18.09.2026 | 05:00
Die neue Macht am Himmel: Die aussichtsreichen Luft- und Raumfahrtspezialisten Volatus Aerospace, Airbus und OHB im Aktien-Check
Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie grundlegend Drohnen, Satelliten und autonome Systeme die moderne Verteidigung verändern. Gleichzeitig wollen Europa und Kanada bei sicherheitskritischer Technologie unabhängiger von den USA und China werden. Davon profitieren nicht nur etablierte Luft- und Raumfahrtkonzerne. Mit Volatus Aerospace positioniert sich auch ein kleiner kanadischer Anbieter in diesem Zukunftsmarkt. Hinzu kommen Airbus als europäisches Schwergewicht und OHB als spekulative Wette auf Europas Souveränität im All. Wir nehmen die drei Luft- und Raumfahrtspezialisten im Aktien-Check unter die Lupe.
Lesezeit: ca. 9 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , AIRBUS | NL0000235190 , OHB SE O.N. | DE0005936124
Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Volatus Aerospace: Durchbruch im Heimatmarkt
Drohnen sind längst mehr als fliegende Kameras. Sie überwachen Pipelines und Stromnetze, unterstützen Feuerwehren bei Waldbränden, sichern Grenzen und liefern militärische Aufklärung. Volatus Aerospace will von möglichst vielen dieser Anwendungen profitieren. Der kanadische Drohnenspezialist entwickelt sich dabei vom Drohnenhändler und Dienstleister zu einer integrierten Plattform für autonome Flugsysteme, Software, Ausbildung und Verteidigungstechnik.
Dass diese Strategie mehr als eine schöne Börsenstory ist, zeigt der bislang wichtigste Auftrag der Firmengeschichte. Volatus erhielt von der kanadischen Regierung einen auf fünf Jahre angelegten Vertrag zur Lieferung taktischer ISR-Drohnensysteme an die kanadischen Streitkräfte. ISR steht für Intelligence, Surveillance and Reconnaissance, also Aufklärung, Überwachung und Informationsgewinnung.
Fest bestellt sind zunächst 100 Systeme. Darüber hinaus kann Kanada bis zu 4.900 weitere Einheiten abrufen. Damit eröffnet der Vertrag einen Beschaffungspfad für insgesamt bis zu 5.000 Drohnensysteme. Der staatliche Rahmen sieht einen Höchstpreis von 5.000 CAD je System und damit ein theoretisches Gesamtvolumen von maximal 25 Mio. CAD vor. Die Auslieferung der ersten Tranche soll im vierten Quartal 2026 beginnen.
Anleger sollten allerdings beachten, dass die zusätzlichen 4.900 Systeme bislang lediglich Optionen und weder fest beauftragter Umsatz noch Bestandteil des Auftragsbestands sind. Ob und wann Kanada diese Optionen zieht, entscheidet die Regierung allein. Dennoch ist der Vertrag strategisch enorm wichtig. Volatus hat damit erstmals seine Qualifikation für die kanadische Defence Drone Initiative in einen konkreten Auftrag verwandelt.
Geliefert werden zudem nicht nur die Fluggeräte. Das Paket umfasst Nutzlasten, Bodenstationen, Datenverbindungen, Ausbildung, Ersatzteile, Wartung sowie Software- und Firmwareunterstützung. Genau diese Kombination macht den Auftrag interessant. Volatus verdient nicht nur am einmaligen Verkauf der Hardware, sondern kann über Training, Service und technische Betreuung zusätzliche, potenziell wiederkehrende Erlöse erzielen.
Dass Volatus für alle fünf Bereiche der Defence Drone Initiative qualifiziert wurde, eröffnet weitere Chancen. Das Unternehmen darf künftig auch bei Ausschreibungen für Kommunikationssysteme, Integration, Tests, Ausbildung und neue autonome Technologien antreten. Jeder Auftrag muss zwar gesondert vergeben werden. Mit dem ersten Zuschlag besitzt Volatus nun aber eine wichtige Referenz bei seinem eigenen Verteidigungsministerium.
Die Börse reagierte entsprechend positiv. Auch Analysten sehen in dem Auftrag einen möglichen Wendepunkt. Stifel-Analyst Greg MacDonald bestätigte seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 1,00 CAD, was aktuell einem Kurspotenzial von knapp 60 % entspricht. Der Experte erwartet, dass Volatus die anfänglichen 100 Systeme im laufenden Jahr ausliefert und mögliche größere Abrufe ab 2027 folgen könnten. Noch wichtiger als das unmittelbare Auftragsvolumen sei der Nachweis, dass Volatus in der Lage ist, staatliche Verteidigungsaufträge tatsächlich zu gewinnen.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen allerdings, dass der operative Durchbruch noch aussteht. Im zweiten Quartal 2026 setzte Volatus 8,4 Mio. CAD um. Gegenüber dem Auftaktquartal bedeutete das einen Anstieg um 49,5 %, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch einen Rückgang von 10,6 Mio. CAD. Verantwortlich war vor allem ein anderer Verteidigungsauftrag über rund 2,6 Mio. CAD, dessen Auslieferung sich aufgrund von Lieferkettenproblemen verschob.
Positiv entwickelte sich die Zusammensetzung des Geschäfts. Die Erlöse mit Dienstleistungen stiegen gegenüber dem ersten Quartal um 59 %, die Verkäufe von Ausrüstung um 38 %. Dienstleistungen und Training steuerten im ersten Halbjahr bereits 56 % zum Umsatz bei. Dieses Geschäft ist besonders attraktiv, weil es regelmäßiger anfällt und langfristig höhere Margen verspricht als der reine Verkauf fremder Drohnen.
Noch schreibt Volatus rote Zahlen. Das bereinigte EBITDA lag im zweiten Quartal mit 4,4 Mio. CAD im Minus. Im ersten Halbjahr fiel ein Nettoverlust von 14,1 Mio. CAD an. Die Betriebskosten stiegen um 48,4 %, weil Volatus gleichzeitig in Personal, Technologie, Verteidigungskompetenz und eigene Produktionskapazitäten investiert.
Finanziell besitzt das Unternehmen dafür vorerst den nötigen Spielraum. Ende Juni lagen 59,2 Mio. CAD in der Kasse, das Working Capital erreichte 63,8 Mio. CAD. Möglich wurde dies unter anderem durch eine Kapitalerhöhung über 34,5 Mio. CAD. Sie sichert die Expansion ab.
Zum Herzstück der Strategie wird das im Juni eröffnete Werk am Flughafen Montréal-Mirabel. Die rund 53.000 Quadratfuß große Anlage dient der Produktion und Integration autonomer Verteidigungssysteme. Der neue Militärauftrag bestätigt nun, dass diese Investition zur richtigen Zeit kommt. Bei sicherheitsrelevanten Ausschreibungen kann Volatus als heimischer Hersteller mit eigener Produktions- und Servicebasis auftreten. Hinzu kommen eigene Technologien. V-Cortex ist ein KI-gestützter Flugcontroller samt Betriebssystem für autonome Drohnen. Mit SKYDRA baut Volatus zudem eine Softwareplattform zur Erkennung und Abwehr unbemannter Fluggeräte auf. Gelingt die Kommerzialisierung, könnte der Anteil wiederkehrender und margenstarker Erlöse steigen. Volatus soll künftig nicht mehr nur Drohnen verkaufen und fliegen, sondern auch an der Intelligenz verdienen, mit der diese Systeme gesteuert, vernetzt und abgewehrt werden.
Der kanadische Militärauftrag nimmt der Geschichte nun einen Teil ihres rein spekulativen Charakters. Er ist der erste handfeste Beleg dafür, dass Volatus vom steigenden Bedarf an souveräner Drohnentechnik profitieren kann. Noch ist das Anfangsvolumen überschaubar und der Weg in die Gewinnzone weit. Werden jedoch größere Teile der 4.900 Optionen gezogen und folgen weitere Aufträge aus der Defence Drone Initiative, könnte 2027 zum entscheidenden Wachstumsjahr werden. Für risikobewusste Anleger bleibt die Aktie eine spekulative, aber ausgesprochen spannende Wette auf den nordamerikanischen Drohnenboom mit erheblichem Kurspotenzial.
Airbus: Die Lieferkette wird zur Chefsache
Während Volatus seine Produktionsbasis erst aufbaut, kämpft Airbus mit den Folgen seines eigenen Erfolgs. Die Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen ist enorm, der Auftragsbestand reicht über viele Jahre. Ende Juni standen 9.222 Verkehrsflugzeuge im Auftragsbuch. Doch fehlende Triebwerke, Bauteile und Kabinenausstattungen bremsen seit Langem die Auslieferungen. Bis Ende August lieferte Airbus 475 Flugzeuge aus, 9 % mehr als im Vorjahr. Um das Jahresziel von rund 870 Maschinen zu erreichen, müssen in den verbleibenden vier Monaten noch 395 hinzukommen. Ein sportliches Pensum. Ein volles Auftragsbuch nützt wenig, wenn entscheidende Komponenten nicht rechtzeitig eintreffen.
Wie kräftig höhere Stückzahlen auf den Gewinn durchschlagen, zeigte bereits das zweite Quartal. Bei einem Umsatzanstieg um 28 % auf 20,5 Mrd. EUR legte das bereinigte operative Ergebnis um 54 % auf 2,43 Mrd. EUR zu. Verteilen sich die hohen Fixkosten auf mehr ausgelieferte Maschinen, bleibt von jedem zusätzlichen Euro Umsatz mehr hängen. Bis 2029 will Airbus das bereinigte operative Ergebnis auf 12 bis 13 Mrd. EUR steigern. Zum Vergleich: 2025 waren es 7,1 Mrd. EUR. Ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Mrd. EUR unterstreicht die Ambitionen. Entscheidend bleibt allerdings, dass die Zulieferer mitziehen. Volle Auftragsbücher allein machen noch keinen Gewinn.
Airbus will deshalb bei kritischen Teilen mehr Kontrolle übernehmen. Als Blaupause dient die Neuordnung des angeschlagenen Zulieferers Spirit Aerosystems. Boeing übernahm den größeren, auf die eigenen Flugzeugprogramme ausgerichteten Teil. Airbus sicherte sich jene Werke und Produktionsbereiche, die wichtige Bauteile für die eigenen Modelle fertigen.
Künftig könnten weitere Übernahmen folgen. Airbus würde damit stärker über Qualität, Investitionen und Produktionsrhythmen bestimmen. Das kostet zunächst Geld und bindet Managementkapazitäten, könnte aber die Abhängigkeit von finanziell schwachen Zulieferern reduzieren. Gerade bei der stark nachgefragten A320-Familie zählt inzwischen jedes zusätzliche Flugzeug, das rechtzeitig ausgeliefert werden kann.
Airbus besitzt zudem ein umfangreiches Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft. Unter dem Projektnamen Bromo prüft der Konzern gemeinsam mit Thales und Leonardo die Zusammenlegung der europäischen Satellitenaktivitäten. Der mögliche Verbund käme auf rund 25.000 Beschäftigte und etwa 6,5 Mrd. EUR Umsatz. Ziel ist ein europäisches Gegengewicht zu den dominierenden US-Anbietern.
Airbus verbindet damit zivile Luftfahrt, Militärflugzeuge, Satelliten und zunehmend unbemannte Systeme unter einem Dach. Die Aktie ist weniger spektakulär als Volatus, bietet dafür aber ein etabliertes Geschäftsmodell und eine hohe Visibilität durch den prall gefüllten Auftragsbestand. Voraussetzung für den nächsten Kursschub ist, dass der Konzern die Lieferprobleme tatsächlich in den Griff bekommt.
Analysten sind diesbezüglich optimistisch gestimmt: Aktuell raten 21 Banken und Researchhäuser zum Kauf, lediglich 4 Analysten vergeben Halte-Voten. Verkaufsempfehlungen gibt es derzeit nicht. Das mittlere Kursziel von knapp 231 EUR eröffnet rund 20 % Kurspotenzial. Billig ist die Aktie aber nicht. Für 2026 und 2027 liegen die geschätzten KGVs bei rund 27 und 23. Angesichts eines erwarteten operativen Gewinnwachstums von rund 19 % im kommenden Jahr erscheint die Bewertung aber vertretbar. Für konservativere Langfristanleger bleibt das Airbus-Papier als Beimischung interessant.
OHB: Europas Wette auf Unabhängigkeit im All
Ohne Satelliten funktionieren weder moderne Streitkräfte noch Navigation, Kommunikation oder die präzise Steuerung autonomer Systeme. Genau hier kommt OHB ins Spiel. Der Bremer Konzern baut Satelliten, liefert Raketenteile und betreut Systeme vom Boden aus. Damit gehört OHB zu den wenigen europäischen Börsenwerten, über die Anleger direkt auf den Ausbau der Weltrauminfrastruktur setzen können.
Die Projektpipeline ist beachtlich. Gemeinsam mit Rheinmetall bewirbt sich OHB um ein Bundeswehrprojekt für Satellitenkommunikation mit einem möglichen Volumen von 8 bis 10 Mrd. EUR. Bereits der Gewinn eines kleineren Anteils könnte die Dimension des Unternehmens erheblich verändern. Hinzu kommt ein Milliardenauftrag für 18 Satellitenplattformen des europäischen Kommunikationsnetzwerks IRIS 2. Bis 2030 sollen insgesamt 348 Satelliten eine unabhängige und abhörsichere Alternative zu Netzen wie Starlink schaffen.
Operativ bringt OHB eine solide Basis mit. 2025 stieg der Umsatz auf 1,25 Mrd. EUR, der operative Gewinn erreichte gut 125 Mio. EUR. Der Auftragsbestand summierte sich auf 3,3 Mrd. EUR. Mittelfristig soll der Umsatz auf mehr als 4 Mrd. EUR klettern und die operative Marge 13 % erreichen. Eine Kapitalerhöhung über rund 484 Mio. EUR liefert das Geld für den Ausbau.
Ganz ohne Gegenwind bleibt die Story nicht. Wie schon erwähnt wollen Airbus, Thales und Leonardo mit Bromo ihre Satelliten- und Raumfahrtaktivitäten bündeln. Der entstehende Verbund wäre gemessen an Umsatz und Beschäftigten ein Vielfaches größer als OHB und könnte bei europäischen Großprojekten Vorteile besitzen. Der Bremer Konzern muss beweisen, dass er neben einem solchen Giganten seine Rolle als flexibler Spezialist behaupten kann.
Auch die Kursentwicklung mahnt zur Vorsicht. Die OHB-Aktie schoss zeitweise von rund 60 auf fast 680 EUR, bevor sie wieder deutlich unter 200 EUR zurückfiel. Der extrem geringe Streubesitz hatte die Ausschläge zusätzlich verstärkt. Nach der Kapitalerhöhung und einem Teilverkauf des Investors KKR könnte der frei handelbare Anteil nun auf knapp 20 % steigen. Das verbessert die Handelbarkeit, verhindert aber keine erneuten Schwankungen.
Auch bei OHB ist die Analysten-Gilde sehr zuversichtlich: 8 Banken und Researchhäuser empfehlen die Aktie zum Kauf, lediglich ein Institut stuft sie mit „Halten“ ein. Verkaufsempfehlungen gibt es wie bei Airbus und Volatus momentan keine. Das durchschnittliche Kursziel von gut 300 EUR signalisiert noch ein Aufwärtspotenzial von fast 70 %. OHB ist damit der Mittelweg zwischen Airbus und Volatus: größer und etablierter als der kanadische Drohnenspezialist, aber deutlich spekulativer als der europäische Flugzeugbauer. Wer auf Europas Aufrüstung und technologische Unabhängigkeit im All setzen möchte, findet hier eine interessante, allerdings weiterhin schwankungsreiche Aktie.
Fazit: Drei Wege in denselben Wachstumsmarkt
Volatus, Airbus und OHB decken unterschiedliche Ebenen derselben Entwicklung ab. Volatus liefert Drohnen, autonome Steuerung und Dienstleistungen. Airbus steht für industrielle Größe, Luftfahrt und den Aufbau eines europäischen Satellitenchampions. OHB bietet den direktesten Zugang zu Europas unabhängiger Kommunikations- und Aufklärungsinfrastruktur im All. Das größte Kurspotenzial, aber auch das höchste Risiko besitzt Volatus. Airbus ist der solide Standardwert des Trios. OHB bleibt eine spannende Spezialwette auf neue Milliardenaufträge – allerdings mit einer Kursentwicklung, die nichts für schwache Nerven ist.
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