18.09.2026 | 04:00
Rendite-Feuerwerk: Die Dividenden-Knaller RTL Group, Mutares und RE Royalties im Check
In Zeiten volatiler Märkte und wirtschaftlicher Unsicherheiten sind Dividenden der Fels in der Brandung. Dabei müssen Anleger nicht auf träge Standardaktien setzen. Drei Unternehmen aus dem Nebenwertesegment zünden ein wahres Rendite-Feuerwerk. Die Reise führt von einem etablierten Medienkonzern über einen Sanierungsspezialisten aus dem SDAX bis hin zu einem kanadischen Pionier auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien: Bei RTL sorgen die Übernahme von Sky Deutschland und ein inzwischen profitables Streaming-Geschäft für neue Dynamik. Mutares kauft gezielt defizitäre Sparten von Großkonzernen auf und schmiedet daraus verlässliche Renditen für Aktionäre. Und RE Royalties stellt mit mehr als 10 % Dividendenrendite beide in den Schatten – während im Hintergrund ein diskreter Verkaufsprozess läuft, der Anlegern zusätzlich eine satte Übernahmeprämie bescheren könnte.
Lesezeit: ca. 6 Min.
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Autor:
Jens Castner
ISIN:
RTL GROUP | LU0061462528 , MUTARES KGAA NA O.N. | DE000A2NB650 , RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Jens Castner
Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.
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RTL Group: Der Medienriese erfindet sich neu – und lässt die Kasse klingeln
Aktionäre von RTL konnten sich im Frühjahr über einen wahren Geldregen freuen: Satte 5,50 EUR je Aktie schüttete der Luxemburger Medienkonzern aus – eine massive zweistellige Dividendenrendite, die maßgeblich durch den erfolgreichen Milliardenverkauf von RTL Nederland ermöglicht wurde. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Nach der Hauptversammlung Ende April nächsten Jahres rechnen Analysten im Schnitt mit einer Dividende von mehr als 2,30 EUR – ganz ohne Sonderausschüttung. Daraus errechnet sich beim aktuellen Kurs von 32,20 EUR eine Rendite von 7,1 %. Selbst nach Abzug der luxemburgischen Quellensteuer von 15 % bleiben noch mehr als 6 % übrig. Berücksichtigt man zusätzlich die deutsche Abgeltungsteuer von 25 %, liegt die Nettorendite unterm Strich bei knapp 4,6 %.
Dass der im MDAX notierte Medienkonzern weit mehr ist als nur eine kurzfristige Sonderstory, unterstreichen die aktuellen Geschäftszahlen und eine wegweisende Großübernahme. Ein Meilenstein war die mittlerweile abgeschlossene Übernahme von Sky Deutschland. Die Übernahme vereint zwei der bekanntesten Medienmarken im deutschsprachigen Raum und lässt die Zahl der zahlenden Abonnenten auf rund 12,3 Mio. hochschnellen. Durch die Zusammenlegung von exklusiven Live-Sportrechten mit der Unterhaltungs- und News-Kompetenz von RTL entsteht ein echter Entertainment-Riese. RTL-Group-CEO Clément Schwebig betont die strategische Relevanz und erklärt, dass man Sky und RTL schrittweise zusammenführen und innerhalb von drei Jahren jährliche Synergien von rund 250 Mio. EUR realisieren werde. Das Ziel sei es, „die besten Talente, Inhalte und Prozesse beider Unternehmen zu vereinen“. Weniger schön für die Belegschaft: Bis zum Jahresende sollen 500 Stellen gestrichen werden.
Die Halbjahreszahlen zeigen, dass die Transformation vom klassischen, linearen Fernsehen hin zum Digitalgeschäft voll greift. Der Umsatz stieg um 3,9 % auf 2,89 Mrd. EUR, während das bereinigte operative Ergebnis um fast 50 % auf 239 Mio. EUR in die Höhe schoss. Der wichtigste Punkt: Das Streaming-Geschäft arbeitet mittlerweile profitabel. Aufgrund der Sky-Integration hat das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr kräftig auf bis zu 7,2 Mrd. EUR nach oben geschraubt. Folgerichtig spricht CEO Schwebig von einer starken Geschäftsentwicklung. Das margenstarke Digital- und Streaminggeschäft fange die Schwankungen des klassischen Werbemarktes zunehmend auf. Das Management hat deshalb seine feste Absicht bekräftigt, kontinuierlich mindestens 80 % des bereinigten Nettoergebnisses als Dividende auszuschütten.
Mutares: Die Sanierungskünstler setzen noch einen drauf
Während die RTL-Gruppe bereits mit einer außergewöhnlich hohen Rendite glänzt, setzt die Beteiligungsgesellschaft Mutares noch einen drauf. Das Münchner Private-Equity-Haus beweist, dass sich maximale Rendite und hochspannendes Risikomanagement nicht ausschließen müssen. Das Unternehmen konzentriert sich auf sogenannte „Special Situations“ – ein Geschäft, das Gründer und CEO Robin Laik kürzlich auf einer Investorenveranstaltung in Heidelberg mit klaren Worten auf den Punkt brachte: Man kaufe defizitäre Unternehmen, gehe sogar aktiv auf Konzerne zu und frage nach Problemsparten. Was für andere ein unkalkulierbares Wagnis darstellt, ist für Mutares ein System mit drei Erlösstufen. Großkonzerne lagern unrentable Sparten gerne an das im SDAX notierte Unternehmen aus, da dieses als Turnaround-Spezialist extrem effizient arbeitet. „Wir kriegen die Sanierung kostengünstiger hin, als wenn die Konzerne es selber machen würden“, erklärt Laik. Mutares verdiene sofort durch Beratungsleistungen; ist das Geschäft einmal saniert, partizipiere man an den Dividenden und später am Exit. Um Vertrauen bei der Belegschaft aufzubauen, setzt der CEO auf Augenhöhe statt Protz: „Wenn wir mit dem Betriebsrat verhandeln, fahren wir nicht im Porsche oder mit der S-Klasse vor.“ Er selbst komme am liebsten mit dem Fahrrad.
Dass dieses Rezept funktioniert, zeigen konkrete Beispiele aus der Praxis. Ein aktuelles Prunkstück im Portfolio ist der portugiesische Elektrotechnik- und Maschinenbauspezialist Efacec. Das operative Geschäft war nahezu zum Stillstand gekommen, nachdem die Teilhaber den Konzern regelrecht ausgeplündert hatten. Um das systemrelevante Unternehmen vor dem Kollaps zu retten, wurde es verstaatlicht und schließlich an Mutares übergeben – inklusive einer finanziellen Mitgift für die Sanierung. Heute steht Efacec kurz vor einem potenziellen Milliarden-Exit oder Börsengang. Wie ein perfekter Exit in der Realität aussieht, bewies Mutares im Oktober 2024 mit dem Börsengang des Spezialmotorenherstellers Steyr Motors.
Die operativen Erfolge spiegeln sich in den Zahlen wider. Das abgelaufene Geschäftsjahr schloss die Holding mit einem Nettogewinn von 130 Mio. EUR ab. Fürs laufende Jahr legt das Management die Messlatte deutlich höher: Erwartet wird ein Nettogewinn zwischen 160 und 200 Mio. EUR, wobei das untere Ende der Spanne nach Laiks Worten bereits in trockenen Tüchern ist. Diese Gewinndynamik ist eine Art Lebensversicherung für das wichtigste Versprechen der Aktie: die feste Mindestdividende von 2,00 EUR je Aktie. Beim aktuellen Kurs von 25,95 EUR errechnet sich daraus eine Rendite von 7,7 % (nach Abgeltungsteuer knapp 5,8 %) – und dabei muss es nicht bleiben. Analysten gehen davon aus, dass die Dividende fürs nächste Jahr, die nach der Hauptversammlung Mitte 2028 ausgeschüttet wird, auf 2,25 EUR steigt.
RE Royalties: Grüne Dividende toppt mit über 10 % alles
Wer glaubt, dass Mutares bereits das Ende der Fahnenstange markiert, wird von RE Royalties eines Besseren belehrt. Mit einer zweistelligen Dividendenrendite toppt das kanadische Unternehmen sogar die beiden europäischen Zahlmeister. Früher wurden 0,01 CAD pro Quartal ausgeschüttet, inzwischen hat das Management auf jährliche Auszahlungen umgestellt. Bei einer weiterhin konstanten Ausschüttung von 0,04 CAD pro Jahr ergibt sich angesichts des niedrigen Kurses von nur 0,38 CAD (0,23 EUR) eine Rendite von 10,5 %. Da lassen sich sogar die 25 % Quellensteuer verschmerzen, zumal 15 % davon auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet werden. Damit bleibt eine Rendite von fast 9,5 % übrig, nach der Abgeltungsteuer netto etwa 7,1 %.
Was zunächst paradox anmutet, ist bei genauerem Hinsehen ein berechtigter Wunsch, der im Interesse der Aktionäre liegt: Das Management hätte gerne eine deutlich niedrigere Dividendenrendite! Nicht etwa, weil die Ausschüttung zusammengestrichen werden soll, sondern weil alle Anstrengungen darauf ausgerichtet sind, den Kurs des kaum beachteten Nebenwerts nach oben zu bringen. CEO und Mitbegründer Bernard Tan macht keinen Hehl aus dieser Absicht. Radikale Schritte sind bereits eingeleitet, die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) wurde beauftragt, alle strategischen Optionen zu prüfen – bis hin zum vollständigen Verkauf des gesamten Unternehmens. Der Prozess läuft auf Hochtouren. Ein eigens eingerichteter Sonderausschuss des Verwaltungsrats sondiert den Markt. Für Dividendensammler wäre das ein herber Verlust, aber für potenzielle Käufer könnte RE Royalties ein gefundenes Fressen sein: Das einzigartige Geschäftsmodell nennt sich „Green Royalty Financing“ und ist vom Rohstoffsektor inspiriert. Es geht um Wachstumsfinanzierung für andere Unternehmen, nur dass das Geld nicht in Minengesellschaften fließt, sondern an Betreiber von Solar-, Wind- und Wasserkraftanlagen. Im Gegenzug erhalten die Kanadier einen festen Anteil am Umsatz – verlässliche, grüne Lizenzgebühren, die sogenannten Royalties.
Das Unternehmen baut also keine eigenen Kraftwerke, sondern agiert als spezialisierter Finanzierer. Seit der Gründung wurden rund 83 Mio. CAD in 27 Transaktionen investiert. Damit sichert sich RE Royalties wiederkehrende Einnahmen aus über 135 Projekten im Bereich sauberer Energien, wovon mehr als 80 % in Nordamerika liegen. Während Projektentwickler unter steigenden Baukosten ächzen, kassiert RE Royalties einfach einen vertraglich zugesicherten Prozentsatz vom Umsatz der Stromverkäufe – quasi inflationsgeschützt. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser stetige Geldfluss das Interesse großer Fische weckt. Denn die etablierte und diversifizierte Plattform wäre eine perfekte Abkürzung für große Investoren oder traditionelle Energiekonzerne, die ihr Portfolio schnell und ohne langwierige Projektierungsrisiken „ergrünen“ lassen wollen. Ein finanzstarker neuer Eigentümer könnte die Plattform zudem rasant skalieren, indem er deutlich mehr Kapital für neue Verträge bereitstellt.
Für Anleger ergibt sich dadurch eine seltene Doppelchance: Einerseits eine auskömmliche Dividende, die direkt aus sauberen Energieerträgen gespeist wird, andererseits die Aussicht auf eine saftige Übernahmeprämie. Da das operative Geschäft solide läuft und das Management überzeugt ist, dass die Börse den wahren Wert des Unternehmens verkennt, wären „natürliche Kurssteigerungen“ eine dritte denkbare Variante. Und sicher nicht die schlechteste.
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