12.10.2026 | 05:00
Almonty, 2G Energy und Redcare Pharmacy: Drei spannende Titel mit frischem Rückenwind
Neue Aufträge, höhere Prognosen und der Sprung vom Projektentwickler zum Produzenten: Bei Almonty Industries, 2G Energy und Redcare Pharmacy hat sich die Nachrichtenlage zuletzt deutlich verbessert. Die drei Unternehmen bedienen völlig unterschiedliche Märkte. Gemeinsam ist ihnen, dass hohe Erwartungen nun in messbares Wachstum übersetzt werden müssen. Drei Aktien im Check.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | NASDAQ: ALM , 2G ENERGY AG | DE000A0HL8N9 , REDCARE PHARMACY NV | NL0012044747
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Almonty: Sangdong liefert – endlich
Jahrelang war die Sangdong-Mine vor allem ein Versprechen. Jetzt produziert sie. Almonty Industries erhielt Mitte September die letzten behördlichen Zertifikate für die Aufbereitungs- und Brechanlage in Südkorea. Damit darf das Unternehmen verkaufsfähiges Wolframkonzentrat herstellen, fakturieren und exportieren. Wenige Tage später liefen die ersten Säcke vom Band – die erste Produktion in Sangdong seit 1993.
Damit beginnt für Almonty die entscheidende Phase. Ende September arbeitete die Anlage nach Angaben von Vorstandschef Lewis Black 13 Stunden täglich an sieben Tagen pro Woche. Die Laufzeit sollte kurzfristig auf einen durchgehenden 24-Stunden-Betrieb steigen. Für den Hochlauf liegt bereits Erz für rund 4,6 Produktionsmonate auf Halde. Mine und Mühle können dadurch weitgehend unabhängig voneinander hochgefahren werden.
Der Zeitpunkt ist günstig. China steht für rund 80 % der weltweiten Wolframförderung und hat die Exporte eingeschränkt. Zugleich verschärfen die USA ab 2027 die Herkunftsregeln für Wolfram, das für Rüstungsgüter eingesetzt wird. Das extrem harte und hitzebeständige Metall wird unter anderem für Munition, Panzerungen, Werkzeuge, Halbleiter und Elektronik benötigt. Schnell verfügbare Mengen aus verbündeten Staaten sind entsprechend begehrt.
Für mehr als 90 % der geplanten Phase-I-Produktion besitzt Almonty bereits einen Abnehmer. Der Vertrag mit Global Tungsten & Powders, einer Gesellschaft der österreichischen Plansee-Gruppe, läuft 21 Jahre ab der ersten Lieferung und sieht nach dem Hochlauf eine Mindestmenge von 210.000 MTU pro Jahr vor. Positiv: Der Vertrag enthält eine Preisuntergrenze, lässt Almonty aber an weiter steigenden Wolframpreisen teilhaben.
Während die erste Produktionsphase hochläuft, hat Almonty bereits den nächsten Ausbau gestartet. Für die zweite Phase werden unter Tage neue Bereiche erschlossen und bei Metso zusätzliche Mühlen bestellt. Bis 2027 soll die Verarbeitungskapazität auf bis zu 1,2 Mio. Tonnen Erz pro Jahr steigen. Sangdong könnte dann mehr als 460.000 MTU jährlich produzieren und zu einer der größten Wolframminen außerhalb Chinas aufsteigen.
Auch abseits von Südkorea wird das Portfolio breiter. Für die Wiederaufbereitung alter Halden der seit 2020 ruhenden Los-Santos-Mine in Spanien schloss Almonty mit einer Sandvik-Tochter einen langfristigen Take-or-pay-Vertrag. Er umfasst mindestens 1.720 Tonnen enthaltenes Wolframtrioxid, eine Preisuntergrenze und eine bedingte Einmalzahlung von 3 Mio. USD. In Ruanda bringt die Regierung eine Wolframkonzession und eine Verarbeitungslizenz in ein Gemeinschaftsunternehmen ein und erhält dafür 25 %. Kurzfristig sollen dort bereits gefördertes Erz und Rückstände gesammelt und aufgewertet werden.
Finanziell ist Almonty nach der Platzierung einer Wandelanleihe über 800 Mio. USD komfortabel ausgestattet. Der Kupon beträgt lediglich 2,25 %. Allerdings bleibt die Anleihe Fremdkapital und kann später zu einer Verwässerung führen. Das müssen Investoren wissen. Einen Teil davon federt allerdings der Aktienrückkauf ab. Bis Ende September hatte Almonty knapp 2,92 Mio. Aktien für rund 48 Mio. USD eingezogen. Genehmigt ist ein Programm von bis zu 300 Mio. USD.
Für zusätzlichen Rückenwind sorgen Analysten von Stifel. Das US-Research-Haus nahm die Beobachtung Ende September mit „Buy“ und einem Kursziel von 25 USD auf. Die Experten erwarten für 2026 einen Umsatz von 345,8 Mio. CAD und ein bereinigtes EBITDA von 247,1 Mio. CAD. 2027 sollen die Werte auf 926,2 Mio. beziehungsweise 792,7 Mio. CAD springen. Auf dieser Basis läge das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA für 2027 bei nur 6,9.
Die gewaltigen Ergebnissprünge zeigen allerdings auch, wie viel im Modell bereits funktionieren muss. Stifel unterstellt für 2027 einen Wolframpreis von 2.471 USD je MTU, einen zügigen Hochlauf von Sangdong und Fortschritte bei der Erweiterung der Panasqueira-Mine in Portugal. 10 % niedrigere Wolframpreise würden das geschätzte EBITDA 2027 laut Studie um rund 12 % drücken. Hinzu kommen technische Anlauf-, Qualitäts- und Lieferrisiken.
Dennoch bleiben auch andere Analysten optimistisch gestimmt. Insgesamt empfehlen 11 Analysten die Aktie aktuell zum Kauf, nur ein Experte rät zum Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es derzeit nicht. Die jüngsten Meldungen sind auch mehr als bloße Zukunftsmusik: Sangdong ist genehmigt, produziert erstes Konzentrat und besitzt langfristige Abnahmeverträge. Der nächste Beweis muss nun über steigende Produktionsmengen, Auslieferungen und Cashflows kommen.
Für risikobereite Anleger bleibt Almonty einer der spannendsten westlichen Wolframwerte. Nach den heftigen Kursschwankungen bieten sich gestaffelte Käufe an, denn die Wachstumsperspektiven bleiben gut. Kommt das operative Geschäft mit dem Hochlauf von Sangdong nachhaltig ins Laufen, besitzt das Papier von Almonty noch einen großen Hebel auf weitere Kursgewinne.
2G Energy: KI-Rechenzentren sorgen für volle Bücher
Bei 2G Energy entwickelt sich die Stromnot der Rechenzentren zum Wachstumsturbo. Weil Netzanschlüsse in den USA oft Jahre dauern, setzen Betreiber auf dezentrale Kraftwerke direkt neben den Serverhallen. Ende September meldete 2G einen Auftrag von Energy Vault über 275 Megawatt. Die containerisierten Anlagen sollen zwischen dem vierten Quartal 2027 und dem dritten Quartal 2028 ausgeliefert werden; langfristige Serviceverträge gehören dazu.
Im dritten Quartal sammelte 2G insgesamt Aufträge von mehr als 400 Mio. EUR ein, nach neun Monaten summiert sich der Ordereingang auf über 880 Mio. EUR. Der Vorstand hob deshalb die Umsatzprognose für 2027 von 570 bis 620 Mio. auf 600 bis 650 Mio. EUR an. Für 2028 werden erstmals 750 bis 850 Mio. EUR in Aussicht gestellt, die EBIT-Marge soll ab 2027 mehr als 11 % erreichen.
Noch zeigt die Gewinnrechnung das neue Wachstum nicht. Im ersten Halbjahr sank die Gesamtleistung um 4,7 % auf 184 Mio. EUR, die EBIT-Marge fiel von 3,3 auf 0,6 %. Für 2026 hält 2G dennoch an 490 Mio. EUR Umsatz und 9,5 bis 10,5 % Marge fest. Das verlangt ein starkes zweites Halbjahr. Auch die Bewertung ist mit einem geschätzten KGV von rund 36 für 2026 sportlich. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 errechnet sich allerdings ein gemäßigtes KGV von 23. Der rekordhohe Auftragsbestand bietet gute Sichtbarkeit. Bleibt der Produktionshochlauf im Plan, besitzt die Aktie trotz der bereits starken Kursentwicklung weiteres Potenzial.
Auch Analysten trauen 2G Energy noch einiges zu. 5 Kaufempfehlungen stehen lediglich einem Halte-Votum gegenüber, Verkaufsempfehlungen gibt es nicht. Im Mittel sehen die Experten den fairen Wert bei knapp 79 EUR – rund 37 % über dem aktuellen Kurs. Wer langfristig investiert, kann sich das Papier als Beimischung näher ansehen.
Redcare Pharmacy: E-Rezept zündet die nächste Stufe
Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy hat Ende September zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose erhöht. Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland soll 2026 nun 730 bis 760 Mio. EUR erreichen. Zuvor waren 680 bis 720 Mio. EUR angepeilt. Das erwartete Wachstum des Konzernumsatzes steigt von 15 bis 17 % auf 16 bis 18 %.
Wachstumstreiber ist das E-Rezept. Der deutsche Rx-Umsatz legte im dritten Quartal vorläufig um 56 % zu, im September waren es trotz höherer Vergleichsbasis 51 %. Die bereinigte EBITDA-Marge soll allerdings unverändert bei 2,5 % bis 3,0 % liegen. Der nächste Qualitätstest folgt mit den vollständigen Quartalszahlen am 29. Oktober: Entscheidend ist, ob Redcare das hohe Wachstum zunehmend in steigende Gewinne und Cashflows übersetzen kann.
Die Aktie legte nach der Prognoseerhöhung kräftig zu, wird aber noch immer nur mit rund dem 0,5-Fachen des erwarteten Umsatzes bewertet. Das ist für einen strukturellen Wachstumswert nicht überzogen. Risiken bleiben der intensive Wettbewerb, hohe Marketingkosten und mögliche regulatorische Änderungen. Doch solange das E-Rezept Marktanteile in Richtung Online-Apotheken verschiebt, besitzt Redcare gute Chancen auf eine Fortsetzung des Comebacks.
35 % Kurspotenzial verspricht das mittlere Analystenkursziel von knapp 97 EUR. Auch die Verteilung der Empfehlungen fällt freundlich aus. 9 Banken und Researchhäuser raten zum Einstieg, 3 plädieren für Halten. Ein Verkaufsvotum vergibt aktuell nur ein Analyst. Mit Blick auf das erwartete Wachstum im kommenden Jahr bleibt die Redcare-Aktie für spekulative Nebenwerte-Investoren eine Überlegung wert.
Fazit:
Almonty, 2G Energy und Redcare Pharmacy stehen an unterschiedlichen Punkten ihrer Wachstumsgeschichte. Bei Almonty entscheidet der Hochlauf von Sangdong darüber, ob aus den ambitionierten Prognosen tatsächlich kräftig steigende Gewinne und Cashflows werden. Gelingt dies, besitzt die Almonty-Aktie trotz der hohen Schwankungen das größte Kurspotenzial des Trios. 2G Energy punktet dagegen mit prall gefüllten Auftragsbüchern und einer guten Planungssicherheit. Die hohe Bewertung verlangt jedoch eine weitgehend reibungslose Abarbeitung der Großaufträge. Redcare Pharmacy wiederum profitiert vom strukturellen Siegeszug des E-Rezepts, muss das rasante Umsatzwachstum aber noch stärker in Gewinne ummünzen. Unter dem Strich bieten alle drei Aktien überzeugende Kurstreiber: Almonty für spekulative Rohstoffanleger, 2G Energy als Wette auf den Stromhunger der KI und Redcare als Comeback-Kandidat im europäischen Online-Apothekenmarkt.
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