13.03.2026 | 05:00
Daten statt Druckerschwärze: Das zweite Leben des Verlagshauses Aspermont
Ein australischer Pennystock ist vom Handel ausgesetzt. Diesmal ist das eine gute Nachricht. Denn der B2B-Fachverlag Aspermont vollzieht mit einem umgekehrten Aktiensplit und einem neuen Geschäftsmodell den Sprung vom Kellerkind zur Turnaround-Story. Analysten sehen das Kurspotenzial bei 5,00 australischen Dollar – dreimal so hoch wie der erwartete Eröffnungskurs nach Wiederaufnahme des Handels. Voraussichtlich kann das Papier bereits ab Montag wieder gekauft werden.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Mario Hose
ISIN:
ASPERMONT LTD. | AU0000458002
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Mario Hose
In Hannover geboren und aufgewachsen, verfolgt der Niedersachse die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Als leidenschaftlicher Unternehmer und Kolumnist erklärt und vergleicht er die verschiedensten Geschäftsmodelle sowie Märkte für interessierte Börsianer.
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Schlechte Erinnerungen – und eine Ausnahme
Wenn australische Pennystocks vom Handel ausgesetzt werden, verheißt das in aller Regel nichts Gutes. Ältere Semester werden sich noch an Skandale wie Adultshop.com oder Adelong erinnern: Notleidende Bergwerksgesellschaften, denen zu Zeiten der Internetblase um die Jahrtausendwende ein neues Online-Geschäftsmodell übergestülpt wurde, um sie mit zweifelhaften Renditeversprechen zu Highflyern zu machen – bis Staatsanwaltschaft und Aufsichtsbehörden dem Treiben Einhalt geboten. Nach monatelangen „trading halts“, wie es in Australien heißt, hatten die Aktien bei Wiederaufnahme des Handels nur noch einen Bruchteil ihres vorherigen Wertes.
Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Fall des australischen B2B-Fachverlags Aspermont hatte Vorstandschef Alex Kent die Handelsaussetzung lange im Voraus mit der gebotenen Transparenz angekündigt. Hintergrund war die Zusammenlegung der Aktien im Verhältnis 1:250 (sprich: eine für zweihundertfünfzig), die auf der Hauptversammlung vom 23. Februar beschlossen worden war. Anders als bei Adultshop & Co. wird der Kurs um ein Vielfaches höher sein, wenn die Aspermont-Aktie – voraussichtlich bereits am Montag, 16. März – wieder gehandelt wird. Einige Börsenplätze haben diesen sogenannten „reverse split“ bereits eingerechnet. In Frankfurt taxieren Händler den Kurs auf 0,87 EUR nach zuvor 0,0035 EUR.
Viel Kurspotenzial, wenn auch keine 25.000 %
Die daraus errechnete atemberaubende Performance von 24.757 % allerdings hat mit der Realität wenig zu tun, sondern ist einzig und allein Folge der Kapitalmaßnahme. Auch die 0,0035 EUR als Ausgangsbasis scheinen auf einen merkwürdigen Ausrutscher nach unten zurückzuführen zu sein. An anderen Börsenplätzen kostete die Aktie zuletzt zwischen 0,004 und 0,005 EUR. Es ist also durchaus möglich, dass der Eröffnungskurs am Montag die Marke von 1,00 EUR überschreiten wird.
Unabhängig davon, ob die erste Taxe nun über oder unter einem Euro liegen wird, ist das Kurspotenzial enorm. Die Analysten des Augsburger Investmenthauses GBC Research haben in ihrer jüngsten Studie ein Kursziel von 5,00 AUD ausgegeben. Das entspricht ziemlich exakt 3,00 EUR. Der Grund für die Zuversicht der Experten liegt in der digitalen Transformation des Geschäftsmodells, womit sich die meisten Printverlage immer noch schwertun. Nicht so Aspermont: Anstelle von bedrucktem Papier wird das Unternehmen in Zukunft schwerpunktmäßig maschinenlesbare Daten im Abonnement-Modell verkaufen.
190 Jahre Daten neu verpackt
Als Kunden hat CEO Kent vor allem Geologen sowie Entscheidungsträger aus dem Bergbausektor und aus der Landwirtschaft im Auge, die aus dem bis zu 190 Jahre zurückreichenden Datenschatz des Medienhauses wichtige Erkenntnisse für anstehende Projekte gewinnen können. Die zugehörige Plattform heißt Mining-IQ und beinhaltet KI-gestützte Lösungen, die Bergbaukonzernen helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Module wie World Risk Analytics zur Bewertung von Projektrisiken oder der Project Pipeline Index, der über 24 verschiedene Kriterien pro Projekt analysiert, bieten zudem wertvolle Werkzeuge für komplexe Auswertungen.
Einer der prominentesten Namen auf der Kundenliste ist der Rohstoffgigant Rio Tinto, der bereits seit Jahren auf die Expertise von Aspermont baut. Eines der strategischen Ziele des Managements ist es, die über Jahrzehnte gewachsenen Archive, aber auch aktuelle Berichte von mehr als 150 Journalisten und Analysten besser zu vermarkten, um das Geschäftsvolumen mit Bestandskunden auszuweiten. Mit Erfolg: Der jährliche Umsatz mit Rio Tinto stieg seit dem Jahr 2016 von 8.000 auf zuletzt 210.000 AUD.
Vom Verlag zur Vermarktungsmaschine
Eine Schlüsselrolle kommt dabei der hauseigenen B2B-Marketing-Agentur Nexus zu, die auch bei der Neukundenakquise bereits etliche Erfolge vorweisen kann. Nicht nur im eigenen Land hat Nexus in den zurückliegenden beiden Jahren zahlreiche Mandate gewonnen. Auch die Regierungen von Saudi-Arabien und Timor-Leste wollen sich künftig mithilfe von Nexus als attraktive Bergbauregionen positionieren. Auf Unternehmensseite wollen künftig auch Rio-Tinto-Konkurrent BHP und der deutsche Thyssenkrupp-Konzern von Aspermonts Wissensvorsprung profitieren.
Rote Zahlen mit Verfallsdatum
Selbstverständlich hat der Umbau vom B2B-Fachverlag zum Technologieunternehmen Geld gekostet. Seit 2022 hat Aspermont keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben, der Umsatz ging im gleichen Zeitraum von 18,7 auf 15,4 Mio. AUD zurück – ein Grund, warum der Aktienkurs auf das erbärmliche Niveau von weniger als einem Cent gesunken ist. Inzwischen ist die Transformation jedoch so gut wie abgeschlossen, die Zeichen stehen wieder auf Wachstum. Nach GBC-Schätzungen soll der Umsatz in diesem Jahr wieder 16,9 Mio. AUD erreichen und 2028 die 20-Mio.-Marke deutlich hinter sich lassen. Mit der Rückkehr in die Gewinnzone rechnen die Experten spätestens 2027. Längerfristig soll der Umbau zum Content-as-a-Service beziehungsweise Data-as-a-Service-Unternehmen Aspermont einen Anteil wiederkehrender Umsätze von 70 % über Abonnements und operative Margen von langfristig über 30 % bescheren.
Neubewertung ab Montag?
Aspermont fungiert als Datenzentrale für den Bergbausektor, die historische Hintergrunddaten mit aktuellen Marktanalysen verknüpft. Der geringe Börsenwert von nur rund 23 Mio. AUD (14,4 Mio. EUR) stempelt das Unternehmen zum Micro Cap, lässt aber bewertungstechnisch viel Spielraum nach oben. Der umgekehrte Split ist ein entscheidender Schritt, um dem Unternehmen wieder mehr Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt zu verschaffen. Wenn die Aktie ab Montag wieder gehandelt wird, ist der Kurszettel um eine spannende Turnaround-Story reicher.
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