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30.09.2026 | 05:00

Almonty im Fokus und Wachstumschancen bei PVA TePla und Redcare Pharmacy. Drei aussichtsreiche Aktien im Check

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Bildquelle: Pixabay

Almonty kann in Südkorea endlich Wolfram verkaufen, Analysten trauen der Aktie noch hohes Kurspotenzial zu. PVA TePla peilt bis 2028 eine Verdopplung des Umsatzes an. Redcare Pharmacy hat erneut die Prognose erhöht. Drei Aktien im Check, deren Wachstumsaussichten einen genaueren Blick verdienen.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | NASDAQ: ALM , PVA TEPLA AG O.N. | DE0007461006 , REDCARE PHARMACY NV | NL0012044747

Inhaltsverzeichnis:


     

    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Almonty kommt operativ auf Touren

    Bei Almonty Industries fällt die nächste Hürde zu einem erfolgreichen und nachhaltigen operativen Geschäft. Am 21. September meldete der Wolframproduzent die abschließende Betriebsgenehmigung für Aufbereitung und Brecheranlage in Sangdong. Seit Juni lief bereits Erz durch die Anlage. Jetzt darf das Konzentrat auch kommerziell verkauft und exportiert werden. Am 23. September feierte Almonty die erste Wolframproduktion am Standort seit 1993. Aus dem langjährigen Bauprojekt in Südkorea kann damit nun ein bedeutender Umsatz- und Cashflow-Bringer werden.

    Die Nachfrage nach dem begehrten Rohstoff trifft auf ein knappes Angebot. Wolfram wird für Hartmetallwerkzeuge, Rüstungsgüter und Elektronik benötigt. Chinas Anteil an der weltweiten Minenförderung wird auf rund 80 % geschätzt. Exportkontrollen verschärfen die Versorgungslage. Der Preis des Zwischenprodukts Ammoniumparawolframat, kurz APT, ist laut den Experten seit Anfang 2025 um rund 775 % gestiegen.

    Westliche Industriekunden suchen verlässliche Lieferanten. Almonty kann ihnen zusätzliche Mengen anbieten. Sangdong ist zunächst auf 640.000 Tonnen Erz pro Jahr ausgelegt. Die zweite Ausbaustufe soll den Durchsatz auf bis zu 1,2 Mio. Tonnen erhöhen; Experten erwarten diesen Schritt 2027. Der Absatz der ersten Phase ist weitgehend gesichert. Ein Vertrag mit Global Tungsten & Powders aus der Plansee-Gruppe läuft 21 Jahre ab der ersten Lieferung und deckt mehr als 90 % der geplanten Phase-I-Produktion ab. Preisuntergrenzen bieten Schutz, steigende Marktpreise zusätzliches Ertragspotenzial.

    Frischen Schwung bringt Los Santos in Spanien. Am 17. September vereinbarte Almonty mit der Sandvik-Tochter Wolfram Bergbau und Hütten einen mehrjährigen Abnahmevertrag. Aus vorhandenen Aufbereitungsrückständen sollen insgesamt mindestens rund 1.720 Tonnen enthaltenes Wolframtrioxid geliefert werden. Vereinbart wurden eine Abnahme- oder Zahlungsverpflichtung, indexgebundene Preise mit Untergrenze und eine bedingte Einmalzahlung von 3 Mio. USD für die Abnahmerechte. Damit steht der Absatzkanal schon vor dem Neustart der Aufbereitung, und der Kunde beteiligt sich an der Finanzierung.

    Weitere Liefermengen soll die am 14. September angekündigte Partnerschaft mit Ruanda erschließen. Almonty soll 75 %, der Staat 25 % der gemeinsamen Gesellschaft halten. Diese will zunächst Material bestehender Minenbetreiber einkaufen, aufbereiten und exportieren. Geplant ist auch die Exploration einer eigenen Konzession. Laut Vorstandschef Lewis Black sollen vorhandene Rohstoffe so schneller nutzbar werden. Welchen Gewinnbeitrag das bringt, bleibt abzuwarten.

    Die hohen Wolframpreise schlagen sich bereits in den Zahlen nieder. Im zweiten Quartal sprang der Umsatz um 498 % auf 43 Mio. CAD, das bereinigte EBITDA erreichte 17,6 Mio. CAD nach minus 4,8 Mio. CAD im Vorjahr. Der Nettogewinn von 181,8 Mio. CAD enthält allerdings 173,1 Mio. CAD nicht zahlungswirksame Bewertungsgewinne aus Finanzinstrumenten. Zudem lagen Ende Juni 1,23 Mrd. CAD in der Kasse, wesentlich gestützt durch eine Wandelanleihe über 800 Mio. USD. Das gibt Almonty Spielraum für den Ausbau in Sangdong, den Ausbau in Portugal und weitere Projekte.

    Analysten von Stifel trauen Almonty einen kräftigen Wachstumssprung zu. Für 2026 schätzen die Experten den Umsatz auf 345,8 Mio. CAD und das bereinigte EBITDA auf 247,1 Mio. CAD. 2027 sollen die Werte auf 926,2 Mio. beziehungsweise 792,7 Mio. CAD steigen. In einer Erststudie vom 24. September rät Stifel zum Kauf der Aktie mit einem Kursziel von 25 USD, was einem Kurspotenzial von rund 90 % und dem durchschnittlichen Potenzial des Analystenkonsens entspricht. Insgesamt empfehlen 10 Analysten die Aktie aktuell zum Kauf, nur ein Experte rät zum Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es derzeit nicht.

    Mit wachsender Produktion kann Almonty stark von der Rohstoffknappheit profitieren. Die Genehmigung und neue Abnahmeverträge geben der Investmentstory zudem mehr Substanz. Die Wachstumsperspektiven bleiben gut, die Aktie eignet sich grundsätzlich aber nur für risikobereite Anleger. Kommt das operative Geschäft mit dem Hochlauf von Sangdong nachhaltig ins Laufen, besitzt das Papier von Almonty noch einen großen Hebel auf weitere Kursgewinne.

    PVA TePla mit vollen Auftragsbüchern

    Bei PVA TePla wächst die Zuversicht schneller als der Umsatz. Der Spezialist für Material- und Messtechnik sammelte im ersten Halbjahr Aufträge über 186,7 Mio. EUR ein, 80 % mehr als ein Jahr zuvor. Die Erlöse lagen mit 120,5 Mio. EUR dagegen nur knapp über Vorjahr. Die vorhandenen Kapazitäten für Messtechnik sind nach Unternehmensangaben bereits bis Mitte 2027 weitgehend ausgelastet.

    Auf der Baader Investment Conference in München lieferte das Management jüngst neue Argumente. Größere Aufträge aus Ende 2025 und Anfang 2026 sollen im zweiten Halbjahr die Auslastung verbessern. Ein günstigerer Produktmix soll zusätzlich die Bruttomarge im Materialgeschäft heben. Gefragt sind unter anderem Anlagen für Indiumphosphid, einen Werkstoff für die optische Datenübertragung in KI-Rechenzentren. In der Messtechnik sorgen große Speicher- und Logikchiphersteller für Nachfrage. Besonders interessant: Das Umsatzziel von 500 Mio. EUR für 2028 soll bereits mit den bestehenden Kunden erreichbar sein. Gegenüber den rund 244 Mio. EUR von 2025 wäre das mehr als eine Verdopplung.

    Bis dahin muss PVA TePla kräftig zulegen. Im ersten Halbjahr fiel das EBITDA von 14,9 auf 4,4 Mio. EUR. Für 2026 erwartet der Vorstand deshalb nur die untere Hälfte der Spanne von 26 bis 31 Mio. EUR. Viel hängt am vierten Quartal. Die positiven Konferenzeindrücke müssen sich erst in besseren Zahlen niederschlagen. Die Aussichten für 2027 und darüber hinaus sind aber vielversprechend. Für Anleger mit Geduld bleibt die Aktie eine interessante Comebackwette. Entscheidend für die Bewertung bleibt die Gewinnentwicklung. Für das kommende Jahr wird ein deutlich höheres operatives Ergebnis erwartet, was das geschätzte KGV von 25 für 2027 vertretbar erscheinen lässt. Analysten zeigen sich entsprechend zuversichtlich: 8 Kaufempfehlungen stehen 2 Halte-Voten gegenüber. Kein Experte rät derzeit zum Verkauf. Mit einem durchschnittlichen Kursziel von knapp 44 EUR sehen die Beobachter fast 40 % Aufwärtspotenzial.

    Redcare Pharmacy erhöht Prognose

    Bei Redcare Pharmacy folgte auf den guten Eindruck bei der Baader Investment Conference in München gleich eine handfeste Nachricht. Am 28. September hob die Online-Apotheke ihre Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal an. Der Konzern soll nun um 16 bis 18 % wachsen, bislang waren 15 bis 17 % angepeilt. Für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland erwartet das Management 730 bis 760 Mio. EUR Umsatz statt 680 bis 720 Mio. EUR. Nach vorläufigen Berechnungen legten diese Erlöse im dritten Quartal um 56 % zu.

    Der Ausbau des Geschäfts zahlt sich zunehmend aus. Im zweiten Quartal kletterte der Konzernumsatz um 20 % auf 853 Mio. EUR, das bereinigte EBITDA um 63 % auf 29,6 Mio. EUR. Die entsprechende Marge verbesserte sich auf 3,5 %. Effizienteres Marketing und Skaleneffekte halfen, obwohl der größere Anteil verschreibungspflichtiger Arzneien die Bruttomarge drückte. Für das Gesamtjahr bleibt die bereinigte EBITDA-Marge mit 2,5 bis 3 % unverändert. Die jüngste Anhebung betrifft somit den Umsatz, nicht das Margenziel.

    Auf der Baader-Konferenz skizzierte Finanzchef Hendrik Krampe die nächste Etappe. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bis 2028 auf 5 % steigen; für 2027 wird ein positiver freier Cashflow erwartet. Zusätzliche Ertragschancen bieten der Marktplatz und Werbeangebote für Hersteller. Noch sind diese Geschäfte klein. Entscheidend bleibt, wie profitabel Redcare neue Rezeptkunden gewinnt und bindet. Das E-Rezept eröffnet viel Wachstumsspielraum, doch Wettbewerb und Kundenboni können Marge kosten. Die nächste Bewährungsprobe folgt mit den vollständigen Quartalszahlen am 29. Oktober.

    Rund 35 % Kurspotenzial: So viel verspricht zumindest das mittlere Analystenkursziel von knapp 95 EUR. Auch die Verteilung der Empfehlungen fällt freundlich aus. 9 Banken und Researchhäuser raten zum Einstieg, 3 plädieren für Halten. Auf der Verkaufsseite steht aktuell nur ein Analyst. Die geschätzten KGVs von rund 61 für 2027 und 25 für 2028 erscheinen mit Blick auf das erwartete operative Gewinnwachstum in den kommenden zwei Jahren angemessen. Die Aktie von Redcare Pharmacy bleibt vor allem für Langfristanleger eine Option.

    Fazit:

    Alle drei Aktien sind spannend und aussichtsreich und müssen nun die gestiegenen Erwartungen erfüllen. Almonty bleibt unser Favorit für risikobereite Anleger, die auf den erfolgreichen Hochlauf von Sangdong und weitere Kursgewinne setzen. Bei PVA TePla versprechen die Aufträge Wachstum, die Gewinne müssen aber erst noch folgen. Redcare liefert bereits bessere operative Ergebnisse, zudem eröffnet das E-Rezept viel Wachstumsspielraum. Doch Wettbewerb und Kundenboni können Marge kosten und sorgen für Risiken.


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    Lars Winter

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