhone-18-Pro-Modelle und möglicherweise sogar Apples erstes faltbares Smartphone. Für Ternus wird die Präsentation damit zur Antrittsrede vor einem Millionenpublikum.

    Er übernimmt keinen Sanierungsfall. Tim Cook hinterlässt eine der profitabelsten Geldmaschinen der Wirtschaftsgeschichte. Im jüngsten Quartal setzte Apple 109,4 Mrd. USD um, 16 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie kletterte um 29 %. Allein das Servicegeschäft brachte 30,7 Mrd. USD ein und steuerte damit bereits 28 % zum Konzernumsatz bei. Noch eindrucksvoller ist die Marge: Mit 75,6 % verdient Apple an Apps, Abonnements, Werbung und Cloud-Diensten fast doppelt so gut wie mit seiner Hardware.

    Ternus muss dieses Erfolgsmodell bewahren und Apple gleichzeitig neu erfinden. Der 51-jährige Ingenieur arbeitet seit 2001 für den Konzern und war zuletzt für die Hardwareentwicklung verantwortlich. iPhone, iPad, Mac, AirPods und Apple Watch tragen seine Handschrift. Das verspricht Kontinuität. Doch der Kapitalmarkt erwartet mehr als die nächste dünnere, schnellere oder faltbare Gerätegeneration.

    Bei Künstlicher Intelligenz hat Apple gegenüber Microsoft, Alphabet und anderen Rivalen Boden verloren. Die Kooperation mit Alphabet und die Einbindung von Gemini in Siri zeigen, dass Cupertino nicht jeden kostspieligen Baustein selbst entwickeln will. Das muss kein Nachteil sein. Apple besitzt mit mehr als zwei Milliarden aktiven Geräten einen Vertriebskanal, von dem andere KI-Anbieter nur träumen können.

    Die Chance liegt in der tiefen Verzahnung von Hardware, Software und Services. Werden KI-Funktionen direkt auf dem Gerät ausgeführt, passt das zu Apples Datenschutzversprechen. Gleichzeitig könnten neue Anwendungen die zuletzt immer längeren Austauschzyklen beim iPhone verkürzen und zusätzliche Aboerlöse auslösen. Aus dem vermeintlichen KI-Nachzügler könnte so ein äußerst effizienter Vermarkter werden – eine Rolle, die Apple schon mehrfach glänzend beherrscht hat.

    Der zweite Härtetest wartet in der Lieferkette. Knappheiten bei Hochleistungschips, DRAM- und NAND-Speichern treiben die Kosten. Apple warnte zuletzt ausdrücklich davor, dass sich dieser Gegenwind noch verschärfen könnte. Der Konzern besitzt allerdings Vorteile: enorme Bestellvolumina, eigene Prozessoren und eine Preissetzungsmacht, die selbst vierstellige Smartphonepreise gesellschaftsfähig gemacht hat.

    An der Börse ist ein guter Teil dieser Qualität längst bezahlt. Das 2027er-KGV von rund 32 lässt wenig Raum für Patzer. Ternus übernimmt damit nicht nur einen hervorragend kapitalisierten Konzern, sondern auch einen prall gefüllten Erwartungsrucksack. Die KI-Lücke muss kleiner werden, die Margen sollen trotz steigender Chipkosten hoch bleiben und neue Geräte müssen wieder mehr Begehrlichkeit auslösen. Apple bleibt eine Qualitätsaktie – aber keine billige. Investierte Anleger bleiben dabei. Langfristig orientierte Neueinsteiger nutzen schwächere Tage zum schrittweisen Aufbau einer Position.

    Fazit

    Almonty, Siemens Energy und Apple stehen jeweils an einer Wegmarke – allerdings mit höchst unterschiedlichem Chance-Risiko-Verhältnis. Bei Almonty winkt der größte operative Hebel mit dem höchsten Kurspotenzial. Gelingt der Hochlauf von Sangdong, könnte sich der Wolfram-Spezialist endgültig vom Hotstock zu einem Rohstoffkonzern entwickeln. Siemens Energy ist bereits mehrere Schritte weiter. Der operative Boom läuft, Gamesa stabilisiert sich und die Herauslösung von ToI könnte verborgene Werte freisetzen. Nach der Kursrally ist jedoch viel Fantasie eingepreist. Apple wiederum bleibt die solideste Aktie des Trios, doch der neue Firmenchef John Ternus muss zeigen, dass der Konzern nicht nur seine gewaltige Geldmaschine verwalten, sondern im KI-Zeitalter erneut Begehrlichkeit schaffen kann.


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    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

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