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16.10.2026 | 05:27

Flagge zeigen: Frankreich rüstet auf – Daimler Truck, Airbus und HPQ Silicon profitieren

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Bildquelle: Pixabay

Frankreichs Staatsanleihen stehen unter Druck, an den Märkten geht die Angst vor einer neuen Eurokrise um. Doch bei der Verteidigung spart Paris nicht. Davon profitieren der Lkw-Hersteller Daimler Truck, der Flugzeugbauer Airbus und ein kanadischer Nebenwert, den Analysten noch nicht auf dem Radar haben: HPQ Silicon. Das Unternehmen hält 36,8 % an Novacium, einem Batteriespezialisten mit Sitz im Großraum Lyon, der Akkus deutlich leistungsfähiger macht und deshalb zuletzt mit wegweisenden militärischen Aufträgen für Funkgeräte und Drohnen von sich reden machte. Nun testet auch ein US-Elektroautobauer die Zellen. Ein Geheimtipp und zwei etablierte Großkonzerne – diese Aktien sollten Anleger im Blick behalten.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: HPQ Silicon Inc | CA40444L1031 , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013 , NL0000235190

Paris wird zum Risiko – und zum Auftraggeber

Anfang Oktober kletterte die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen zeitweise auf fast 5 %. So teuer war frisches Geld für die Grande Nation zuletzt 2002. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen erreichte den höchsten Stand seit der Eurokrise. Die Staatsschulden liegen bei 119 % der Wirtschaftsleistung, im Parlament fehlt eine stabile Mehrheit. Im Frühjahr 2027 wird ein neuer Präsident gewählt, an der verfahrenen politischen Situation dürfte das nach Lage der Dinge nichts ändern. Im Gegenteil: Viele Investoren fürchten, dass sich die Krise von Paris aus auf ganz Europa ausbreitet. Ein Posten bleibt jedoch tabu: Der Verteidigungsetat soll 2027 auf 63,3 Mrd. EUR steigen und bis zum Ende des Jahrzehnts 76,3 Mrd. EUR erreichen. Für die Lieferanten der Streitkräfte ist das eine verlässliche Größe in unsicheren Zeiten.

Daimler Truck: 7.000 Lastwagen für die Armee

Den bislang größten Brocken sicherte sich Daimler Truck. Im Januar bestellte das französische Verteidigungsministerium 7.000 geländegängige Militär-Lkw vom Typ Zetros. Hinter dem Kürzel PL6T steht ein Logistikfahrzeug mit 6 t Nutzlast. Das Programm läuft über zehn Jahre. Gebaut werden die Fahrgestelle in Wörth am Rhein und im elsässischen Molsheim. Der französische Partner Arquus übernimmt die militärische Ausrüstung und die Wartung. Preise wurden nicht genannt, Branchenkenner rechnen mit einem Milliardenbetrag.

Für Anleger zählt vor allem die Planbarkeit. Das zivile Lkw-Geschäft schwankt stark mit der Konjunktur. Rüstungsaufträge laufen dagegen über viele Jahre. Im Juni hat der Konzern seine Aktivitäten unter der Marke Daimler Truck Defence gebündelt. Bis 2028 soll der Umsatz der Sparte auf 1 Mrd. EUR steigen, 2025 war es noch ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag. Ein Vorteil ist die Nähe zur Serienfertigung. „Wir greifen auf Produkte zurück, die sich schon bewährt haben“, erklärt Spartenchef Dennis Kinzelmann. Teure Sonderanlagen sind damit kaum nötig.

Im August hob der Konzern zudem die Jahresprognose an. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) soll nun 3,6 bis 4,1 Mrd. EUR erreichen, zuvor waren 3,2 bis 3,7 Mrd. EUR geplant. Den Ausschlag gab das starke Nordamerika-Geschäft. Die Deutsche Bank sieht das Kursziel bei 54 EUR. Beim aktuellen Kurs von etwa 41 EUR errechnet sich daraus ein Potenzial von mehr als 30 %. Auch die erwartete Dividendenrendite von mehr als 4,5 % und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von nur knapp über 10 fürs laufende Jahr lassen die Aktie attraktiv erscheinen.

Airbus: Schutz für geheime Daten

Lastwagen bewegen Material. Mindestens ebenso wichtig ist heute der sichere Fluss von Informationen. Genau hier setzt der jüngste Auftrag für Airbus an. Ende September erhielt die Tochter Airbus Cybersecurity von der französischen Rüstungsbehörde DGA einen Vertrag über 25 Jahre. Airbus entwickelt, baut und wartet sogenannte Sicherheits-Gateways. Diese Schleusen kontrollieren den Datenaustausch zwischen Netzen verschiedener Geheimhaltungsstufen. Sie kommen in Rechenzentren und Gefechtsständen zum Einsatz, aber auch an Bord von Flugzeugen, Hubschraubern und Drohnen. Bereits im Dezember 2025 hatte Airbus einen Rahmenvertrag über 50 Mio. EUR erhalten, um künstliche Intelligenz in die Systeme der französischen Armee zu integrieren.

Für den Flugzeughersteller sind das relativ kleine Summen. Wichtiger ist das Signal. Die Verteidigungssparte galt wegen teurer Pannen beim Transporter A400M lange als Sorgenkind. Aber im ersten Halbjahr 2026 stieg ihr bereinigtes EBIT um 84 % auf 487 Mio. EUR, der Auftragseingang legte um 83 % auf 9,3 Mrd. EUR zu. Software- und Serviceverträge gelten zudem als margenstärker als der Bau von Militärflugzeugen. „Unsere Konzentration auf eine stetige Umsetzung zahlt sich aus“, sagt Konzernchef Guillaume Faury. Für das Gesamtjahr peilt Airbus rund 870 Auslieferungen und ein bereinigtes EBIT von etwa 7,5 Mrd. EUR an. Am 28. Oktober legt der Konzern seine Zahlen zum dritten Quartal vor.

Auch hier sehen Analysten beim aktuellen Kurs von etwa 193 EUR einiges Potenzial. Das durchschnittliche Ziel von etwa 230 EUR lässt knapp 20 % Luft nach oben. RBC Capital Markets nennt in einer Studie vom 9. Oktober sogar 250 EUR, was ebenfalls knapp 30 % Aufwärtspotenzial verheißt. Die Schätzungen für die Dividendenrendite sind mit 1,8 % deutlich niedriger als bei Daimler Truck, das KGV von knapp 26 wesentlich höher. Dafür sind die Erträge besser planbar. Die Produktion ist auf zehn Jahre hinaus ausgelastet. Die Wartezeit für Neubestellungen der beliebten Baureihe A320neo beträgt bis zu acht Jahre.

HPQ Silicon: Doppelte Laufzeit für Funkgeräte und Drohnen

Ohne Funk keine Führung, ohne Strom kein Funk. Bei Soldaten im Einsatz entscheidet die Batterie, wie lange sie erreichbar bleiben. An dieser Stelle kommt ein Nebenwert ins Spiel, der weit weniger bekannt ist als Großkonzerne wie Airbus und Daimler Truck. HPQ Silicon aus Montreal hält 36,8 % am französischen Batteriespezialisten Novacium. Bis 2028 kann HPQ den Anteil für knapp 5 Mio. EUR auf knapp die Hälfte aufstocken. Die Übernahme der restlichen Aktien würde danach laut Vertrag nur noch 1 Mio. EUR kosten. Das klingt zunächst kurios, liegt aber daran, dass HPQ die Arbeit von Novacium zu einem guten Teil mitfinanziert, allein über Lizenzgebühren von 90.000 EUR im Monat. Wer HPQ-Aktien kauft, investiert damit auch in die Zusammenarbeit von Novacium mit den französischen Streitkräften. Hinzu kommen die exklusiven Vermarktungsrechte für dessen Technologie in Nordamerika. Das Start-up aus Solaize bei Lyon ersetzt in der Anode, dem Minuspol eines Akkus, einen Teil des üblichen Graphits durch Silizium. Das Material speichert deutlich mehr Energie, dehnt sich beim Laden aber stark aus. Diese Schwäche technisch in den Griff zu bekommen, ist der Kern des Geschäftsmodells.

Ende Juni beauftragte die Technische Sektion der französischen Armee (STAT) Novacium mit der Entwicklung neuer Akkus für taktische Funkgeräte. Mit der ersten Lieferung im dritten Quartal ist das Kernziel zumindest auf dem Papier erreicht. Die Packs speichern 144 Wattstunden statt 72 und passen dennoch an bestehende Stecker und Ladegeräte. Die Energiedichte stieg um 63 %. „Wenn die Erprobung die erwartete Leistung bestätigt, könnte das Programm eine technische Grundlage bilden, um die Lösung weiteren verbündeten Streitkräften anzubieten“, sagt HPQ-Chef Bernard Tourillon. Die Rückmeldung der Truppe wird in den kommenden Wochen erwartet. Eine zweite Serie mit Zellen der neuesten Generation soll folgen. Außerdem orderten der Novacium-Partner LN’Innov für ein Regiment der Armee sowie der Hersteller Alta Ares Akkupacks für Drohnen.

Grüner Wasserstoff aus Aluminiumschrott

Zudem läuft noch ein weiteres Projekt mit dem französischen Militär: die Produktion von grünem Wasserstoff ganz ohne Strom und ohne Elektrolyseur. Novacium stellt dafür eine eigene Aluminium-Silizium-Legierung als Brennstoff her, zum Teil aus Aluminiumschrott. Der Vorteil des METAGENE™ genannten Verfahrens: Der Wasserstoff entsteht direkt unter Druck und genau dort, wo er gebraucht wird. Kompressoren, Drucktanks und Lieferketten fallen weg oder werden zumindest kleiner. Die Technik ist zum Patent angemeldet, die Rüstungsbehörde DGA hat Interesse signalisiert und das Projekt für ein Förderprogramm vorausgewählt. Als Nebenprodukt entsteht nutzbare Wärme, die sich nach Worten Tourillons auch zum Heizen von Gebäuden verwenden lässt. Novacium ist daher nicht allein auf militärische Aufträge angewiesen.

Inzwischen öffnet sich auch eine Tür in die zivile Fahrzeugwelt. Mitte Oktober unterzeichneten HPQ und Novacium eine Testvereinbarung mit Aptera Motors. Das an der Nasdaq notierte US-Unternehmen entwickelt ein besonders sparsames Elektroauto, das einen Teil seines Stroms über Solarzellen in der Karosserie selbst erzeugt. Erst kürzlich erhielt das erste Modell die Konformitätsbescheinigung der US-Umweltbehörde EPA. Bei einem solchen Fahrzeug zählt jede Wattstunde, die sich auf wenig Raum und Gewicht unterbringen lässt. Aptera prüft nun zunächst im Labor die Rundzellen im Format 21700, die HPQ unter der Marke ENDURA+™ vermarktet. Damit werden die Zellen erstmals für den Einsatz in einem Elektroauto bewertet. Nach Angaben von HPQ speichern sie rund 25 % mehr Energie als herkömmliche Zellen gleicher Größe, mit jeder neuen Generation dürfte der Abstand wachsen. „Genau auf diese Entwicklung haben wir mit ENDURA+™ hingearbeitet“, unterstreicht Tourillon. Eine Liefervereinbarung ist mit dem Test allerdings nicht verbunden. Fallen die Ergebnisse positiv aus, könnten weitere technische Prüfungen und kommerzielle Gespräche folgen.

Ein zweites Standbein ist das Gemeinschaftsunternehmen HPQ Silica Polvere, das HPQ seit Ende September mit PyroGenesis betreibt. Beide Partner halten je die Hälfte an dem Spezialisten, dessen Plasmareaktor Quarz in einem Schritt in pyrogene Kieselsäure umwandelt, einen wichtigen Füllstoff für Dichtmassen, Arznei- und Nahrungsmittel, aber eben auch Batterien. Gespräche über Anlagen mit 1.000 bis 10.000 t Jahreskapazität laufen. Zu guter Letzt hat HPQ Silicon noch ein weiteres Ass im Ärmel: die Verwertung der gefährlichen schwarzen Krätze, die beim Recycling von Aluminium anfällt. Bislang landet sie fast vollständig als Sondermüll auf der Deponie. Mit dem Verfahren HyDRAS™ wird daraus Wasserstoff, Wärme und ein wiederverwertbarer Reststoff. Als Zusatz dient Rotschlamm, ein weiterer Abfall der Aluminiumindustrie. Das zugrunde liegende Verfahren wurde Anfang 2025 zum Patent angemeldet, als Nächstes soll eine industrielle Pilotanlage folgen.

Drei Wege, eine Richtung

Frankreichs Haushalt bleibt eine Baustelle, und an den Anleihemärkten dürfte die Nervosität mindestens bis zur Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 anhalten. Trotzdem deutet bislang wenig auf Einsparungen beim Militär hin, denn über die Notwendigkeit einer stärkeren Armee herrscht in Paris breiter Konsens. Anleger, die davon profitieren wollen, finden in den drei vorgestellten Aktien sehr unterschiedliche Chancen und Risiken.

Daimler Truck bietet eine solide Kombination aus Bewertung und Ausschüttung. Der Zetros-Auftrag sichert über zehn Jahre planbare Umsätze und federt die Schwankungen im zivilen Lkw-Geschäft ab. Dazu kommen 30 % Kurspotenzial und eine Dividendenrendite von mehr als 4,5 %. Airbus ist der teurere Wert, dafür sind die Auftragsbücher auf ein Jahrzehnt gefüllt. Die Verteidigungssparte hat ihre Rolle als Sorgenkind abgelegt und trägt inzwischen spürbar zum Ergebnis bei. Neue Impulse könnten die Quartalszahlen am 28. Oktober liefern.

HPQ Silicon spielt in einer anderen Liga. Die Aktie steht vor mehreren Wendepunkten. In den kommenden Wochen erwartet Novacium die Rückmeldung der französischen Armee zu den Funkgeräte-Akkus. Parallel laufen die Labortests bei Aptera Motors und die Planung für Anlagen für pyrogene Kieselsäure. Gelingt der Sprung von der Erprobung in die Serienfertigung, dürfte der aktuelle Börsenwert von nur etwa 60 Mio. CAD kaum noch zu halten sein. Der Kurs von 0,13 CAD (an deutschen Handelsplätzen 0,08 EUR) hat enormes Potenzial, vor allem, wenn Analysten und institutionelle Anleger auf den Wert aufmerksam werden. Da es sich um einen Micro-Cap handelt, muss allerdings mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet werden als bei den etablierten Großkonzernen.


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Der Autor

Jens Castner

Jens Castner

Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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