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18.06.2026 | 06:00

Almonty, Renk und SGL Carbon: Drei aussichtsreiche Aktien für die neue Rohstoff- und Rüstungsordnung

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Bildquelle: Pixabay.com

Die neue Weltordnung und geopolitische Unsicherheit bringen an der Börse auch unscheinbare Rohstoffe wie Wolfram, Graphit, Spezialstähle und Hochleistungswerkstoffe ins Rampenlicht. Steigende Verteidigungsausgaben, Künstliche Intelligenz und der Wunsch nach unabhängigen Lieferketten machen aus Nischenthemen plötzlich Investmentstorys. Drei spannende Aktien aus diesem Umfeld sind Almonty Industries, Renk und SGL Carbon.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , RENK AG O.N. | DE000RENK730 , SGL CARBON SE O.N. | DE0007235301

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Almonty: Wolfram-Star vor neuer Bewertungsstufe

    Kaum eine Rohstoffaktie hat Anleger in den vergangenen Monaten so elektrisiert wie Almonty Industries. Der Wolfram-Spezialist entwickelte sich vom kaum beachteten Nischenwert zu einer der spektakulärsten Börsenstorys im Rohstoffsektor. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate stieg die Aktie von unter vier auf über 23 USD. Nach der starken Rallye folgten zwar Gewinnmitnahmen, doch fundamental wirkt die Geschichte inzwischen eher gereift als ausgereizt. Denn Almonty steht an einem Punkt, an dem aus Fantasie operative Realität werden kann.

    Wolfram war lange ein Rohstoff für Fachleute. Das extrem harte Metall mit einem Schmelzpunkt von über 3.400 Grad Celsius steckt in Hochleistungswerkzeugen, Maschinen, Elektronik, Energieanwendungen und Rüstungsgütern. Es wird dort gebraucht, wo andere Materialien an physikalische Grenzen stoßen. In Zeiten geopolitischer Spannungen bekommt diese Eigenschaft plötzlich strategische militärische Bedeutung. Wer moderne Munition, Panzerungen, Hyperschallwaffen, Präzisionskomponenten oder hitzebeständige Hochleistungsbauteile bauen will, braucht eine sichere Versorgung mit Wolfram.

    Genau das macht den Reiz der Almonty-Story aus. Der globale Wolframmarkt ist klein, aber hoch konzentriert. China dominiert die Förderung, während westliche Länder bei kritischen Rohstoffen zunehmend nervös werden. Exportkontrollen, Handelskonflikte und neue Beschaffungsregeln im Verteidigungsbereich erhöhen den Druck, unabhängige Lieferketten aufzubauen. Ab 2027 sollen kritische Rohstoffe aus China, Russland und Nordkorea für das US-Verteidigungsministerium weitgehend tabu werden. Für westliche Anbieter wie Almonty kann daraus ein historisches Zeitfenster entstehen.

    Der operative Gamechanger bleibt die Sangdong-Mine in Südkorea. Das Projekt gilt als eine der größten und hochwertigsten Wolfram-Lagerstätten außerhalb Chinas. Lange war Sangdong vor allem ein Versprechen. Inzwischen läuft der Übergang in die Produktion. Die erste Ausbaustufe ist abgeschlossen, der Hochlauf hat begonnen. Mit der zweiten Ausbauphase soll die jährliche Verarbeitungskapazität perspektivisch deutlich steigen. Schon die erste Stufe kann Almonty in eine neue Umsatz- und Ergebnisdimension führen. Bei Wolframpreisen von zuletzt mehr als 3.000 USD je MTU und erwarteten Förderkosten, die weit darunter liegen, ist das Margenpotenzial enorm. Noch spannender wird die Story durch die bereits bestehenden Abnahmeverträge. Almonty verweist auf mehrere langfristige Liefervereinbarungen, darunter einen 15-jährigen Vertrag mit einem US-Kunden für den Großteil der Sangdong-Produktion aus der ersten Phase. Für Anleger ist das ein wichtiger Punkt. Denn die Aktie hängt dann nicht nur am Tagespreis für Wolfram, sondern zunehmend an planbaren strategischen Lieferketten. Aus einer Rohstoffspekulation könnte ein Cashflow-Player mit geopolitischer Sonderstellung werden.

    Die jüngste Kapitalmaßnahme passt in dieses Bild. Almonty hat eine große Wandelanleihe über 800 Mio. USD erfolgreich platziert und damit die Bilanz deutlich gestärkt. Die Emission war deutlich überzeichnet. Nach Abzug der Kosten fließen rund 773 Mio. USD in die Firmenkasse. Das Geld will Almonty zur Schuldentilgung und zur Stärkung des operativen Geschäfts nutzen und in spezielle Finanzinstrumente investieren, um eine Verwässerung der Aktien zu verhindern. Kurzfristig sorgte die Platzierung am Markt für Nervosität, weil Wandelanleihen immer auch Verwässerungsfantasie mitbringen. Strategisch ist der Schritt aber nachvollziehbar. Wer in einer wichtigen Wachstumsphase die Chance hat, sich langfristig günstig zu finanzieren und gleichzeitig institutionelle Investoren an Bord zu holen, verschafft sich Handlungsspielraum. Genau den braucht Almonty jetzt für den Produktionshochlauf, mögliche Erweiterungen und neue strategische Projekte. Seit der jüngsten Finanzierungsmaßnahme steht auch Jorge Beristain als neuer Finanzchef in den Diensten von Almonty. Der Manager konnte Erfahrung bei der Ryerson Holding und der Deutschen Bank sammeln und soll langfristig das finanzielle Fundament für die anlaufende Produktion der Sangdong-Mine in Südkorea sowie für weitere Standorte stärken.

    Zweite strategische Metallstory

    Almonty denkt längst größer als nur Sangdong. In Portugal läuft mit Panasqueira bereits eine produzierende Mine. In Spanien laufen weitere Projekte. In Montana arbeitet der Konzern mit Gentung an einem möglichen US-Wolframprojekt. Sollte daraus tatsächlich die erste kommerzielle Wolframmine in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten entstehen, wäre das auch politisch ein Volltreffer. In Washington wird man sehr genau beobachten, wer Wolfram außerhalb Chinas liefern kann. Zusätzliche Fantasie kommt aus dem Molybdän-Projekt bei Sangdong. Das Bohrprogramm läuft, erste Fortschritte wurden gemeldet. Sollte Almonty dort die historischen Daten bestätigen und eine wirtschaftlich interessante Ressource nachweisen, entstünde neben Wolfram eine zweite strategische Metallstory auf derselben Liegenschaft. Gerade Südkorea hat ein Interesse daran, die Versorgung mit kritischen Metallen breiter abzusichern. Für Almonty wäre das ein willkommener Zusatzhebel.

    Auffällig ist auch die zunehmende US-Ausrichtung. Der Sitz wurde nach Montana verlagert, das Nasdaq-Listing erhöht die Sichtbarkeit bei Investoren, zudem wurde mit Beristain ein Finanzchef an Bord geholt, der sowohl im Rohstoffsektor als auch an der Wall Street hervorragend vernetzt ist. Almonty baut an einer größeren Strategie und will in Zukunft offensichtlich nicht nur Rohstoffproduzent sein, sondern sich als systemrelevanter westlicher Lieferant positionieren. Natürlich ist die Aktie kein Witwen-und-Waisen-Papier. Nach der Kursrallye sind die Erwartungen von Börsianern hoch. Doch die Chance ist außergewöhnlich. Almonty sitzt an der Schnittstelle von Rohstoffknappheit, Rüstungsboom, westlicher Lieferkettensicherheit und KI-Fantasie. Genau solche Schnittstellen schreiben an der Börse oft die größten Geschichten. Anleger, die mit der hohen Volatilität leben können und an die strategische Wolframstory glauben, finden in Almonty noch immer einen der spannendsten Rohstoffwerte der kommenden Jahre und kommen beim Kauf der Aktie jetzt noch relativ günstig zum Zuge.

    Renk: Der deutsche Rüstungshebel

    Wer Almonty als Rohstofflieferanten für die neue Sicherheitsordnung sieht, findet mit Renk einen passenden deutschen Ergänzungswert. Die Augsburger sind kein klassischer Rüstungskonzern, sondern ein Spezialist für Antriebs- und Getriebesysteme. Genau das macht die Aktie so interessant. Panzer, Schiffe und schwere Militärfahrzeuge brauchen robuste Hochleistungstechnik. Renk liefert dafür zentrale Komponenten. Operativ läuft die Story rund. Der Auftragseingang erreichte im ersten Quartal ein Rekordniveau, der Auftragsbestand liegt ebenfalls auf einem historischen Hoch. Das sorgt für hohe Visibilität. Anders als viele zyklische Industriewerte muss Renk nicht auf eine allgemeine Konjunkturerholung hoffen. Der Rückenwind kommt aus den Verteidigungshaushalten. Deutschland, Europa und die NATO-Staaten werden in den kommenden Jahren deutlich mehr in Ausrüstung, Modernisierung und Einsatzfähigkeit investieren müssen.

    Die Aktie ist nach der Rallye nicht mehr günstig. Doch Renk besitzt eine seltene Mischung aus strukturellem Wachstum, hoher Marge und politischem Rückenwind. Wer auf den Rüstungsboom setzen will, muss nicht nur die großen Namen kaufen. Häufig verdienen auch die spezialisierten Zulieferer mit, weil ihre Komponenten schwer ersetzbar sind. Genau das macht Renk zu einem spannenden deutschen Profiteur der neuen Verteidigungsrealität.

    SGL Carbon: Der unterschätzte Werkstoffjoker

    Weniger offensichtlich ist der zukünftige Rüstungshebel von SGL Carbon. Die Aktie galt lange Zeit als Problemwert. Schwache Nachfrage in einzelnen Bereichen, Zurückhaltung bei Halbleiterkunden und ein schwieriges konjunkturelles Umfeld haben die Stimmung belastet. Doch gerade bei SGL Carbon lohnt sich für spekulative Anleger ein zweiter Blick. Das Unternehmen produziert Spezialmaterialien, Graphit- und Carbonlösungen, die in zahlreichen Zukunftsmärkten gebraucht werden. Graphit ist nicht nur für Batterien wichtig. Es spielt auch in Halbleiterprozessen, Hochtemperaturanwendungen, Energieanlagen und perspektivisch in neuen Nukleartechnologien eine Rolle. Auch der geopolitische Trend in Europa, unabhängiger zu werden bei kritischen Lieferketten, gibt SGL Carbon Rückenwind. Richtig spannend wird es rund um das Thema Rüstung und Verteidigung. Carbon- und Verbundwerkstoffe gewinnen im Militärbereich an Bedeutung, etwa im Drohnenbau oder bei leichteren und widerstandsfähigeren Fahrzeugkomponenten. Das sorgt bei SGL für zusätzliche Fantasie. SGL Carbon arbeitet bereits daran, das Portfolio stärker auf margenstarke Spezialanwendungen auszurichten. Kurzfristig ist das Zahlenwerk noch nicht spektakulär, die EBITDA-Prognose zeigt eher Übergangscharakter. Doch genau solche Phasen können für Nebenwerte-Anleger interessant sein, wenn der Markt die künftigen Chancen noch nicht einpreist.

    Zusätzliche Fantasie liefert die Aktionärsstruktur. Mit starken Ankeraktionären im Hintergrund und einer Bewertung, die gemessen an einzelnen Geschäftsteilen nicht überzogen wirkt, bleibt SGL auch ein Kandidat für strategische Überlegungen. Mit Großaktionären wie Skion von BMW-Erbin Susanne Klatten sowie Beteiligungen aus dem BMW- und VW-Umfeld erscheint ein strategischer Deal keineswegs ausgeschlossen. Zumal die große Carbon-Euphorie der Autobranche bislang ausblieb und attraktive Kaufangebote heute bei den Großaktionären womöglich auf offenere Türen stoßen würden als noch vor einigen Jahren. Eine Portfoliobereinigung, ein Einstieg eines Industriekonzerns oder eine stärkere Fokussierung auf Graphitlösungen für Energie- und Hightechmärkte könnten die Wahrnehmung von SGL Carbon an der Börse schnell verändern.

    Fazit

    Almonty, Renk und SGL Carbon bedienen unterschiedliche Teile derselben großen Geschichte, nämlich die westliche Welt unabhängiger, sicherer und technologisch belastbarer zu machen. Almonty liefert den strategischen Rohstoff, Renk baut Schlüsseltechnik für die militärische Aufrüstung und SGL Carbon stellt Spezialmaterialien für Energie, Industrie und Hightech bereit. Almonty ist in diesem Trio der spekulativste, aber auch der spannendste und chancenreichste Wert. Gelingt der Hochlauf von Sangdong, kommen weitere Abnahmeverträge hinzu und wird die US-Fantasie rund um Montana konkreter, könnte die Aktie trotz der bereits starken Kursentwicklung vor einer neuen Bewertungsstufe stehen. Renk bietet für Anleger einen defensiveren Rüstungshebel mit hoher Auftragsvisibilität. SGL Carbon wiederum ist der vernachlässigte Werkstoffjoker mit Turnaround- und Übernahmefantasie.


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    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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